Winnenden Engpass bei den Ganztags-Kitas

Diese Woche, morgens vor 9 Uhr im Kinderhaus Seewasen: Ein ganz Kleiner mit Erzieherin in der Ganztagsbetreuung. Foto: Schneider / ZVW

Winnenden. Wenn es mit der Ganztagsbetreuung klappe, dann sei sie in zwei Jahren wieder da, sagt die Kollegin, die sich in Mutterschutz und Erziehungsurlaub verabschiedet. Vielleicht hat sie Glück. In zwei Jahr kann viel passieren, aber zurzeit geht nicht viel. Es bestehen Engpässe in der Ganztagsbetreuung in Winnenden.

Das Thema ist Trend, schon seit ein paar Jahren. Zuvor dachten im Westen Deutschlands viele anders: Kann man das machen – ein Kind, das gerade mal ein Jahr alt ist, den ganzen Tag der Kita überlassen? Solche Fragen stellten vor allem Opa und Oma. Aber die Ganztagskitas bürgerten sich ein. Einmal zeigt es sich, dass Erzieherinnen und Gleichaltrige den Kleinkindern durchaus guttun, und zum anderen ergeben sich für Eltern schiere Notwendigkeiten.

223 Plätze für Ganztagsbetreuung investiert

So entstand der Trend zur Ganztagsbetreuung, den Thomas Pfeifer, der Leiter des städtischen Amts für Familien, erkannte, und dem er zusammen mit dem Gemeinderat entsprechen will. Winnenden hat zurzeit 143 Ganztagsplätze für über Dreijährige und 80 für unter Dreijährige. Die wurden in den letzten Jahren erst geschaffen. Aber sie reichen nicht. Thomas Pfeifer räumt auf Anfrage ein, dass im Augenblick zehn Plätze für unter Dreijährige und 20 bis 25 für über Dreijährige fehlen. Damit geben sich Pfeifer und Gemeinderäte nicht zufrieden. Aber ändern lässt sich die Lage nur durch Neubauten, und die brauchen Zeit.


 

Was tun ohne Ganztagsplatz?

Für die betroffenen Familien ist es schwer. Bei den einen hilft die Oma jetzt halt doch noch aus. Andere schränken ihren Teilzeitjob ein, obwohl ihr Arbeitgeber sie dringend ganztags bräuchte. Wieder andere behelfen sich mit Kita plus Tagesmutter, was für Kinder nicht ganz ideal ist und dem Familien-Girokonto auch nicht guttut.

Gemeinderäte wissen aus Thomas Pfeifers schriftlichem Bericht zur Lage der Winnender Kinderbetreuung, dass die Stadt weitere Kitas bauen muss. Und sie baut. Für die nächste Kita, Körnle II im Schelmenholz, ist der Architekt beauftragt. In anderthalb Jahren soll sie fertig sein und dann 30 Ganztagsplätze bieten, darunter zehn für unter Dreijährige. Damit wäre der aktuelle Bedarf gedeckt.

Neuer Bedarf: Mehr Familien ziehen zu

Aber bis dahin entsteht neuer Bedarf. Zuerst im Schelmenholz im Gebiet Schiefersee. Dort werden zurzeit Wohnungen für 300 Personen gebaut – darunter sind bestimmt einige Familien mit kleinen Kindern, die Bedarf an Ganztagsbetreuung für Kleinkinder haben. Im Grunde zeichnet sich jetzt schon ab, dass es 2020 wieder eng werden wird. Die Stadtverwaltung ist schon darauf vorbereitet. In seinen Prognosen der Kinderzahlen rechnet der Leiter des Familienamts bereits Kinder ein, die noch gar nicht in Winnenden wohnen und für die Jahre nach 2020 auch Kinder, die noch gar nicht geboren sind.

„Wir haben so viele Baugebiete in der Pipeline, dass wir parallel Kinderhäuser planen müssen“, sagt Pfeifer. Neubaugebiete sind immer die Plätze, an denen zunächst Kleinkinder wohnen. Das sieht man zum Beispiel am Teilort Höfen, wo die Neubaugebiete Ruitzenmühle und das Gebiet am Schlössle einen plötzlich viel größeren Bedarf an Kindergartenplätzen auslösen. Dort baut die Stadt jetzt einen kleinen Kindergarten bei der Schule in Modulbauweise. Die Suche nach einem geeigneten Standort hatte schon einige Monate gekostet, die weitere Planung auch noch. Mittlerweile stehen die Pläne, und die Stadt rechnet damit, dass der Kindergarten Anfang 2020 fertig wird.

Neues Kinderhaus im Neubaugebiet Adelsbach

Der Bedarf wird weiter steigen. Im großen Winnender Neubaugebiet Adelsbach will die Stadt bis 2022 ein neues großes Kinderhaus bauen, dessen Platz schon feststeht und das vor allem insgesamt 50 Ganztagsplätze bieten soll. Denn Thomas Pfeifer hat beobachtet, dass Ganztagsplätze besonders in Neubaugebieten gefragt sind. Die Erklärung dafür: Wer in ein Neubaugebiet zieht, bezahlt entweder hohe Miete oder einen hohen Preis für seine Wohnungen. Normale Familien können dieses Geld nur aufbringen, wenn beide Elternteile in Vollzeit berufstätig sind. Kinder könne sie dann nur haben, wenn die Stadt eine Ganztagsbetreuung bereithält.



Teilzeit ja, aber nur tageweise

Es gibt noch andere Ursachen, die den Trend zur Ganztagsbetreuung befeuern: Viele Arbeitgeber können Teilzeitarbeit nur in ganzen Tagen anbieten: Drei Tage pro Woche arbeiten, die anderen fürs Kind da sein, zum Beispiel. Dafür brauchen Kinder Ganztagsbetreuung, wenn auch nicht an jedem Tag in der Woche. Auch wenn Mutter und Vater sich die Kinderbetreuung teilen, geht das oft nur mit ganzen Tagen. Die Stadt wird noch einige neue Kinderhäuser brauchen. Und sie wird froh sein, wenn sie dafür das Personal bekommt.


Wer bekommt einen Ganztagsplatz

Weil die Ganztagsplätze knapp sind, vergibt die Stadt die Plätze nach Kriterien. Einige davon sind hier aufgelistet in der Rangfolge ihrer Gewichtung:

  • Ein Elternteil alleinerziehend und berufstätig.
  • Beide Elternteile in Vollzeit berufstätig.
  • Beide Elternteile berufstätig (Vollzeit und Teilzeit).
  • Geschwisterkind im angefragten Kinderhaus.
  • Alter des Kindes.
  • Räumliche Nähe zum Kinderhaus.
  • Schichtarbeit.
  • Lange Fahrtzeiten der Eltern zum Arbeitsplatz.
  • Bewertung
    3

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