Winnenden Firmen haben keine Probleme mit Dieselverbot

Felice Contessa, Fahrer bei der Bäckerei Maurer, fährt mit Lieferwagen in die Filiale im Milaneo. Es ist ein neuer Euro-6-Diesel, der auch gegen Ende des Jahres keine Probleme bekommen wird. Foto: Schmitzer / ZVW

Winnenden. Zunächst war’s ein Schock: Dieselfahrverbot in ganz Stuttgart. Aber seitdem das Verbot wirklich gilt, stellt es sich zumindest für drei befragte Winnender Firmen als milde bis harmlos heraus. Sie haben Dusel beim Diesel, weil ihre Fahrzeuge ohne größere Umstände in die Stuttgarter Verbotszone reindürfen.

Fast problemfrei arbeitet der Küchenbauer Negele zurzeit an Aufträgen in Stuttgart. Seniorchefin Silvia Negele hat sich erkundigt und hat beruhigende Auskünfte bekommen: „Lieferwagen sind außen vor“, hat sie erfahren. Negele kann mit Lieferwagen ohne gesonderte Anträge und ohne Bescheinigungen nach Stuttgart hineinfahren und Küchen oder Möbel aufbauen. „Wenn dies verboten wäre, das wäre ja vor allem für Stuttgart selbst eine Katastrophe“, meint Silvia Negele.

In der Firma haben sie das Thema Dieselfahrverbot durchgesprochen und sind auf einen möglichen Schwachpunkt gestoßen: Die normalen Personenwagen, mit denen man vielleicht mal zum Ausmessen fährt oder zu einer Besprechung. „Die meisten haben Euro-5-Diesel, die können zurzeit ohne Probleme hineinfahren. Aber wie das im Herbst wird, wenn der Euro-5-Diesel auch verboten wird, weiß ich nicht“, sagt Silvia Negele. Denkt Familie Negele über einen Elektrolieferwagen nach? „Bisher noch nicht. Aber irgendwann werden wir sicher so eine Steckdose bei uns einbauen lassen.“

Maurer bezieht Ökostrom, sieht aber Elektroautos kritisch

Regelrecht skeptisch gegenüber Elektroautos ist Bäcker Tobias Maurer. „Wenn man den ganzen Lebenszyklus eines Elektrofahrzeugs anschaut, ist das auch nicht der Stein des Weisen. Woher kommt der Rohstoff für Batterien? Wie wirkt sich der Rohstoffabbau auf die Menschen dort aus?“, fragt er. Der Strom und seine Herstellung wäre für Maurer nicht das Problem: „Wir beziehen unseren Strom seit zehn Jahren zu 100 Prozent von einem Wasserkraftwerk im Schwarzwald.“ Maurer denkt durchaus an Nachhaltigkeit. Aber gerade deshalb gefällt ihm nicht, „was gerade mit dem Diesel geschieht“.

Der Diesel sei immer noch der Motor mit dem geringeren CO2-Ausstoß, und es gebe neue Diesel, die die saubersten seien. „Im März krieg' ich drei neue Sprinter. Die sind dann auf dem neuesten Stand.“ Im Augenblick hat er Lieferwagen im Einsatz, die mit Euro-5- und Euro-6-Dieseln fahren. Für Lieferungen an seine Filiale im Stuttgarter Milaneo hat er also überhaupt keine Probleme. Ganz abgesehen davon, dass Lieferwagen ohnehin vom Verbot ausgenommen sind - selbst wenn sie einen richtig alten Diesel haben.

Kleine Elektroautos und ein E-Transporter stehen bereit

Bei Kärcher kann praktisch gar nichts schiefgehen in Sachen Dieselverbot. Selbst wenn Stuttgart im Herbst die Euro-5-Diesel verbietet, ist Kärcher davon mit keinem einzigen Fahrzeug betroffen, weil alle seine Autos mit Euro-6 ausgestattet sind, wie Steffen Sauer von der Presseabteilung berichtet. Zudem hat Kärcher in seinem Fuhrpark zehn Elektrofahrzeuge vom kleinen Paketetransporter über Pkw bis zum Lieferwagen. Diese Fahrzeuge wären erlaubt, selbst wenn Stuttgart auch die neuesten Diesel verböte, was es bis jetzt allerdings noch nicht angekündigt hat.

Kärcher setzt auf den Diesel, weil der den geringeren CO2-Verbrauch hat

Der Kärcher-Fuhrpark stellt für Dienstfahrten aktuell 73 Fahrzeuge zur Verfügung. Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle: Aufgrund des geringeren CO2-Verbrauchs und aus Gründen der Effizienz und Langlebigkeit der Fahrzeuge setzt Kärcher Dieselfahrzeuge ein. Die Fuhrpark-Flotte werde immer auf dem neuesten Stand gehalten.


Kein Dieselverbot für geschäftsmäßigen Lieferverkehr

Die Handwerkskammer Stuttgart bestätigt Aussagen Winnender Unternehmer zu den Ausnahmen beim Dieselfahrverbot: „Handwerker, die mit ihren Fahrzeugen nach Stuttgart einfahren wollen, haben in der Landeshauptstadt freie Fahrt – und müssen dafür keine Ausnahmegenehmigung beantragen.“

Fahrten mit Handwerkerfahrzeugen zu Kunden oder Baustellen gelten als geschäftsmäßiger Lieferverkehr.

Offensichtlich seien sich einige Handwerker noch unsicher und beantragen bei der Stadt Stuttgart eine Ausnahmegenehmigung für ihren Fuhrpark. „Das ist jedoch nicht notwendig“, schreibt die Handwerkskammer. Im ruhenden Verkehr achtet die städtische Verkehrsüberwachung auf ältere Fahrzeuge, die durch Kennzeichnung und äußere Merkmale eine Überprüfung ihrer Schadstoffklasse nahelegen. Fahrzeuge, die dem Handwerk angehören und rein optisch als solche zu identifizieren sind, haben keine Bußgelder zu erwarten. Sofern sich keine Firmenwerbung auf den Fahrzeugen befindet, empfiehlt die Kammer, eine Kopie der Handwerkskarte hinter die Windschutzscheibe zu legen.

Die Kammer empfiehlt Handwerkern, nur noch Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 6 / VI d-TEMP beim Neukauf anzuschaffen, soweit die gewünschten Modelle verfügbar sind.


Regeln bei Kärcher

  • Seit 2013 stehen bei Kärcher für Dienstfahrten auch Elektro-Fahrzeuge bereit. Mittlerweile sind zehn Elektro-Fahrzeuge im Einsatz, die regelmäßig und gerne von den Mitarbeitern genutzt werden, so Pressereferent Steffen Sauer.
  • Darüber hinaus verfügt der Fuhrpark über einige Fahrräder für kürzere Strecken.
  • Für Dienstreisen innerhalb Deutschlands werden alle Kärcher-Mitarbeiter über Richtlinien angehalten, soweit möglich öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
  • Kärcher-Mitarbeiter erhalten 50 Prozent Ermäßigung auf alle Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr.
  • Auszubildende haben die Möglichkeit, ihre Fahrtkosten für die öffentlichen Verkehrsmittel des VVS-Netzes zu 100 Prozent erstattet zu bekommen.
  • Darüber hinaus gibt es bei Kärcher eine Fahrrad-Aktion, die dazu beiträgt, dass viele Kolleginnen und Kollegen mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Sie haben über eine Stempelkarte die Möglichkeit, am Ende jedes Jahres über ein Losverfahren 1000 Euro oder einen der vielen Preise zu gewinnen.
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