Winnenden Gedenkgottesdienst für Björn Steiger

Gedenkgottesdienst in der Schlosskirche mit Familie Steiger. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winnenden. Am 3. Mai vor 50 Jahren ist der achtjährige Björn Steiger an den Folgen eines Unfalls gestorben. Er war auf der Schorndorfer Straße von einem VW-Käfer erfasst worden. An dieser Stelle wurde am Freitag ein Gedenkstein für Björn Steiger aufgestellt. Danach erinnerten sich rund 120 Winnender in einem Gedenkgottesdienst an ihn.

Björn muss ein besonderes Kind gewesen sein. Renate Härterich, seine Religionslehrerin erzählte im Gottesdienst: „Ein Kind, das erstaunlich tiefsinnige Fragen stellte. Er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Mitschülern, zeigte viel Mitgefühl für Schwächere. Uns Lehrern war klar: Björn ist ein Segen für unsere Klasse.“ Am Tag nach dem 3. Mai erfuhr die Lehrerin vom Unfalltod dieses Schülers: „Es war, als hätte sich ein schwarzes Tuch über alles gelegt.“

Am Montag blieb Björns Stuhl in der Klasse leer

Björn muss ein ganz normales, fröhliches Kind gewesen sein, mit dem man kicken konnte und das Garagentor des Nachbarn als Fußballtor malträtieren konnte. So erzählte Joachim Baumann im Gedenkgottesdienst. Am 3. Mai kam Vater Baumann nach Hause und erzählte vom Unfall. Björn sei verletzt. Am Montag blieb Björns Stuhl in der Klasse leer. Dann die Nachricht: Björn ist tot. Sein Stuhl wird leerbleiben. „Der Stuhl blieb bis zum Ende des Schuljahrs leer. Niemand traute sich, darauf zu sitzen“, erzählte Joachim Baumann. Heute ist Baumann den Eltern von Björn dankbar, dass sie die Björn-Steiger-Stiftung gegründet haben, dass Ute und Siegfried Steiger in ihrem großen Leid gesagt haben: So etwas darf sich nicht wiederholen, und dass sie für Björns Grabstein die Inschrift wählten: „Eine sinnvolle Idee ist durch nichts aufzuhalten.“

Am 3. Mai vor 50 Jahren hatte der Rettungswagen knapp eine Stunde gebraucht, um zum Unfallort zu kommen. Björn starb im Rettungswagen. Steigers erkannten die Missstände gründeten die Stiftung, begannen, Notrufsäulen aufzustellen, und reformierten und verbesserten mit vielen Ideen das deutsche Rettungswesen.

„Die Gründung der Björn-Steiger-Stiftung war das erste, aber nicht das einzige Mal, dass sich in Winnenden aus einem tragischen Geschehen Gutes entwickelte“, erklärte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth bei der Enthüllung des Gedenksteins an der Schorndorfer Straße. „Das Gedenken an Björn Steiger ist für die Stadt Winnenden von großer Bedeutung.“ Der Unternehmer Klaus-Martin Pfleiderer, der den Gedenkstein initiiert hatte, erinnerte an die Freundschaft der Familien Pfleiderer und Steiger und meint: „Durch die Gründung der Björn-Steiger-Stiftung wurden Ute und Björn Steiger zu Architekten des modernen deutschen Rettungswesens.“

Sinn des Gedenksteins sei, an die furchtbare Tragik zu erinnern und an das Gute, das daraus entstand, erklärte Pierre Enric Steiger, der Präsident der Björn-Steiger-Stiftung und jüngere Bruder von Björn Steiger. Architekt und Künstler Jürgen Mayer H. sagt über den von ihm geschaffenen Gedenkstein aus Beton: „Es ist ein Objekt, auf das man sich setzt und nachdenkt. Ein Nachdenkmal, um dem Unvorstellbaren Zeit und Raum zu geben.“

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