Winnenden Schiefersee: Großstadtflair am Waldesrand

Die Kräne im Gebiet links und rechts der Straße Schiefersee und einer auf der Forststraße (gelb) markieren die von Kreisbau und Baugenossenschaft vorgenommene Nachverdichtung. Foto: Büttner / ZVW

Winnenden. Wer nächstes Jahr eine Wohnung in Winnenden sucht, sollte die Mietverwaltung der Kreisbaugesellschaft Waiblingen auf dem Zettel haben. Bis Ende 2019 werden im Schelmenholz am Ende der Straße Schiefersee mehr als 40 neue Mietwohnungen fertig. Und ein Haus an der Forststraße bietet 66 kleinere Wohnungen ab Mitte 2020.

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„Mir wurde die große Nachfrage nach kleinen Wohnungen bewusst, als die Kreisbau das Flüchtlingswohnheim am Waldfriedhof eröffnet hat. Viele unserer älteren Mieter kannten den Zweck nicht und dachten, sie finden dort etwas“, erzählt Kreisbau-Projektentwickler Michael Bolesch. In anderthalb Jahren hat er etwas für sie: Im Januar beginnt der Abriss des Altbaus an der Ecke Forststraße/Steinhäusle. Über einer neuen Tiefgarage werden Wohnungen mit 26 bis 36 Quadratmetern sowie im dritten und vierten Stock Drei- und Vierzimmerwohnungen entstehen.

Die bunte Mischung sozialer Schichten bleibt gewahrt

Daneben, auf dem ehemaligen Tankstellen- und Autowerkstattgelände an der Forststraße, Ecke Schiefersee, wächst bereits das Erdgeschoss eines architektonisch interessant gestalteten Mehrfamilienhauses empor. Kreisbau und die Baugenossenschaft Backnang erstellen es gemeinsam, die Kreisbau übernimmt die Vermarktung. 21 der 40 Wohnungen sind bereits verkauft. „Sie kommen aus Stuttgart und Bad Cannstatt, aus Waiblingen, aber auch aus dem Schelmenholz“, weiß Bolesch. Ein bisheriger Mieter wolle gleich drei Eigentumswohnungen kaufen.

Der fünf- bis achtstöckige Bau wird die vierte Eigentümergemeinschaft im Quartier beherbergen. Die bunte Mischung sozialer Schichten bleibt also gewahrt. Ein altes Mietshaus mit 20 Partien gehört der Stadt, der Rest der Kreisbau und der Baugenossenschaft Winnenden (BGW).

253 neue Wohnungen

Letztere kann, obwohl sie bis Sommer 2019 in drei Jahren 26 neue Wohnungen in drei Häusern gebaut haben wird, keinem neuen Mietinteressenten Hoffnung machen – die Wohnungen werden gebraucht, um Mieter aus abrissreifen BGW-Häusern an anderen Stellen in Winnenden umzusiedeln. So musste und muss es auch die Kreisbau im Schiefersee machen. Die Hälfte ihrer 96 alten Wohnungen im Quartier war zum Schluss nicht mehr vermietet, die verbliebenen Bewohner ziehen seit Anfang 2018 in die neu erstellten Häuser ein. Mit Ende der Verdichtung, voraussichtlich 2022, wird die Kreisbau 253 Wohnungen anbieten können.

Anwohner protestierten zunächst gegen die Nachverdichtung

Der Parkplatzmangel und der optische Eindruck der Mietshäuser hatten die alten Wohnungen für die Mittelschicht zunehmend uninteressant gemacht, wie BGW-Geschäftsführer Michael Rieger sagt. Vor etwa 15 Jahren hat die Baugenossenschaft begonnen, das Image schrittweise aufzupolieren, hat vier Häuser teilweise und eins komplett saniert. 2013 gelang es, die Nachverdichtung gemeinsam mit der Kreisbau, der Stadt und den Stadtwerken anzugehen. Es regte sich Protest: Zu viele Bewohner, zu viele Autos, zu wenig Blick ins Grüne, hieß es. „Die runden Tische mit den Anwohnern haben für anderthalb Jahre Verzögerung gesorgt“, bedauert Michael Rieger, dass „Menschen, die eine Wohnung haben, gegen den Bau neuer Wohnungen sind.“ Seit Baubeginn 2015 gibt es hingegen kaum mehr Beschwerden. Und mit jeder fertigen Tiefgarage sinkt zumindest der Parkdruck.

Zentrales Anliegen: Ausreichend Stellplätze schaffen

Die Schaffung von ausreichend privaten Stellplätzen ist ein zentrales Anliegen der Modernisierungswelle. Als das Quartier 1963 für AEG-Arbeiter entstand, wurden die wenigen Autos einfach auf den vielen öffentlichen Stellplätzen geparkt. Die Stadt hat 40 an die BGW verkauft, damit jene sie vermieten kann. Und die neuen Tiefgaragen liegen entweder unter den neuen Häusern, oder ihre Deckel werden als Gärten genutzt. „Vielleicht steigen einige Bewohner auch auf öffentliche Verkehrsmittel um“, verweist Michael Bolesch auf die Busanbindung im Viertelstundentakt zur Innenstadt (fünf Minuten) und zum Bahnhof (zehn Minuten).

Das vor 55 Jahren geplante Gebiet Schelmenholz hat seinen eigenen Reiz, „hinten“ liegt der Wald mit Spazier- und Joggingwegen und Fitnessstationen, „vorne“ am zentralen Platz findet man Supermarkt, Metzger, Bäcker, Schreibwarenladen, Banken – alle Gebäude im 60-er und 70-er Betonstil, mit „Großstadtflair“. Spielplätze, Ganztags-, Wald- und Regel-Kindergärten und eine Grundschule sind für Familien interessante Merkmale.


Die ganze Serie

Wir möchten mit der Serie "Wo werden wir wohnen?" unseren Lesern einen Überblick über die Neubauentwicklung in den nächsten Jahren in der Raumschaft Winnenden geben. Alle bisher erschienenen Teile finden Sie unter www.zvw.de/wohnen

lle 14 Tage Kontrolle: Fluchtwege frei?

Die Verdichtung im Schelmenholz hatte bisher insgesamt 16 Neubauten und damit moderne Standards zur Folge. „Wir passen alles an fürs 21. Jahrhundert“, sagt Michael Bolesch über die 13 Kreisbau-Projekte. Über das Schicksal der letzten zwei alten Kreisbauhäuser im Quartier entscheidet in Kürze der Aufsichtsrat.

Die Kreisbau unterstützt die Mieter in den Neubauten und sorgt dafür, dass Häuser im Top-Zustand bleiben – zum Beispiel wird alle 14 Tage kontrolliert, ob Flucht- und Rettungswege frei sind.

Aufzugs- und Heizanlagen sind fernüberwacht, die LED-Treppenhaus- und Kellerlichter gehen per Bewegungsmelder nur dort an, wo sich Menschen aufhalten, die Wohnungen haben Fußbodenheizung. Fotovoltaikanlagen beliefern die Luft-Wärme-Pumpen, Thermosolarmodule wärmen das Wasser. Es gibt einige barrierefrei ausgestattete Wohnungen. Müllcontainer und Fahrräder stehen in Boxen mit begrünten Dächern. Die Miete orientiert sich am aktuellen Mietspiegel.

Mit der Bewohnerdichte ist der Schiefersee nach Bezug aller Neubauten mit dem (ebenfalls nachverdichteten) Stadtteil Stuttgart-West vergleichbar – und mit „Nature 8“ am Ortsrand von Winnenden.

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