Winnenden Im Rundzelt tanzt ab heute der Bär

Mario Frank kennt die Bären, seit sie drei Monate alt sind. Er hat sie mit der Flasche großgezogen und später dressiert. Foto: ZVW

Winnenden/Schelmenholz. Exotische Tiere, Seilakrobatik, eine „Wildwest Show“: Der Circus Luna gastiert auf der Wiese am Waldfriedhof Schelmenholz. Auch Wildtiere wie Bären und ein Elefant sind Teile des Programms. Nicht nur das: Sie sind ein Grund, warum der Zirkus fortwährend mit der Tierschutzorganisation PETA in Konflikt gerät.

Den Elefanten, zu dem bereits der eine oder andere Bürger auf dem Marktplatz verblüfft aufschaute, haben die Mitglieder vom „Circus Luna“ 26 Jahre lang großgezogen. Alexandra Finkh, Pressesprecherin und Tourneeleiterin, meint, er gehöre somit praktisch zur Familie. Diese zählt 20 Mitglieder, die alle am Zirkus mitarbeiten. 1971 wurde dieser von Walter Frank gegründet. Die Fläche am Waldfriedhof wird von der Paulinenpflege zur Verfügung gestellt.

Ein Tag hinter den Kulissen beginnt um 8 Uhr mit dem Ausmisten der Ställe und dem Füttern und Putzen der Tiere. Ihre Zeit besteht außerdem aus viel Werbearbeit und nebensächlichen Dingen, wie das Beheben technischer Mängel am Zirkus selbst. Mario Frank sagt: „Da gleicht ein Tag nicht dem anderen.“

Geprobt wird nur für die Darbietungen der Artisten, die Tierprogramme ändern sich meistens nicht. Die Vorstellung zeigt eine Kleintierrevue, Tempojongleure, Seilakrobatiken und exotische Tiere wie schottische Hochlandrinder. Der Elefant spielt Fußball, die Bären können Roller fahren. Eine Vorstellung dauert ungefähr zwei Stunden.

Tierschutzorganisation PETA schickt E-Mail wegen der Tierhaltung

Enorm unzufrieden mit dem Circus Luna ist die Tierschutzorganisation PETA. Sie wirft ihm vor, gegen die Zirkusleitlinien zu verstoßen. So habe der Bär beispielsweise keine Wasserstelle und kein für ihn erforderliches Außengehege. Vom Elefanten behauptet PETA, er sei verstört und unzurechnungsfähig, weshalb es auch bereits zu einem Unfall mit ihm kam.

Der Zirkus selbst hält seinen Elefanten jedoch für zuverlässig und ungefährlich. Der Unfall sei zustande gekommen, weil der Geschädigte die Anweisungen des Zirkuspersonals nicht beachtet hatte. Strafrechtliche Folgen habe es dafür nie gegeben und die Zeugen hätten alle belegt, dass es sich um einen Unfall gehalten habe. „Wenn wir unserem Tier nicht vertrauen würden, würden wir keine Stadtführung mit ihm machen“, meint Alexandra Finkh. Sie betont, dass regelmäßig Veterinärämter den Zirkus besuchen, um die Haltebedingungen der Tiere zu kontrollieren. Das ist so üblich. Am Donnerstag kommt das Veterinäramt Backnang um den Circus Luna zu kontrollieren, wie unsere Zeitung auf Anfrage vom Amt erfahren hat.

Das Außengehege für die zwei Bären ist laut Mario Frank den Mindestrichtlinien entsprechend: 75 Quadratmeter. Und auch ein ausreichender Wassertank steht im Käfig, der an das Gehege der Bären angrenzt. Was den Zirkus stört: PETA habe nie direkt mit ihnen Kontakt aufgenommen.

Exotische Tiere sind immer eine große Attraktivität für einen Zirkus. Kinder mögen besonders die großen Elefanten und sie staunen, wenn denen Kunststücke beigebracht wurden. Tierschützen kritisieren vermehrt die Wildtiere im Zirkus, und die Kritik betrifft nicht nur Luna, sondern praktisch alle Zirkusse, die Elefanten und Bären halten, auch die ganz großen Zirkusse Europas.

Info

  • Möglich, dass der Circus Luna das letzte Mal mit Elefant und Bären in Winnenden gastiert. Ein neues Gesetz ist Vorbereitung
  • Am 25. November stimmt der Bundesrat ab, ob in deutschen Zirkussen zukünftig die Haltung von Wildtieren verboten werden soll. Dazu gehören Affen, Bären, Elefanten, Giraffen oder Nashörner.
  • Der Bundesrat hat allerdings nicht das letzte Wort. Das bleibt dem Bundestag vorbehalten, und dort gab es bisher keine Mehrheit für den verschärften Tierschutz.
  • Deshalb tanzt im Schelmenholz noch der Bär. Die nächsten Vorstellungen im Circus Luna sind am Donnerstag 16 Uhr, Freitag 16 Uhr, Samstag 15 Uhr und 19 Uhr und am Montag um 15 Uhr.
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