Winnenden Eltern beklagen schlechte Busverbindung zur Waldorfschule

 Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden. Soll mein Kind zur Waldorfschule auf den Engelberg? Früher sagte man einfach Ja, weil man wusste, dass ein direkter Bus von Winnenden bis zur anthroposophischen Schule fuhr. Die Zeiten sind vorbei, seitdem das Landratsamt die Busfahrten gebündelt hat. Jetzt müssen die Schüler in Hößlinswart umsteigen in andere Busse und verpassen manchmal Anschlüsse.

Eigentlich könnte man sagen: Einmal Umsteigen in Hößlinswart – das darf doch kein Problem sein. Erwachsenen macht das auch wirklich nichts aus. Jugendlichen auch nicht. Aber Erstklässler und Zweitklässler können da schon unsicher werden, erst recht, wenn der Bus den Anschluss verpasst, wenn der weiterfahrende Bus schon weg ist. Waldorf-Eltern berichten, sie hätten schon mehrfach ihr Kind abholen müssen von einer Bushaltestelle, weil es sonst längere Zeit irgendwo in Berglen gestanden wäre. Etwa 20 Schüler aus der Raumschaft Winnenden fahren täglich mit den Bussen zum Engelberg und zurück.

Straßenbau bei Hößlinswart bringt die Busse aus dem Takt

Die Probleme häufen sich zurzeit, weil die Straße zwischen Rohrbronn und Hößlinswart saniert wird und gesperrt ist. Busse fahren Umleitungen und brauchen länger. Für Schüler aus der Raumschaft Berglen-Winnenden-Leutenbach bedeutet dies, dass sie die Unterrichtsstunde zehn Minuten früher verlassen müssen als die anderen Schüler, weil der Bus, der bislang um 11.40 Uhr an der Schule abfuhr, zurzeit schon um 11.25 Uhr startet.

An diesem Frühstart hält das Landratsamt fest. Der Bus fährt früher wegen der Baustelle – Schule und Schüler müssen sich darauf einrichten. „Bis zu den Herbstferien wird das notwendig sein“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Dieser Bus ist kein ausgesprochener Schulbus, sondern ein Linienbus, genau genommen zwei Linienbusse, weil ja der Umstieg in Hößlinswart von der Linie 336 auf die Linie 245 nötig ist.

Elterninitiative listet Störfälle bei den Busfahrten auf

Mittlerweile hat sich eine Elterninitiative Engelberg-Bus gegründet, die mit Briefen an die Busunternehmer Dannenmann und Knauss sowie ans Landratsamt und an die (Ober)-Bürgermeister der Raumschaft auf die Probleme aufmerksam macht. Bastian Gscheidle und Holger Neuerer aus Winnenden, Mitglieder der Initiative, haben Vorfälle dokumentiert.

- Am Donnerstag, 12. September, kommen Kinder zu spät in den Unterricht.
- Am Montag, 15. September, stehen sie morgens ohne Anschlussbus in Hößlinswart. Ein Ersatzbus bringt sie 40 Minuten verspätet zur Schule.
- Am Mittwoch, 17. September, fährt der Bus einige Minuten früher an der Schule ab als angekündigt. Mehrere Kinder verpassen den Bus – Eltern holen sie in Privatautos ab.
- Seit der Straßenbaustelle ist der Umstieg nicht mehr in Hößlinswart, sondern manchmal im Erlenhof und manchmal in Steinach. Erstklässler und Zweitklässler kommen mit solchen Ortswechseln nicht klar. 
- Am 20. September fährt der Bus in Birkmannsweiler und Erlenhof zu früh los – Eltern fahren in Autos hinterher. 
- Am 23. September fährt der Bus der Linie 336 an der sicheren Bushaltestelle Erlenhof vorbei. Die Kinder im Bus protestieren. Wenig später lässt der Busfahrer dann eben die Kinder auf der Straße nach Winnenden aussteigen. 
- Am 1. Oktober verlassen die Kinder der Raumschaft Winnenden den Unterricht auf dem Engelberg schon zehn Minuten vor den anderen. Der Bus ist trotzdem schon weg.

Landratsamt rechnet mit Entspannung nach den Herbstferien

Das Landratsamt sieht als Ursache für die meisten Störfälle die große Straßenbaustelle zwischen Rohrbronn und Steinach. Die kostet Zeit und Umwege und wird noch bis zu den Herbstferien bestehen.

Das Amt bittet die Eltern um Verständnis für Ausfälle und fehlende Anschlüsse und versichert, „dass es sowohl unser Interesse als auch das der beiden Busunternehmen Dannenmann und Knauss ist, dass die Schüler/-innen sicher und möglichst schnell zur Schule und wieder nach Hause kommen, und wir alles dafür tun, um dies zu gewährleisten.“


Eltern sehen Fehler in den Bus-Bündeln

Eltern haben einen Vorschlag an das Landratsamt: Die früheren vier durchgehenden Buslinien sollen wieder eingeführt werden.

„Als Eltern können wir nur schwer nachvollziehen, weshalb Linienbündelungskonzepte vom Kreistag genehmigt wurden, die, wie sich nun herausstellt, nicht geeignet sind, einen sicheren und reibungslosen Schulweg für unsere Kinder zu gewährleisten“, schreibt Bastian Gscheidle im Namen von elf Elternpaaren.

Distanziert klingt die schriftliche Antwort des Landratsamts: „Die Option einer umsteigefreien Verbindung von Winnenden bis Engelberg scheint Ihnen die zielführendste Lösung zu sein.“

Das Landratsamt hält die Linienbündel für gut. Sie seien so gestaltet, dass sie „verkehrlich und betrieblich zusammenhängende Bereiche widerspiegeln“. Und sie seien groß genug, dass sie wirtschaftlich betrieben werden können.

Das Linienbündelungskonzept habe sich bewährt, eine Änderung sei nicht geplant, so das Landratsamt.

Engelberg und Winnenden waren immer schon über die zwei Linien 336 und 245 verbunden. Nur hatte die Firma Knauss beide Linien, und deshalb fuhr ein durchgehender Bus. Jetzt wurden die Busbündel neu ausgeschrieben. Dannenmann bekam die Winnender Seite, Knauss die Schorndorfer. Deshalb müssen die Kinder umsteigen in Hößlinswart.

Das Landratsamt meint: „Das ist zwar nicht komfortabel und durch den Umstieg auch mit einer längeren Reisezeit verbunden, jedoch nach unserer Auffassung auch für Grundschüler zumutbar.“

  • Bewertung
    6

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!