Winnenden Kärcher-Betriebsrat bleibt gewerkschaftsfern

Symbolbild. Foto: Ralph Steinemann

Winnenden. Der Betriebsrat bei Kärcher hat seinen Vorsitzenden gewählt: Gewinner ist der Spitzenkandidat der Liste „Pro!Aktiv“, die aufgrund ihrer personellen Besetzung als geschäftsführungsnah gilt. Die von der IG Metall unterstützte Liste „Blickwinkel“ ging auch bei der Besetzung des Vize-Postens leer aus.

Der Versuch der „Blickwinkel“-Liste, die Betriebsratsarbeit bei Kärcher gewerkschaftsnäher zu gestalten, ist vorerst gescheitert. Zwar etablierte sich das „Blickwinkel“-Team bei der Betriebsratswahl als stärkste Kraft, ergatterte rund 36 Prozent der Stimmen und acht der 21 Sitze im Gremium – dabei aber handelte es sich nur um einen relativen, keinesfalls einen absoluten Erfolg: Wenngleich jede der vier anderen kandidierenden Listen für sich genommen auf deutlich weniger Stimmen kam als der „Blickwinkel“, verfügen alle vier zusammengezählt über 13 von 21 Sitzen. Und alle vier eint eines: ihre Skepsis gegenüber einer Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft. Und so gab es für den „Blickwinkel“ bei der Wahl des Betriebsratsvorsitzenden und seines Stellvertreters nichts zu erben: Cumhur Kir, Nummer eins auf der „Blickwinkel“-Liste, unterlag bei beiden Abstimmungen.

Michael Teichmann wird das Gremium führen

Das Gremium wird künftig geführt von Michael Teichmann, bei Kärcher Bildungsreferent im Bereich Personalentwicklung und Spitzenkandidat der Liste „Pro!Aktiv“. Sie war erstmals angetreten, mit acht Gruppenleitern, einem Teamleiter und einem Abteilungsleiter unter den 13 Bewerbern, hatte unter anderem mit dem Argument geworben, dass „Führungskräfte im Betriebsrat die Vielfalt bereichern“, und mit diesem Kurs aus dem Stand fünf Sitze beziehungsweise Platz zwei im Listenrennen geholt.

Teichmanns Stellvertreter ist Uwe Bareiß, Anführer der Liste „Brandheiß“, die drei Sitze errang. Nur noch eine Nebenrolle spielen in der neuen Mitarbeitervertretung die Protagonisten der bisherigen Mehrheitsliste. In den vergangenen vier Jahren war Hans-Jörg Ziegler Betriebsratsvorsitzender und sein Listen-Mitstreiter Stefan Ostermeier Stellvertreter gewesen. Zur 2018er-Wahl aber trat Ziegler nicht mehr an, sein früheres Gefolge teilte sich in zwei Fraktionen auf und wurde schwer dezimiert: Die Ostermeier-Gruppe holte nur zwei Sitze, die Liste um Martin Föll drei.

Betriebsratsmehrheit bleibt dem traditionell gewerkschaftsfernen Kurs treu

Fazit: Personell hat sich allerhand, programmatisch hat sich wenig geändert; die Betriebsratsmehrheit bleibt dem traditionell gewerkschaftsfernen Kurs treu, für den schon Hans-Jörg Ziegler stand. „Wir wollen unseren eigenen Weg weitergehen“, hatte er immer wieder erklärt und sich dabei auf die sogenannte „Kärcher-Kultur“ berufen. Kärcher gehört keinem Arbeitgeberverband an, ist tariflich nicht gebunden und hat ein eigenes Entgeltsystem.

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