Winnenden/Kaisersbach Unterwegs mit der neuen Buslinie 330

Busfahrer Marco Kalubba wartet am Zentralen Omnibusbahnhof Winnenden auf neue Fahrgäste. Foto: Schneider/ZVW

Winnenden/Kaisersbach. Seit gerade mal 20 Tagen pendelt die neue Buslinie 330 zwischen Winnenden und Kaisersbach. Die Fahrgäste, die das Angebot als Erste nutzen, sind beseelt von ihrer Entdeckung und loben die Verbindung, auch zwischen kleinen Orten im Schwäbischen Wald. Sie müsste nur noch bekannter werden, finden die vier, die wir bei einer morgendlichen Fahrt getroffen haben.

Die 17-jährige Paula sitzt entspannt da und zieht die Kopfhörer aus den Ohren. Sie kommt aus Althütte. „Der Bus nach Winnenden fuhr auf einmal an mir vorbei. Ich habe mich gewundert, hab dann auf der App geguckt und fahre seitdem ohne Umsteigen zur Arbeit in Rudersberg.“ Sie will also gar nicht nach Winnenden oder Berglen, sondern profitiert von der Direktverbindung der größeren Orte. Ihren Führerschein wird sie trotzdem machen, weil der Bus die Arbeitszeiten im Hotel (wie auch in anderen Schichtbetrieben) nicht komplett abdecken kann. Dannenmann-Betriebsleiter Sven Winkelhock hört von Kunden, dass sie nun endlich gut ans Wiesel und durch diese Bahn prima an Schorndorf angebunden sind. „Spannend, die Leute haben früher halbe Weltreisen unternommen.“

Umsteigen und Umwege über Dörfer sind unattraktiv

Je öfter ein Fahrgast umsteigen muss, desto unattraktiver wird eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist die Erfahrung Winkelhocks. Daher hält er die neue Linie mit ihren immer gleichen Abfahrtszeiten (aber drei Lücken außerhalb des Berufsverkehrs) für ein ziemlich hoffnungsvolles Projekt. Kommen dauerhaft viele Fahrgäste auf den Geschmack, werden es der Landkreis und die angebundenen Kommunen nach zwei Jahren Probezeit weiter bezuschussen.

Eine Frau aus Rudersberg-Oberndorf steigt ein. Sie fährt ausnahmsweise mit dem Bus, weil ihr Auto in der Werkstatt ist. Ihr Ziel ist ein Friseur in Leutenbach. Sie steigt also in Winnenden um, aber das ist kein Vergleich zu den Umstiegen mit Bussen und Bahnen früher. Derweil genießt sie die 50-minütige Fahrt, die durch Waldabschnitte, Streuobstwiesen und nicht minder idyllische Dörfer führt. So manche Stelle, eng oder steil, wird die Busfahrer bei Glatteis und Schnee im Winter noch herausfordern [Lesen Sie hier: Tipps für das Fahren bei Glatteis und Schnee].

Neue Route führt vorbei an Handel und Gewerbe

Marco Kalubba schreckt das nicht. Der Berufskraftfahrer hat Routine und freut sich, mit seinen Diensten wiederum anderen die lange Strecke abnehmen zu können – und ihnen Scheibenkratzen und Parkplatzsuche zu ersparen. „Heute Morgen ist ein Mann in Rudersberg-Michelau eingestiegen. Er arbeitet bei Benz-Sportgeräte, die Verbindung ist für ihn also ideal.“

Die neue Route haben die Planer bewusst nicht über den Kronenplatz an den Winnender Bahnhof geführt, sondern vorbei an Handel und Gewerbe im Gebiet „Langes Gewand“ mit zwei Haltestellen an der Max-Eyth-Straße. Damit sind für Mitarbeiter aus dem Umland, aber auch für Kunden aus Winnenden Geschäfte, Restaurants, Fitnessstudios und Firmen angebunden.

Aus Oppelsbohm zehn Minuten schneller am Bahnhof

Gemieden wird dagegen Birkmannsweiler. „Dass man dadurch aus Oppelsbohm zehn Minuten schneller am Bahnhof ist, das haben die Berglener ganz schnell gemerkt“, sagt Marco Kalubba lachend. Ein 24-Jähriger genießt das: „Ich habe den Bus durch Zufall entdeckt. Weil ich verschlafen hatte, suchte ich nach der nächsten Verbindung.“ Seitdem nimmt er die 330 gern, steigt in die S-Bahn um und fährt nach Schwaikheim, wo er im Kindergarten arbeitet. An der Haltestelle Nachbarschaftsschule in Berglen steigt Martin Straub aus Bretzenacker ein. „Ich wollte den Bus heute mal ausprobieren“, erzählt er, dass er nach Stuttgart will. Seine Augen leuchten, so eine Fahrt weckt den Pioniergeist – und überzeugt. „Die Berglen-Rundfahrt über Steinach und Hößlinswart der anderen Linien ist unattraktiv“, lobt er noch eine eingebaute Abkürzung. Am Rems-Murr-Klinikum, das für die Landgemeinden nun auch gut angebunden ist, kann man in Richtung Bahnhof aber nicht einsteigen. „Dadurch versprechen wir uns einen Zeitpuffer, den wir angesichts der langen Fahrt und des Rückstaus auf der Südumgehung brauchen, um die S-Bahn zu erreichen“, erläutert Sven Winkelhock.

Auch Ausflügler haben neue Buslinie schon entdeckt

Zeitdruck haben Ausflügler nicht. Sie haben die 330 ebenfalls schon entdeckt. Winkelhock weiß von einer Gruppe, die den Adventswald in Rudersberg besuchte. Stadtrat Hans Ilg ließ seine Wandergruppe zum Ebnisee chauffieren. „Das muss sich noch einführen, ist aber echt genial“, sagt er.


30 Liter Diesel

Auf der neuen Route hat die Weinstädter Firma Dannenmann fast nur Euro-6-Diesel im Einsatz, die 2017 gekauft worden sind und 30 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Die Preise für Einzelfahrten sollten ab April 2019 durch die Tarifreform sinken. Monatskarten oder betrieblich bezuschusste Jahrestickets sind schon jetzt günstige Alternativen. Bei vielen Veranstaltungen in Stuttgart ist im Eintrittspreis die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln inbegriffen.

Verbindungen und Fahrpläne für einzelne Haltestellen kann man sich im Internet unter www.vvs.de heraussuchen und ausdrucken. 

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