Winnenden Kärchers neues Chemie-Labor

Tröpflesweise schüttet Frank Ritscher ein Tensid ins Gemisch für einen Fensterreiniger. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. Ganz gleich, wo auf der Erde ein Kärchergerät produziert oder eingesetzt wird: Die Chemie dafür kommt immer aus Winnenden, mittlerweile aus einem 240 Quadratmeter großen hochmodernen und gut gesicherten Labor in einem Neubau auf dem früheren Ziegeleigelände. Dort entstehen Mittel für den kleinen Fensterreiniger genauso wie für die große Scheuersaugmaschine.

Der Normalmensch, der ein Fensterreinigungsgerät kauft, sagt: Schnell muss es gehen, und streifenfrei sauber muss die Scheibe sein. Kärcher entwickelt seine Geräte entsprechend und die Reinigungsmittel dazu. Die Firma mischt und testet selbst. Chemie-Ingenieur Frank Ritscher (47) ist verantwortlich für Forschung und Entwicklung der chemischen Substanzen bei Kärcher und bekommt die Aufträge von den Technikern, die ein neues Gerät entwickeln. Er kriegt ein Pflichtenheft, in dem die Eigenschaften dieses neuen Produkts beschrieben sind. Welcher Schmutz muss weg? Welche Materialien müssen geschont werden? Und er kriegt Kostengrenzen.

600 verschiedene Reinigungsmittel aus dem Kärcher-Labor

Dann fangen er und seine Mitarbeiter an. Vieles bauen sie auf Erfahrung auf. Seit 40 Jahren entwickelt Kärcher die Chemie selbst. 600 unterschiedliche chemische Produkte hat Kärcher im Einsatz, und sie werden ständig optimiert. „Wir gehen immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Das ist ein Riesentrend“, sagt Ritscher. Dass alle verwendeten Tenside biologisch abbaubar sind, ist schon lange klar. Aber jetzt gehen die Ansprüche an Nachhaltigkeit weiter: Sind nachwachsende Rohstoffe die Basis? Schädigen die Plantagen dafür den Regenwald? Sind die Produktionsbedingungen fair? „Wir bestellen Grundstoffe aus der ganzen Welt und wir liefern Reinigungsmittel in die ganze Welt“, sagt Ritscher.

Und immer vergleichen sie ihre Reinigungsmitteln mit vorherigen Mischungen und mit dem, was sich sonst noch auf dem Markt befindet. Ihre Analytik nimmt viele Gemische auseinander, Gas-Chromatografen und Infrarotspektrometer bestimmen die Stoffe. Es sind moderne und hochkomplizierte Geräte, die ein Gemisch in zehn Einzelteile zerlegen, die sie in zehn oder mehr Reagenzgläser verteilen. Auf einem Display zeigt der Chromatograf an, welche Stoffe er erkannt hat. Die Unerkannten schickt Ritscher in den Infrarotspektrometer, und der kriegt die meisten Stoffe raus.

Rezept für Fensterreiniger: Auf zwei Stellen hinterm Komma definiert

Am Ende einer Labor-Entwicklung steht eine genaue Rezeptur, die zum Beispiel beim Fensterreiniger zum größten Teil aus Wasser besteht, aber das genaue Rezept bleibt so geheim wie die Rezeptur vom Jägermeister. Auf zwei Stellen hinterm Komma sind die Anteile der Stoffe definiert. Wer einen Liter Reinigungsflüssigkeit herstellt, muss mit der Pipette tröpflesweise die letzten Anteile einträufeln. „Wenn Sie hiervon zu viel reinschütten, gibt’s Schlieren“, sagt Ritscher gleich voraus.

Ist das Rezept eingehalten, muss der Reiniger gut sein. Ein Labortest: Drei Lappen streichen mit gleichem Druck und gleichem Tempo über eine Glasscheibe: Ein Fensterreiniger von irgendwo, einer nach Kärcher-Rezept, ein Oberflächenreiniger. Ergebnis: Streifenfrei arbeitet nur der von Kärcher. Aber das reicht nicht. Alle Reiniger werden in der echten Anwendung getestet in einem Raum mit vielen verschiedenen Böden und Flächen, die absichtlich gründlich verschmutzt, und mit echten Kärchergeräten gereinigt werden. Beysa Gügercin leitet diesen Bereich. Wenn hier optimale Ergebnisse erzielt werden, passen Gerät und Chemie zusammen und können auf den Markt.

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