Winnenden Pferdezüchter im Fohlenglück

Winnenden-Baach. Pferde gibt es über 220 in Winnenden. Aber Züchter sind rar. Selbst im Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald mit seinen 270 Mitgliedern züchten nur wenige aktiv. Einer davon ist Eberhard Class in Baach, bei dem vor Wochen ein wildes, energiegeladenes Hengstfohlen zur Welt kam.

Dieses Jungtier ist das Glück des Züchters, auch wenn es ihn aufs Höchste herausfordert mit seiner Wildheit, Verspieltheit und Neugier. Wenn Class nur einmal nicht aufpasst, kriegt er eine gewischt. „Das passiert in Bruchteilen von Sekunden“, sagt er. Zack, kriegt der Züchter ein Fohlenhuf auf die Knochen, und wenn er gerade in der Hocke sitzt, kann’s ihn auch am Auge treffen. Der junge Hengst braucht noch viel Dressur, bis er zum Beispiel ein Pressegespräch ordentlich über die Runden bringt und nicht dauernd dem Journalisten den Stenoblock wegfressen und die Kamera aus der Hand stupsen will. Körperlich ist er eben total fit, springt senkrecht in die Luft und hebt mit allen Vieren ab, rast im stolzen Galopp über die Wiesen oberhalb von Baach.

Der Stall steht in einem idyllischen Winkel mitten in Baach

Eberhard Class geht jeden Abend mit der Mutterstute und dem Fohlen spazieren. „Das braucht er. Er muss über die freien Wiesen springen.“ Class’ Stall ist der alte Bauernhof seines Opas mitten in Baach, in einem idyllischen alten Winkel. Es ist wie ein Stück Vergangenheit, ein Hinterhof, eine der wenigen Enklaven, die Baachs Entwicklung vom Bauerndorf zur Wohnsiedlung an sich vorbeiziehen ließ.

Vor 50 Jahren war in diesem Winkel noch vieles anders. Bei Class’ Opa gackerten Hühner, grunzten Schweine und muhten Kühe. Jetzt wiehern immerhin fünf Pferde und ein Fohlen im Stall, aber drum herum Wohnhäuser. Deshalb kann Class seine Pferde nicht einfach rauslassen, sondern geht mit ihnen täglich durchs Dorf zu den Wiesen, seitdem das Fohlen auf der Welt ist.

Der Züchter hatte dieses Fohlen gezielt herbeigeführt. Vor zwei Jahren erwarb er eine Stute mit sehr guten Zuchteigenschaften für Springpferde. Dann hörte er von einem guten jungen Deckhengst mit ähnlichen Qualitäten. Zu ihm führte er seine 22-jährige Stute. „Ich habe den Natursprung gewählt, weil dann die Sicherheit, dass sie annimmt, viel größer ist.“

Die Stute, die davor schon acht Fohlen geworfen hatte, wurde trächtig. Elf Monate trägt ein Pferd aus, erzählt Class, und im elften Monat stellte er eine Videokamera in den Stall und legte der Stute einen Alarmgurt um, damit sein Handy piepst, wenn sich die Stute auf die Seite legt. Die Geburt eines Fohlens kann ganz alleine gutgehen. Aber manchmal ersticken Fohlen in der Fruchtblase der Stute.

Diese Geburt verlief reibungslos. Class kam rechtzeitig in den Stall. „Nachdem sie eine Viertelstunde auf der Seite lag, ging’s los. Die Vorderfüße kamen raus, dann der Kopf, der schön auf den Beinen lag. Nach fünf Minuten war das Fohlen ganz draußen. Es dauerte keine halbe Stunde, dann ist es im Stall gestanden.“

Nach sechs Monaten muss das Fohlen in den Kindergarten

Es trank die erste Portion Muttermilch, die für die Darmtätigkeit und die Abwehrkräfte ganz wichtig ist. Und seither rennt es höchst lebendig über die Wiesen. Ein paar Monate noch, dann gibt Class es weiter in den Fohlenkindergarten, wo es drei Jahre mit 50 oder 100 anderen Fohlen lebt. Dann wird sich zeigen, ob es ein gutes Springreiterpferd wird. Alle Anzeichen sprechen dafür.


Zuchtverein

Als langjähriger Pferdezüchter ist Eberhard Class im Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald und dort Zweiter Vorsitzender. Der Verein hat seinen Sitz in Gaildorf und feiert in diesem Jahr ein 50-jähriges Bestehen.

Der 60-jährige Eberhard Class hatte in seinem Stall fünf Fohlen, seitdem er Warmblutpferde züchtet. Mit 16 Jahren kaufte er sich mit dem Lohn aus einem Ferienjob sein erstes Pferd, eine sechs Jahre alte Stute, die bei ihm blieb, bis sie 35 Jahre alt war. In den 90er Jahren hielt er dann zwei Friesenpferdhengste, mit denen er bis 2007 eine Deckstation in Baach betrieb.

Zurzeit hält Class fünf Pferde und ein Fohlen.

Im Hauptberuf ist er Kaufmann, war früher bei der Volksbank und dann im Außendienst für einen Hersteller von Stallausrüstungen.

Mit seinem noch namenlosen Fohlen ging Eberhard Class zu einer Fohlenschau, als es gerade zwei Wochen alt und damit eigentlich noch zu jung war. Das Jungtier schnitt hervorragend ab, bekam eine Goldplakette und den Perspektivpreis.

  • Bewertung
    11
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!