Winnenden Leben retten mit Defibrillatoren

Symbolbild. Foto: Pixabay / yourschantz

Winnenden-Birkmannsweiler. "Wer einen Defibrillator beherrscht, kann im Notfall viel Gutes tun – und nichts falsch machen.“ Das sagte Klaus Dietrich, Leiter der medizinischen Abteilung der Björn-Steiger-Stiftung, über das Wiederbelebungs-Gerät. Die Kreissparkassenfiliale am Dorfplatz bekommt bald ein solches.

Immer mehr automatisierte externe Defibrillatoren (AED) werden an öffentlich zugänglichen Plätzen installiert, auch in Birkmannsweiler, wo die Björn-Steiger-Stiftung demnächst im Vorraum der Kreissparkasse einen Defi platzieren wird. Die Stiftung lud in Kooperation mit der Kultur- und Heimatvereinigung zu einer Infoveranstaltung ins evangelische Gemeindehaus ein, bei der die Zuhörer auch üben durften.

Die „leise Stimme“ des Geräts ist tückisch an sehr belebten Orten

Eine Tücke des elektrischen Schockgebers zeigt sich nach dem Einschalten, als die automatische Sprachanweisung einsetzt. Im Saal wird gemurmelt und geredet, die Stimme geht unter. „Wie höre ich das Ding, wenn ich im Stadion oder in einer belebten Einkaufsstraße helfen muss?“, fragt eine Zuhörerin. Zumal das Zeitfenster der Erste-Hilfe-Maßnahme extrem kurz sei. Wer sich jeden Handlungsschritt vorsagen lassen muss, verliert wertvolle Sekunden. „Umso wichtiger also, mit dem Gerät vertraut zu sein und es schon einmal in der Hand gehabt zu haben“, meint Melanie Schraml von der Björn-Steiger-Stiftung.

Der Defi sei „zumutbar und unkompliziert“, nimmt Referent Klaus Dietrich die Scheu vor der Herz-Lungen-Belebung. Die Aktivierung des Herzschlags und die korrekte Rhythmusherstellung mit einem Defibrillator können lebensrettend sein: Über 100 000 Menschen sterben nach Auskunft von Dietrich in Deutschland jährlich an einem Herz-Kreislauf-Stillstand. „Viele hätten eine Chance, zu überleben, wenn schnellstmöglich ein AED-Gerät eingesetzt wird“, so Dietrich. Bei Bedarf gibt das Gerät den elektrischen Impuls ab, um das vorhandene Chaos des Herzschlags wieder in die richtige Frequenz zu bringen.


Ein Mann kniet sich vor der Puppe hin und startet die Reanimation mit der Herzdruckmassage. Wie er es im Vortrag von Klaus Dietrich gehört hat, setzt er seine Hände in der Mitte des Brustkorbs an und drückt ihn mit ausgestreckten Armen kräftig.

„Viele hören auf, weil sie ein Knacken unter sich hören“, sagt Dietrich. Ursache des unangenehmen Geräuschs sei das Brustbein: „Es kann brechen“, sei aber kein Fall für den Chirurgen, „drücken Sie kontinuierlich weiter!“, macht Dietrich den Probanden Mut. Der Mann an der Puppe ruft nach einem Helfer. Zu zweit sei es am besten, erklärt Dietrich: So könne immer einer drücken, die zweite Person führt den Notruf durch, der einige Minuten dauert. Ist man mit der bewusstlosen Person alleine: Handy raus, 112 wählen, auf Lautsprecher stellen und feste weiterdrücken, während man die Einsatzleitung alarmiert. Der Ersthelfer arbeite nicht gegen den Minutenzeiger, sondern gegen die Sekunden an: „Keine Zeit verlieren“ schärft Dietrich ein.

Im Takt des Metronoms, das sich piepend aus der Defi-Tasche meldet, soll die Herzdruckmassage durchgeführt werden - um die Pumpleistung zu bekommen, könne man auch den Takt des Beatles-Titels „Yellow Submarine“ als Richtschnur nehmen.

Brusthaare und Bügel-BHs stören

Weitere Handgriffe sollten Ersthelfer immer im Kopf haben: In einer Seitentasche befindet sich ein Einwegrasierer. Die Brustbehaarung muss an den Stellen entfernt werden, wo die Elektroden aufgeklebt werden.

Auch Frauen kommen nicht ungeschoren davon: Metallbügel im BH machen Probleme. Also BH nach oben ziehen. „Als Ersthelfer haben Sie Narrenfreiheit“, nimmt der Referent einem Mann die Zweifel.

Gerät entscheidet, was der Mensch zu tun hat

Ein Defibrillator wird empfohlen, wenn eine Person bewusstlos und nicht mehr ansprechbar ist und keine normale, regelmäßige Atmung hat. Auch im Zweifelsfall ist der Defi einzusetzen.

Ein Herzschrittmacher nehme beim Defi-Einsatz keinen Schaden, beantwortete Referent Klaus Dietrich eine Zuschauerfrage. Der Patient muss auf dem Rücken liegen, der Untergrund spiele keine Rolle – auch auf nassem Schwimmbadboden oder auf der Wiese kann je nach Modell defibrilliert werden.

Das Gerät erstellt nach Ankleben der Elektroden automatisch eine Analyse der Herzfrequenz – ein schnelles EKG, das für den Ersthelfer handlungsweisend ist. Das Gerät ermittelt automatisch, ob der Einsatz eines Stromimpulses notwendig ist oder nicht.

Ist kein Stromimpuls notwendig, lädt der Defi sich nicht auf, analysiert weiterhin die Herzfrequenz und gibt den Takt für die Herzdruckmassage über ein Metronom an. Der Ersthelfer muss dann die Herzmassage fortsetzen bis zum Eintreffen des Notarztes.

Ist ein Stromimpuls erforderlich, muss der Ersthelfer einmal die „Schocktaste“ drücken. Bis zum Eintreffen des Notarztes startet das Gerät im Zwei-Minuten-Takt abwechselnd die Herzanalyse und gibt gegebenenfalls einen Elektroschock. Der Patient soll im Analyse-Modus und während der Schockabgabe nicht berührt werden. Elektroden an Patient angeschlossen lassen, auch wenn dieser sich wieder bewegt und/oder normal atmet.

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