Winnenden Winterschwimmen im Wunnebad

Winnenden. Feine Nebelschwaden bilden sich über dem warmen Wasser, sie steigen langsam auf in den Himmel, der sich gerade von Hellblau in Orangerot zu färben beginnt. Man sieht die zehn Schwimmer kaum, die im Sportbecken ruhig ihre Bahnen ziehen. Nur beim Wenden schlagen manche Wellen, dann klingt das Wunnebad nach Meer. Ein Freibad im Winter – schön.

Video: Winterliches Schwimmvergnügen im Wunnebad.

Normalerweise gibt es nichts Tristeres als verwaiste Freibecken, in deren Wasser Blätter liegen und es braun färben. Das Wunnebad macht da seit Jahren eine Ausnahme und öffnet sein 50-Meter-Freibecken das ganze Jahr. Wegen der Sanierung eines kleinen Außenbeckens war’s erst eine Notlösung, die aber bei Sportlern und normalen Schwimmern extrem gut ankam. Die Stadt behielt das Angebot bei. Kreisweit gibt es nichts Vergleichbares.

Vereinssportler schätzen die lange Bahn und die frische Luft

Ingo Weiß trägt eine eng anliegende anthrazitfarbene Badekappe und eine verspiegelte Schwimmbrille – und kommt wegen dieses großen Freibeckens extra aus Esslingen ein-, zweimal die Woche her. Mit dem Training rettet er die im Sommer beim Schwimmsportverein aufgebaute Kondition übern Winter. Mit breiter, muskulöser Schulterpartie krault er in den beiden abgeteilten Bahnen gekonnt durchs lauwarme Wasser, 50 Meter hin, 50 Meter her. Am Ende jeder Bahn macht er eine elegante Rollwende, dann schwappt eine Weile Wasser über den Rand und läuft gluckernd ab. Das Plätschern und Rauschen hat etwas sehr Meditatives. Entfernt weht nur die Musik vom Eispark herüber, der an diesem Ferientag vor Menschen fast überquillt.

Nicht so das Sportbecken. Langsam, aber stetig ziehen neun weitere Schwimmer im weitaus größeren Teil des Beckens ihre Bahnen. Jetzt am frühen Nachmittag ist am wenigsten los, morgens ab 8 Uhr und ab 17 Uhr wird’s üblicherweise voller. Der Weg ins Becken ist jedoch für alle gleich: Von der warmen Innendusche huscht man hurtig-vorsichtig, um nicht auszurutschen, durch die kalte Luft, streift rasch die Badeschuhe ab, um sich dann langsam ins wohlig warme Wasser gleiten zu lassen. Doch was ist das? Eine erwachsene Frau mit Schwimmgürtel?! „Ich mache Aquajogging“, sagt Rosemarie Stifel aus Winnenden. Der Schaumstoffgurt gibt ihr Auftrieb, sie schwebt aufrecht im Wasser und bewegt Arme und Beine gegen den Widerstand.

„Ein Moment wie ein Schwert“, sagt ein Mann, der aus dem Wasser steigt

Die Steinbänke oder die überdachten Kleiderhaken dienen nur als Ablage für Handtuch, Tasche, Bademantel – zum Verweilen im Freien hat im Winter keiner Lust. Noch schlimmer scheint es, wenn man nach dem Schwimmen aus dem Becken muss. Ein Mann schlüpft rasch in seine Schlappen und läuft los: „Aaah, ein Moment wie ein Schwert!“, ruft er. Vermutlich fühlt er sich 15 Minuten später, nach einer weiteren Dusche und winterlich warm angezogen, aber wie neu geboren.

Auch wenn es so scheint, dass hier draußen die Badegäste kaum miteinander reden – man lernt sich doch allmählich kennen, in der Umkleide, die sich beim kleinen Hallenbad befindet und behelfsmäßig in zwei kleinen Mietcontainern in der Nähe des Außenbeckens. „Das Einzugsgebiet ist riesig“, sagt Ingo Weiß, „ich habe schon Leute aus Schorndorf und Schwäbisch Hall getroffen.“ Er kennt auch eine Dame, die über 80 Jahre alt ist und regelmäßig im Winter draußen schwimmt. „Es ist einfach ein Sport, der bis ins hohe Alter fit hält. Unsere alten Mitglieder in Esslingen sind nie krank“, wünschte er sich auch wieder mehr Begeisterung bei den Kindern fürs Schwimmen. Kurz nach 17 Uhr, es ist dunkel, kommen Nachwuchs und ein Trainer mit Stoppuhr. „Müsste TSV oder VfL sein“, sagt Emanuel Froese, als er in seinem Aufsichtsturm in den Kalender blickt. Für den Schwimmmeister ist die Arbeit im Winter „etwas trister als im Sommer: Ich sitze hier drin allein und habe wenig Kontakt. Die Leute kommen, schwimmen und sind wieder weg.“ Ein Freibad im Winter – doch nicht nur schön? „Es ist purer Luxus, was wir hier bieten, aber deshalb wird es ja auch so gut angenommen. Und das sichert die Zukunft des Bads“, meint Froese.

Ab 27. Februar zu

Das Sportbecken muss saniert werden, sagt Bäderleiterin Kerstin Fuchs. Stimmt der Aufsichtsrat der Betreiberin Stadtwerke Winnenden am 10. Januar zu, ist es von 27. Februar bis Anfang Juni geschlossen.

Das Becken erhält unter anderem eine neue Folie, Unterwasserscheinwerfer und einen besseren Zugang für Gehandicapte.

Ein vergleichbares Angebot gibt es laut Fuchs nur im Inselbad Untertürkheim (Traglufthalle überm Freibad).

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