Winnenden Prozess gegen Schulfotograf, der Bilder von Amoklauf-Opfern verkaufte, eingestellt

Winnenden/Schorndorf. Die Bilderhändler des Amoklaufs kommen glimpflich davon. Am Dienstag hat das Amtsgericht Schorndorf das Verfahren gegen sie eingestellt. Sie müssen eine Geldbuße von insgesamt 5700 Euro an den Förderverein der Albertvillerealschule bezahlen.

Ein Schulfotograf, ein Rechtsanwalt und zwei Kaufleute haben nach dem 11. März 2009 Schulfotos mit den Porträts der getöteten Kinder an den „Stern“ verkauft und später an die Agentur ddp und damit an viele Medien. Die verkauften Bilder hatten Empörung ausgelöst. Sechs Eltern von getöteten Kindern erstatteten Anzeige.

Die Bilderhändler bekamen daraufhin einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe. Den wollten sie nicht akzeptieren, weshalb die Sache am Dienstag vor Gericht gelangte. Dort erreichten die Anwälte der Bilderhändler, dass nicht mehr von einer Verurteilung die Rede ist. Der Fall ist erledigt mit einer Geldbuße zugunsten des Fördervereins der Albertvilleschule von 750 Euro (Welzheimer Schulfotograf), je 1600 Euro (zwei Kaufleute) und 1750 Euro (Anwalt).

Der Anwalt hat die Fotos an die Medien verkauft

Durch den Amoklauf am 11. März 2009 waren harmlose Schulfotos plötzlich zum umstrittenen Handelsgegenstand geworden. Fotos des Schulfotografen von den Kindern der Albertvilleschule waren in einer Tageszeitung und laut Staatsanwältin sogar im Spiegel aufgetaucht, ohne dass die Eltern oder der Schulfotograf vorher gefragt worden wären. Noch stärker verbreitet war ein Schulfoto des Täters, das auch der Welzheimer gemacht hatte. Der Schulfotograf versuchte dann, die Sache juristisch zu regeln, wollte wenigstens nachträglich ein Bildhonorar für sich eintreiben und wandte sich an seine Agentur für Schulfotos in Mannheim. Die beiden Geschäftsführer Claudia und Jürgen S. schalteten ihren Rechtsanwalt L. ein, und der forderte zunächst von den Verlagen eine nachträgliche Honorierung, die er auch bekam.

Doch beim Fotografen fragten weitere Medienvertreter nach Bildern, der dann abmachungsgemäß alle zum Anwalt weiterleitete. Der Anwalt schloss mit dem „Stern“ einen Exklusivvertrag für alle Schulfotos für begrenzte Zeit, später verkaufte er die Fotos komplett an die Agentur ddp (wir berichteten). Die beiden Verträge brachten Einahmen von etwa 7000 Euro. Es muss noch mehr Geld geflossen sein für Fotos. Irgendwann waren 8000 Euro verbucht, und diese 8000 Euro waren am Dienstag im Amtsgericht der Orientierungswert der Staatsanwältin für eine Geldbuße.

Den ganzen Bilderhandel räumten die vier Verteidiger ein. Daran wollten sie nicht herumdeuteln. Sie bezweifelten aber, dass die Gesetze ausreichen, um die vier Angeklagten zu verurteilen. Einer vermutet sogar, dass die Eltern der getöteten Kinder gar kein Strafantragsrecht haben, weil Paragraf 77 des Strafgesetzbuchs dies nicht ausdrücklich vorsehe. Dem widersprach die Staatsanwältin heftig. Diese Frage sei geprüft worden. Sie hatte ihre Akten dem Landgericht Stuttgart zugeschickt, das den Strafantrag gebilligt habe.

Dann argumentierten die Anwälte, die Opfer von aufsehenerregenden Straftaten seien „relative Personen der Zeitgeschichte“ (Paragraf 23 des Kunst-Urheber-Gesetzes) und deshalb dürften Fotos ohne Einwilligung der Hinterbliebenen veröffentlicht werden. Sie habe das geprüft und bewerte es anders, erklärte die Staatsanwältin. Einen Freispruch würde sie nicht akzeptieren, auf eine Einstellung des Verfahrens würde sie sich bei einer Geldbuße einlassen.

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