Winnenden Drei Wochen China: Wie wird das?

Winnenden. Nervös sind sie alle, die 24 Zehntklässler, die am Sonntag nach China aufbrechen. Es ist der erste Besuch von Schülern des Georg-Büchner-Gymnasiums in der Fushun Highschool in Tonglu und soll den Beginn einer neuen Schulpartnerschaft darstellen. Damit vor Ort alles klappt, haben sich die 15- bis 16-Jährigen gründlich auf ihre Reise in eine fremde Kultur vorbereitet.

„An vier Nachmittagen zum Beispiel haben wir uns in der Schule getroffen, um die Verhaltensregeln zu lernen“, erzählt Schülerin Nicole Stober. Das ist besonders wichtig, weil die Jugendlichen in einer der drei Wochen bei Gastfamilien wohnen und den Schulunterricht besuchen. „Wir sollen dem Lehrer oder dem Gastvater nicht direkt in die Augen schauen, also uns eher unterwürfig geben. Außerdem muss man immer einen kleinen Anstandsrest in der Schüssel lassen und sollte die Stäbchen nicht in die Schüssel stellen“, berichtet die 15-Jährige. Gelernt haben sie das von einer chinesischen Professorin, die in Deutschland lebt und die Zehntklässler zweimal besucht hat.

Aufpassen bei der Betonung – sonst sagt man „Urin“ statt „Hallo“

„Die Chinesin hat uns empfohlen, dass wir die Hauptspeise immer essen sollen, selbst wenn es uns nicht schmeckt, weil es das Beste ist, was sie stets den Gästen geben. Da müssen wir dann eben durch“, ergänzt Steffen Schütz. „Und wir haben ein paar chinesische Wörter gelernt. Na, da werden wir ganz schön auf die Betonung aufpassen müssen“, sagt der 16-Jährige schmunzelnd. Alle lachen und nennen dann halb verschmitzt, halb peinlich berührt die Beispiele: Das chinesische Wort „ma“ kann je nach Betonung „Mutter“, „Pferd“ oder „schimpfen“ bedeuten. Und während „ni hao“ für ein freundliches Hallo steht, sollte man seinem Gegenüber besser nicht das anders betonte „niào“ zurufen – das heißt nämlich Urin. Deshalb ist auch Svenja Kamm gespannt auf den Kontakt: „Wir sind gezwungen, uns die ganze Zeit auf Englisch zu unterhalten, und ich hoffe, dass wir gut zurechtkommen.“

Sie haben geübt, mit Stäbchen zu essen, Gummibärchen und Nüsse, haben sich in Gruppenarbeiten Wissen über Politik, Wirtschaft, Erdkunde und Geschichte des Landes erarbeitet. Sie haben sich Reisepässe besorgt, Visa beantragt, ihre Impfungen auffrischen lassen. Jetzt müssen sie nur noch packen – alles Mögliche für verschiedene Wetterlagen, denn vor und nach dem Aufenthalt in den Gastfamilien reist die Gruppe insgesamt 13 Tage durch China. „Was auf jeden Fall in den Koffer muss, sind die neongrünen Mützen, die wir alle bekommen, damit wir uns in der Menge wiederfinden“, erklärt Heike Fitzke. Falls doch mal jemand verloren geht, wird jeder immer eine Art Visitenkarte bei sich tragen, auf der auf Chinesisch steht, wer sie sind und wo ihre derzeitige Unterkunft ist.

„Der Austausch ist eine tolle Chance, weil China kein typisches Urlaubsland ist. Es ist eine ganze andere Kultur, ganz andere Menschen, von denen wir auch durch die Rundreise richtig viel mitbekommen“, findet Franziska Kuhnle. Ihre Mitschülerin Nura Yayla freut sich vor allem auf die Woche in den Familien: „Die Möglichkeit zu haben, ihren Alltag zu Hause und ihren Schulalltag mit ihnen zu teilen, ist einfach super – da sind wir quasi live dabei.“

Schon jetzt haben die Schüler Kontakt mit ihren Austauschpartnern in Asien. Mit einem Nachrichtenprogramm fürs Smartphone, das auch gleichzeitig übersetzt, schreiben sie sich – in der Gruppe oder einzeln mit den Gastgeschwistern. Sie tauschen Fotos von sich selbst, ihren Schulen und Sportplätzen. Die Chinesen schicken Bilder vom Essen, die Winnender vom Schnee im Winter.

Ist es den Schülern mulmig, in ein kommunistisches Land zu reisen, das weit entfernt ist von rechtsstaatlichen Normen und persönlicher Freiheit seiner Bürger? – „Überhaupt nicht“, antwortet Steffen Schütz. „Mit Vorurteilen da hinzugehen bringt ja nichts. Wir wissen nicht, wie es dort ist. Deshalb fahren wir ja hin.“

Auf unserer Internetseite unter www.zvw.de/chinaaustausch werden die Schüler über ihre Erfahrungen schreiben und Fotos zeigen können.

Peking, Pingyao, Xian und Shanghai

Die Reise dauert vom 29. März bis zum 18. April. Die Schüler werden die berühmtesten Sehenswürdigkeiten wie Sommerpalast, Himmelstempel und Chinesische Mauer in Peking besichtigen sowie einen Wohnhof und einen Shuanglin-Tempel in Pingyao.

Sie besuchen die Terrakottaarmee und Naturparks in Xian sowie berühmte Gebäude und Gärten in Shanghai.

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