Winnenden/Leutenbach Ein neuer Name für den Leutenbachtunnel?

Der Leutenbachtunnel. Foto: Habermann / ZVW

Leutenbach. In diesem Jahr am 21. September wird der Leutenbachtunnel zehn Jahre alt. Viele erinnern sich: Die Winnender Kantorei eröffnete damals das Straßenbauwerk mit einem sensationellen Konzert in der Tunnelröhre. Jetzt regt ein damals aktiver Bauleiter öffentlich an, den Namen des Bauwerks zu ändern, findet aber keine Unterstützung.

Frieder John aus Berglen war damals verantwortlicher Bauleiter für den Bauherrn, das Regierungspräsidium Stuttgart, und hat die Tunnelbaustelle von der Ausschreibung über die Bauphase bis zur Schlussrechnung geleitet.

Nachdem der Tunnel nun bald seit zehn Jahren besteht, meint John, es wäre an der Zeit, diesem Tunnel nun einen „richtigen Namen“ zu geben. An Winnender Gemeinderäte, den OB, ans Landratsamt und an den Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl schreibt John: „Nichts gegen Leutenbach, lieber Herr Kiesl. Doch die eigentliche Veranlassung und das erreichte Ziel liegen in der Ortsumfahrung Winnenden und in der dort erreichten Entlastung. Einen Tunnel nach nur einem Ort zu nennen, der aber nicht allein maßgeblich betroffen ist, scheint mir nicht ganz passend.“ Der Winnender OB Hartmut Holzwarth antwortete dem E-Mail-Schreiber schnell: „Nach kurzem telelonischem Austausch mit Herrn Kiesl heute kann ich Ihnen mitteilen, dass wir das Thema Tunnelbenennung, oder besser, Umbenennung, für den Leutenbach-Tunnel, der zum größten Teil auf der Gemarkung Leutenbachs liegt, nicht für angesagt halten.“

Der jetzt gebräuchliche Name rührt aus einem Arbeitstitel

John hatte argumentiert: „Der Name Leutenbachtunnel oder Tunnel Leutenbach rührt nach meiner Kenntnis nur aus einem vorläufigen Arbeitstitel, den man für die Ausschreibung wählte. Intern hieß er nur Bauwerk 6. Vielleicht hätte man schon früher überlegen sollen, wie man das Kind nennt. Macht man ja eigentlich vor der Geburt. Ich jedenfalls hatte damals keine Zeit für das Thema.“

John würde sich über eine öffentliche Diskussion freuen und macht in seiner E-Mail schon mal ein paar Vorschläge:

  • „Ziegeleitunnel“: Der Tunnel „startet“ von Stuttgart kommend in der ehemaligen Ziegeleigrube Pfleiderer in Winnenden.
  • „Murrbahntunnel“: Die wichtigste Verkehrsschlagader neben der B14 sei in der Raumschaft die Murrbahn. Der Tunnel unterfahre diese Linie.
  • „Buchenbachtunnel“: Der wichtigste „Vorfluter“ von Berglen, Winnenden, Leutenbach sei der Buchenbach. (Anmerkung der Redaktion: Ein Vorfluter ist ein Bach, in den das geklärte Wasser einer Kläranlage eingeleitet wird.) Der Tunnel führe nur wenige Meter unter der Bachsohle durch. „Der Bach ist der Grund, warum der Tunnel nicht wie viele andere Tunnel einen Hochpunkt hat, sondern einen Tiefpunkt“, erklärte der frühere Bauleiter Frieder John.
  • „Hungerbergtunnel“: Die meisten Tunnel heißen nach dem durchfahrenen Berg. Dies wäre in dem Fall der Hungerberg, der sich glücklicherweise auch auf den Gemarkungen beider Anliegergemeinden befindet.
  • „Barbaratunnel“: „So könnte jeder bergmännisch aufgefahrene Tunnel heißen, ist sie doch die Schutzheilige der Mineure.

In diesem Tunnel wurde sie jedoch zweifach geadelt: In jeder Röhre am Ende der Nothaltebucht wurden beleuchtete Nischen eingebaut, in denen je eine Barbarafigur ihr trübes Dasein fristet. Bitte aber nicht anhalten zum Anschauen, sonst geht eine automatische Alarmmeldung raus“, schreibt John dazu.

Zehn Jahre Leutenbachtunnel

Warum reden alle vom Leutenbachtunnel? Ganz einfach: Dieser Name hat sich eingebürgert. Bei genauerer Betrachtung war es so: Der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl hat schon vor zehn Jahren bei jeder Gelegenheit immer nur vom „Leutenbachtunnel“ gesprochen. Journalisten übernahmen diese Namensgebung, und die Bevölkerung auch.

An eine offizielle Namensgebung oder Tunneltaufe kann sich in der Redaktion niemand erinnern. Proteste aus Winnenden, weil der Tunnel nach dem Nachbarort benannt wurde, hat es nie gegeben.

Der Landkreis hält nichts von einer Namensänderung. Stefan Hein, Leiter des Straßenverkehrsamts, schreibt an Frieder John: „Als Ingenieur und Straßenbauer kann ich Ihre emotionale Bindung zu einem Großprojekt wie dem Tunnel Leutenbach sehr gut nachvollziehen. Allerdings teile ich die Einschätzung nicht, dass das Bauwerk nach zehn Jahren im Betrieb einer neuen Namensgebung bedarf. Der Name Tunnel Leutenbach ist aufgrund der geografischen Lage durchaus passend und im öffentlichen Bewusstsein inzwischen auch fest etabliert.“

Während des Tunnelbaus wurde ein Film hergestellt, der die wesentlichen Bauabschnitte dokumentiert. John schlägt vor, diesen Film zum zehnjährigen Bestehen zu zeigen.

  • Bewertung
    7

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!