Winnenden Schönheits-Salon im denkmalsanierten Oppenländer-Haus

Silvia Walter, Heike Wunschmann und Friseurin Sindy Matozzo (mit Hündin Mia, von links) vor ihrem denkmalsanierten neuen Domizil. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden.
Das ist schon eine überaus passende Paarung, die sich da an der Mühltorstraße 11 vollzogen hat: Da saniert Rolf Fuhrmann mit viel Sinn und Verstand für alte Gemäuer das 237 Jahre alte Haus, in dem der Methodistenkirchengründer Gottlob Müller geboren wurde und zuletzt der Oppenländer-Laden für Kleidung, Kurzwaren und Stoffe drin war. Und die ersten Mieterinnen in diesem Objekt nach dem monatelangen gründlichen Facelifting sind – gleich drei Expertinnen für Schönheit.

Im August erfahren, dass es über der Parfümerie Wöhrle nicht weitergeht

Kosmetikerin Silvia Walter, Fußpflegerin Heike Wunschmann und Friseurin Sindy Matozzo wussten allerdings vor einem halben Jahr auch noch nicht, dass sie von der Marktstraße über Parfümerie Wöhrle in das viel bestaunte und gelobte Sanierungsprojekt einziehen würden. „Als wir erfuhren, dass wir entweder das Behandlungskonzept, die Produkte und die Preise der neuen Firma Schuback übernehmen oder gehen müssen, fühlte sich das an, als hätte man mich nach 40 Jahren Arbeit in einem Betrieb gekündigt“, spricht Silvia Walter von einem „Schlag ins Gesicht.“

Doch sie und ihre ebenfalls selbstständigen Kolleginnen, die sich im ersten Stock über der Parfümerie als „Haus der Schönheit“ eingemietet hatten, blieben nicht lang in der Schockstarre. „Wir rannten bei 36 Grad durch die Stadt und fragten jeden, der etwas frei hatte, ob wir einziehen können“, erzählt Heike Wunschmann von einer anstrengenden Suche neben der üblichen Arbeit her. In Korb hätten sie was bekommen können. Doch sie wollten im Herzen Winnendens bleiben. Bei vielen freien Objekten waren jedoch die erforderlichen Wasseranschlüsse ein Problem. Bis sie Rolf Fuhrmann trafen. Da er ohnehin gerade eine Schönheitsoperation vom Dach bis zum Keller durchführte, konnte er die Leitungen wie benötigt legen lassen. „Er war unsere Rettung“, sagt Heike Wunschmann.

Viele neue Kunden in kurzer Zeit

Von da an mussten sich die Damen keine grauen Haare mehr wachsen lassen. Sie bereiteten sich auf ihr neues Domizil vor, das sie aus dem Quasi-Verborgenen an die viel befahrene und begangene Mühltorstraße versetzte. Sie lobten unter ihren Kunden einen Namenswettbewerb aus und einigten sich schnell auf die Siegerin, die sie „Schön3“, sprich „Schön hoch drei“ getauft hatte.

„Durch die Lage haben wir in kurzer Zeit viele neue Kunden bekommen“, sagt Silvia Walter, die durch den Wöhrle-Verkauf zeitgleich auch in Backnang mit ihrem Kosmetikstudio umziehen musste. Sie hat Mitarbeiterinnen angestellt und belegt im Oppenländer-Haus zwei Behandlungsräume. Sie ist 55 Jahre alt, Mutter einer 28-jährigen Tochter und seit 38 Jahren selbstständig. Sie lebt in Backnang und freut sich nun, dass der Bauherr den Räumen so viel alte Substanz gelassen hat. Der knarrende Holzdielenboden ist über 200 Jahre alt, die Bodenfliesen im Flur sind zwar neu, vom Muster her aber den alten Vorbildern treu nachempfunden und von einem Spezialhandel geliefert.

„Kürzlich war ein Mann da. ,Ich will bloß gucken’, sagte er. Da kommt man sich bisweilen vor wie im Museum“, sagt Heike Wunschmann (49), die seit 1990 bei Wöhrle im Verkauf gearbeitet hat und die Fußpflege-Ausbildung draufsattelte, so dass die Winnenderin seit 2011 selbstständig ist.

Kleines Manko: Lob-Rufe stören die Behandlungsruhe

Wer durch die schöne, alte Tür geht, kann in einem kleinen Wartebereich Platz nehmen und warten, bis er oder sie zur Behandlung abgeholt wird. Eine Empfangsdame gibt es nicht, die Kunden lassen sich üblicherweise telefonisch oder per Mail einen Termin geben. Die Visitenkärtchen stehen auf dem Schmuckstück im Foyer parat, dem Original-Tresen vom Oppenländer-Laden.

Hinter der Trennwand hat Sindy Matozzo ihren Friseursalon, den größten Raum. „Am Anfang mussten wir unsere Kunden erziehen“, erzählt sie von lauten Überraschungsrufen. Dabei möchte auch Sindy Matozzo ihren Kunden Entspannung und Ruhe bieten, nicht zuletzt wenn sie deren Kopfhaut massiert. „Auf jeden Fall hat dieses Gebäude ein wahnsinniges Gesprächspotenzial“, berichtet Sindy Matozzo. Es gibt aber nicht nur Bewunderer. Manche fangen mit den alten Details nichts an.

Das Abenteuer hat die drei erst recht zusammengeschweißt

„Kontor“ steht beispielsweise auf der Glasscheibe in einer der Türen zur Fußpflege. Die braune Farbe blättert ab, die Tür soll noch behutsam renoviert werden. Im Flur zu Behandlungszimmern und Toilette sieht man an einer Ecke eine Ofenklappe. Auch sie ist zur authentisch wirkenden Zierde geblieben – geheizt wird das Haus jedoch mit Fernwärme.

Toll sind auch die auf Alt gemachten schwarzen Lichtschalter mit Drehknopf, die moderne, aber dick schwarz ummantelte Leitung liegt auf dem Putz, eben so, wie’s früher war.

Sindy Matozzo selbst ist ein Fan dieses durch Renovierung zum Blickfang gewordenen Baus. „Alles redet, hat eine Seele.“ Sie ist mit 41 Jahren die Jüngste im Dreierbunde, hat einen Sohn und ist seit 15 Jahren selbstständig. Aufgewachsen in Thüringen, kam sie nach Winnenden und arbeitet zunächst bei Kai Schäftlmeier.

„Wir drei sind durch dieses Abenteuer zusammengewachsen und haben uns nicht zerstritten“, freut sich Sindy Matozzo. „Es ist gemütlicher und herzlicher geworden“, findet Silvia Walter. „Wir fühlen uns wohl. Dieser Wandel zum Guten ist wie ein neues Leben. Ein wunderschönes!“

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