Winnenden Der Retter in der Not

Dank Denis Rothenbücher kann das Bürger Bädle ab sofort wieder zum Schwimmen, Baden, Tauchen genutzt werden. Foto: Palmizi / ZVW

Winnenden-Bürg. Denis Rothenbücher ist der neue Held vom Bürger Bädle. Er hat sich als Rettungsschwimmer beworben und eine Woche später, am 1. August, seinen ersten Dienst angetreten. Dank ihm kann das kleine Becken nun endlich wieder genutzt werden – nach der Badepause 2015 und der siebenwöchigen Hängepartie dieses Jahr.

Video: Der neue Bademeister stellt sich vor.

Es war wie verflixt und zugenäht: Nach langen Verhandlungen hatte der Badverein Bürg sowohl die Stadtwerke Winnenden als Betriebsführerin gewonnen, als auch eine Zuschusszusage der Stadt Winnenden in der Tasche. Die Ehrenamtlichen wollten die Kasse besetzen und den Kiosk bewirten. Mit dem Geld der Stadt sollte ein Rettungsschwimmer angestellt werden, der die Sicherheit der Badenden überwacht und die Wasserqualität kontrolliert. Doch Anfang Juni war klar: Auf die Stellenanzeigen meldet sich niemand, das Bad kann wieder nur als Ausflugsgaststätte mit schöner Aussicht geöffnet werden. Die Badehose muss trocken bleiben.

Woran lag’s? „Wir hatten sogar Probleme, dieses Jahr Saisonkräfte für das Mineralfreibad Höfen und das Wunnebad zu bekommen“, sagt Stadtwerkegeschäftsführer Stefan Schwarz. „Auch für uns war es extrem schwierig.“

Das Bürger Becken misst 16 auf zehn Meter

Immerhin: Das Wetter tat dem Verein den Gefallen, nicht allzu konstant allzu schön zu werden. Und jetzt, kurz vor den Sommerferien, kam doch noch der Retter in der Not, im doppelten Sinne: Denis Rothenbücher aus Berglen-Oppelsbohm macht’s möglich, dass wieder Menschen schwimmen können im 16 auf zehn Meter kleinen Becken. Und falls sie untergehen, wird er sie herausziehen und ihnen erste Hilfe angedeihen lassen.

Der 23-Jährige ist Triathlet und hat unter anderem deshalb den Rettungsschwimmer gemacht, weil er früher als Schwimmlehrer im Ausland gejobbt hat. „Nach meinem Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium habe ich Gesundheits- und Krankenpfleger gelernt und im Krankenhaus in Tübingen gearbeitet“, erzählt er. Ab Oktober will er Sportwissenschaften in Köln studieren. „Also zog ich zur Überbückung wieder her und erfuhr von Bekannten, dass eine Aufsicht gesucht wird.“ Er lächelt bescheiden, macht kein großes Aufheben um sich, scheint ein stilles Wasser zu sein. In jedem Fall wird ihm der Job an der frischen Luft mit einem überschaubaren, nicht zu turbulenten Bädle, Spaß machen.

Seine neuen Chefs Stefan Schwarz beziehungsweise Bäderleiterin Kerstin Fuchs, werden ihn aber nicht nur in Bürg einsetzen, sondern auch in Höfen und im Wunnebad. Im Gegenzug kommen Kollegen aus den Tal-Bädern nach Bürg. So können die Stadtwerke verschiedene Schichten abdecken und vorgeschriebene Pausen einhalten.

Seine technischen Aufgaben jedenfalls hat Denis Rothenbücher schnell begriffen: „Ich kontrolliere die Umwälzpumpe, ob sie die richtige Menge Desinfektionsmittel zuführt. Falls nicht, rufe ich Hilfe vom Wunnebad.“ Dreimal täglich misst und dokumentiert er die Wasserqualität, und ansonsten führt er Aufsicht über die Badenden im und die Leute am Becken. „Ich war bisher noch nie im Bürger Bädle, kannte es nur vom daran Vorbeilaufen“, gesteht der 23-Jährige. Wie viele Triathleten des VfL Waiblingen trainiert er auf der 50-Meter-Bahn im Wunnebad, allenfalls Läufe oder Radstrecken führten ihn nach Bürg an die Panoramastraße.

An die Mitglieder: „Kommed – ond schaffed“

Das Becken des Bürger Bads hat einen Nichtschwimmerbereich, der mit einer Leine vom Schwimmerbereich abgetrennt ist. Der Boden senkt sich von der Leine an sanft ab.

Derzeit beträgt die Wassertemperatur 22 Grad.

Unter den 285 Mitgliedern des Badvereins Bürg, gegründet im Jahr 1931, sind viele Kinder. An alle Erwachsenen richtet sich der Aufruf des Vorsitzenden Jörg Glemser: „Kommed ond schaffed!“ Für Kasse und Kiosk sind ehrenamtliche Helfer willkommen.

Normalerweise dauert eine Saison im Bürger Bad von Anfang Juni bis Mitte September, bis Ende der Sommerferien. Dann würde die Betriebsführung durch die Stadtwerke inklusive Personal 20 000 Euro kosten. Das hätte der Verein allein nicht bezahlen können. Die Stadt zahlt einen Zuschuss in Höhe von 10 000 Euro pro Saison, den Rest bezahlt der Verein. „Wir sind beiden sehr dankbar“, so Glemser.

Info

Das Bürger Bädle am Ende der Panoramastraße und Beginn des Waldes gelegen, öffnet bei Badewetter zu folgenden Zeiten: Montag bis Freitag 13 bis 21 Uhr, Samstag 13 bis 21 Uhr und Sonntag 11 bis 21 Uhr. Wer sichergehen will, ruft an unter Telefon 07195-75118. Der Eintritt beträgt einen Euro für Kinder und 2,50 Euro für Erwachsene.

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