Winnenden Kärcher-Chef Hartmut Jenner setzt auf Akku-Technik

Kärcher-Chef Hartmut Jenner zeigt den neuen Mitteldruckreiniger in Aktion. Das Produkt gehört zu den 43 neuen Akku-Geräten, die Kärcher am Freitag in Winnenden präsentiert hat. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden. „Bis 2025 werden in Europa alle mobilen Geräte im Haushalt kabellos sein.“ Diese Prognose wagt Kärcher-Chef Hartmut Jenner und zieht daraus die Konsequenzen: 43 neue Akku-Geräte bietet das Unternehmen in diesem Jahr an, 21 weitere werden im kommenden Jahr folgen. Die Geräte profitieren dabei von einer neuen technischen Plattform.

Firmengründer Alfred Kärcher (1901-1959) war Elektroingenieur. Der erste Hochdruckreiniger 1950 wurde deshalb auch elektrisch und nicht von einem Benzinmotor angetrieben. Darin erinnert Hartmut Jenner am Freitag bei einer groß angelegten Pressekonferenz im Kärcher-Auditorium in Winnenden. Mehr als 100 Pressevertreter aus 14 Ländern nahmen daran teil. Die Veranstaltung wurde in Englisch, Italienisch und Russisch übersetzt.

Der erste Akku-Reiniger kam bereits 1986 auf den Markt

Vor 33 Jahren brachte Kärcher die erste Reinigungsmaschine ohne lästiges Stromkabel auf den Markt. „Heute haben 97 Prozent Elektromotoren. Wir beherrschen die Technologie“, freut sich Jenner. 45 Prozent der Kärcher-Geräte werden derzeit von Akkus gespeist, vor allem bei Geräten für Privatanwender. Kärcher hat in seiner Firmengeschichte bereits mehr als 50 Millionen Akku-Geräte verkauft.

Bei der Akku-Technologie macht Kärcher jetzt einen gewaltigen Sprung nach vorne. Eine neue technische Plattform, das Kärcher Battery Universe, wurde in den vergangenen 18 Monaten entwickelt, ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. 64 neue Produkte von der Heckenschere bis zum Profi-Hochdruckreiniger kommen bis 2020 auf den Markt.

Die neue Akku-Plattform hat zahlreiche Alleinstellungsmerkmale, betont Hartmut Jenner. „Wir bringen nichts auf den Markt ohne Innovationen.“ Da ist zum Beispiel die Echtzeitanzeige auf den Akkus. Im Betrieb zeigen sie die Restlaufzeit in Minuten an, in der Ruhestellung den Ladestand der Batterie in Prozent.

Die Akkus sind wasserdicht, staubgeschützt. Wenn ein Gerät längere Zeit nicht genutzt wird, sorgt ein sogenannter automatischer Lademodus für eine lange Lebensdauer der Akkuzellen.

Zu den neuen Geräten für den Haushalt gehört ein Mitteldruckreiniger etwa für Fahrräder, bei dem man das Wasser aus einer Regentonne oder einem Bach ansaugen kann. Es gibt einen Sauger für Autos, eine neue Heckenschere, Freischneider, eine Kettensäge, einen Astschneider auch für dickere Äste, Rasenmäher oder Laubbläser.

Im Profi-Bereich bietet Kärcher den ersten gewerblichen Hochdruckreiniger mit Akku. Einen Rucksacksauger für Flugzeuge, Busse oder Bahnen, Motorsägen oder einen Rasenmäher für eine Fläche von 1850 Quadratmetern.

Spitze Frage auf der Pressekonferenz: „Stihl bietet die gleichen Geräten an. Wer wird von Ihnen beiden am Ende übrig bleiben?“ Gelassene Antwort von Jenner: „Unsere Produkte richten sich gegen niemanden. Gartengeräte gehören schon seit Jahren dazu.“

Die Welt ist unruhig geworden – Kärcher investiert weiter

Die neuen Geräte kommen aus Werken in vielen verschiedenen Ländern. Auch Deutschland ist dabei: Die Akku-Hochdruckreiniger werden im Werk Bühlertal (Landkreis Schwäbisch Hall) hergestellt.

„Die Welt ist unruhig geworden“, sagt Hartmut Jenner. Dennoch wird Kärcher in den kommenden fünf Jahren 500 Millionen Euro investieren in Robotertechnik, in Plattformen und in seine Werke. „Wir investieren dann, wenn es die andern nicht tun.“

Davon profitieren auch die Mitarbeiter. Mit mehr als 13 200 Personen hat Kärcher einen neuen Höchststand erreicht.


Kärcher übernimmt weitere Firmen

Die Turbulenzen in der Weltwirtschaft gehen auch an Kärcher nicht spurlos vorbei. Der Umsatz hält sich 2019 auf Vorjahresniveau.

„Bis zum Ende des Jahres werden wir aber weiter wachsen“, verspricht Hartmut Jenner. Der Umsatz lag 2018 bei 2,535 Milliarden Euro. Ein Plus von 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010.

Zur Erweiterung der Produktpalette hat Kärcher jetzt die Reutlinger Firma Holder gekauft. Holder hat rund 250 Mitarbeiter und produziert vor allem größere Fahrzeuge für kommunale Bauhöfe. Der Markenname Holder soll erhalten bleiben, sagt Jenner.

Im Frühjahr hat Kärcher bereits das Berliner Start-up-Unternehmen One mit 21 Mitarbeitern übernommen. Kärcher kann damit jetzt Dienstleistungen für die Reinigungsbranche per App anbieten.

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