Winnenden Kein Pardon für Falschparker

Auf dem Parkplatz an der Stadtkirche kontrolliert ein Abschleppdienst stichprobenartig die Plätze seines Vertragspartners, des Tabakwaren- und Zeitschriftenladens mit Postagentur. Eine Korberin hat es „erwischt“ – sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Warnung rund um die Uhr gilt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden. Eine Korberin traute eines Abends ihren Augen nicht. Sie kam vom Einkaufen zurück zum Parkplatz an der Stadtkirche. Ihr Auto war weg. Die Polizei beruhigte sie. Es war nicht gestohlen, sondern abgeschleppt worden. „Das rigorose Vorgehen wundert mich schon“, sagt die 60-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Wir haben uns auch mit der anderen Seite, dem Betreiber der Postagentur als Mieter des Parkplatzes, unterhalten.

Die Abschleppfirma handelt legal, das hat die Korberin sogleich bei der Polizei erfahren. Das Unternehmen ist vom Parkplatzmieter beauftragt worden. „Ich rief gleich dort an und erfuhr, dass ich es in Bad Cannstatt in der Nähe des Kraftwerks Münster abholen kann. Dass ich 250 Euro bezahlen muss und dass es mehr kostet, je länger das Auto da steht.“ Sie hatte Glück, ihr Mann war zu Hause und holte sie ab, gemeinsam lösten sie das Auto, das ihrem Sohn gehört, aus.

„Habe die Warnung auf die Geschäftszeiten bezogen“

Die 60-Jährige ist etwa einmal die Woche in Winnenden, sie arbeitet hier und kauft auch hier ein. „Ich kam um 18.35 Uhr an. Eine junge Frau wies mich darauf hin, die Parkscheibe einzustellen, sonst gebe es Ärger.“ Das machte die Korberin, und sie warf noch einen Brief in den Postkasten. „Ich fühlte mich damit als Postkundin.“ Sie blieb aber insgesamt eine Stunde beim Einkaufen. Wohl wissend, dass die Postagentur bereits seit 18 Uhr geschlossen war. „Ich gestehe ein, dass wir Parksünder uns ignorant verhalten beziehungsweise Schilder falsch interpretieren. Ich habe die Abschleppwarnung auf die Geschäftszeiten bezogen. Den Ärger der Parkplatzeigentümer kann ich sehr gut verstehen.“ Trotzdem findet sie: „Ein klarerer Hinweis darauf wäre nett.“

Von früher sechs Postparkplätzen sind nur noch drei für Kunden

Tatsächlich ist die Beschilderung der Parkplätze für Kunden und die die Agenturbetreiber für sich und ihre Angestellten gemietet haben, nicht ganz klar. Seit 19. August betreibt eine Familie die Postagentur in ihrem Zeitschriften- und Tabakwarengeschäft an der Marktstraße 54. Drei Parkplätze stehen den Kunden eine halbe Stunde lang zur Verfügung. An ihnen und an zwei weiteren Stellplätzen prangt das kleine Schild mit dem schwarzen Posthorn und der gelb unterlegten Schrift „Deutsche Post“. Es stammt noch aus der Zeit, als die Postbank Betreiberin der Postfiliale war und sechs Parkplätze für Kunden und Mitarbeiter zur Verfügung standen. Damals wurde auch schon mit Abschleppen gedroht, passiert ist aber nichts. Der den Postfächern auf der Rückseite der Postagentur am nächsten liegende Parkplatz ist auch privat, trägt aber gar kein Schild, auf dem Boden ist das Symbol für einen Behindertenparkplatz aufgemalt.

Über allen sechs Parkplätzen hängen jedoch seit August zwei neue Schilder: „Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt.“ Der Ladeninhaber sieht an der Warnung nichts zu deuteln. „Das gilt immer, auch nach unseren Geschäftszeiten, abends und nachts. Sonst stehe ich morgens um 7 Uhr da und habe keinen Parkplatz.“ Er zahlt dem Vermieter des Ladens dafür Miete, für alle sechs Plätze. Nur drei stehen, wie es in unserem Artikel über die Agentureröffnung (20. August) hieß, den Kunden zur Verfügung. Damals schon gab die Ladeninhaberin bekannt, dass das Abgeschlepptwerden keine leere Drohung sei.

Mitarbeiter der Abschleppfirma dreht immer wieder seine Runden

„Von der von uns beauftragten Firma fährt ein Mitarbeiter seine Runden, mal schaut er dreimal täglich, mal alle drei Tage“, sagt der Händler. Der Service kostet ihn nichts. Die Abschleppfirma holt sich ihr Geld über die Gebühr bei den Parksündern wieder. „Wenn wir offen haben und der Mitarbeiter hat Fahrzeuge gesehen, die dort vielleicht unbefugt stehen, geben wir der Kundschaft im Laden die Kennzeichen bekannt. Wenn sich dann niemand meldet, schleppt er ab“, findet der Händler das Verhalten gegenüber der Kundschaft fair.

  • Bewertung
    22

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!