Winnenden/Schwaikheim Landesgartenschau: Das plant die Konkurrenz

Auch Ludwigsburg gehört zu den Mitbewerbern für die Landesgartenschau 2032. Foto: pixabay.com / USA-Reiseblogger

Winnenden/Schwaikheim.
Ludwigsburg, Tübingen, Offenburg, Rastatt, Nürtingen, Crailsheim, Bad Mergentheim. So heißen die Konkurrenten von Winnenden und Schwaikheim im Kampf um eine der drei Landesgartenschauen im Zeitraum von 2032 bis 2036.

Bis auf Bad Mergentheim und Crailsheim sind alle Bewerber, was die Einwohnerzahl betrifft, größer als Winnenden und Schwaikheim. Mit Ludwigsburg hat man gar den größten Bewerber direkt vor der Haustüre. Ein Nachteil? „Wir sehen in knapp 40 000 Einwohnern in Schwaikheim und Winnenden keinen Nachteil gegenüber unseren Mitbewerbern. Mit rund 24 000 Einwohnern hat Öhringen im Jahr 2016 bewiesen, dass man mit dieser Einwohnerzahl ein hervorragender Gastgeber einer sehr erfolgreichen Landesgartenschau sein kann. Bei der Vergabe der Landesgartenschauen beziehungsweise Gartenschauen spielt auch die regionale Zuordnung eine Rolle. Wenn wir den Zuschlag für die Landesgartenschau 2032, in unserem Wunschjahr, erhalten würden, und Ludwigsburg uns 2034 mit seiner Landesgartenschau folgen würde, hätten wir natürlich nichts dagegen“, erklären Winnendens OB Hartmut Holzwarth und Gerhard Häuser, der Bürgermeister der Gemeinde Schwaikheim, auf Anfrage.

Ludwigsburg plant "Gartenschau gegen den Klimawandel"

Ludwigsburg träumte im Zuge einer Bewerbung zur Landesgartenschau lange von einem Tunnel, durch den die B 27 führt. Der Tunnel sollte begrünt werden und war als „grüner Stadtboulevard“, wie die Ludwigsburger Kreiszeitung schreibt, lange zentraler Bestandteil der Gartenschaubewerbung. Doch aus Kostengründen wurden die Tunnelpläne vor Abgabe der Bewerbung gestrichen. Mit einer „Gartenschau gegen den Klimawandel“ wollen sich die Ludwigsburger von ihren Konkurrenten abheben. Grünprojekte sollen nahezu im gesamten Stadtgebiet angelegt werden, das Blühende Barock eine wichtige Rolle spielen. Zu dessen 80. Geburtstag möchte man in der Barockstadt idealerweise die Gartenschau 2034 ausrichten. Nachdem die Bewerbung 2018 scheiterte, versuchen es die Ludwigsburger nun erneut.

Tübingen setzt bei seinem Konzept komplett auf öffentliche Verkehrsmittel. Parkhäuser oder Parkplätze sind nicht vorgesehen. „Denn die Ausstellung soll gut fürs Klima sein und zum CO2-neutralen Tübingen beitragen“, schreibt das Schwäbische Tagblatt. Über die Stadtbahn, den Bahnhof und einen neuen Busbahnhof sieht man sich dort gut aufgestellt.

Die B 28 solle teilweise von vier auf zwei Spuren zurückgebaut werden, auf die freie Fläche sollen große Bäume auf durchlässigem Boden gepflanzt werden, der viel Wasser aufnehmen kann. Außerdem sollen unter anderem Teile des Neckars renaturiert werden.

Ist Wolfgang Schäuble ein Trumpf für Offenburg?

Bekannte Gesichter unterstützen die Stadt Offenburg bei ihrer Bewerbung. So spricht sich zum Beispiel Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble für eine Landesgartenschau in der Stadt nahe der französischen Grenze aus, in der er lebt. Das Konzept sieht eine 20 Hektar große Fläche vor, in der die Kinzig eine wichtige Rolle spielen soll. Der Fluss soll renaturiert werden, und Promenaden am Fluss sollen entstehen. Für das Gartenschaugelände müsste das Karl-Heitz-Stadion des Offenburger Fußballvereins verlegt werden, da es im Weg ist.

Rastatt bewirbt sich mit dem Slogan „Rastatt natürlich!“. Das Konzept der Stadt beruht dabei auf bürgerlichem Engagement. „Allein auf 50 Seiten wird dargestellt, wie die Bewohner bereits in der Vergangenheit mit eingebunden wurden und wie sie das Großprojekt auch in Zukunft mit Leben füllen können“, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten.

So fand zum Beispiel ein Bürgerspaziergang auf dem geplanten Gelände statt, und ein Bürgerausflug nach Schwäbisch Gmünd (Landesgartenschau 2014) wurde organisiert. Jugendliche konnten in einem extra Workshop Ideen einbringen.

Unter anderem sollen im Zuge einer Gartenschau die Murgpromenade und der Bahnhofsvorplatz neugestaltet werden.

Die Stadt Nürtingen bekommt bei ihrer Bewerbung Unterstützung von der dortigen Hochschule. Dort sind unter anderem die Studiengänge Freiraum- und Umweltplanung angesiedelt. Eine wichtige Rolle in der Bewerbung spielen der Neckar und seine Zuflüsse, die erlebbarer werden sollen. Beispielsweise durch terrassenförmige Sitzstufen, die einen breiten Zugang zum Neckar bieten sollen. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten.

Seit Sommer des vergangenen Jahres steht in Nürtingen bereits eine Stahlskulptur in Form einer Pflanze „Gartenschau Nürtingen - Dich wollen wir!“ ist auf den Blättern der Skulptur zu lesen.

„Wir wollen nicht die Jagst schiffbar machen“

Crailsheim setzt in seinem Mobilitätskonzept für eine mögliche Gartenschau darauf, dass Besucher (700 000) mit der Bahn anreisen. Im Gegensatz zu Tübingen sollen auch 3000 Parkplätze zur Verfügung stehen. Das Thema Stadtentwicklung steht im Vordergrund. Die Flächen entlang der Jagst sollen attraktiver werden, wenngleich Baubürgermeister Jörg Steuler bei der Präsentation der Bewerbung laut Heilbronner Stimme mit einem Augenzwinkern sagte: „Wir wollen nicht die Jagst schiffbar machen.“

Bad Mergentheim ist mit knapp 24 000 Einwohnern der mit Abstand kleinste Bewerber.

Die Kurstadt hatte sich bereits 2009 und 2018 ohne Erfolg für eine Landesgartenschau beworben. Das Motto lautet „Blühende Quellen“. Kernthema in der Bewerbungsmappe ist ein „Klimaanpassungs-Konzept“. „So könnten Untersuchungen zufolge mit 440 Baum-Neupflanzungen und knapp 40 000 Quadratmetern Entsiegelung im Zusammenspiel mit zusätzlicher Dachbegrünung in der Kurstadt rund 700 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden werden“, schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung.


Überzeugungskraft

Worauf es jetzt ankommt, um die Gartenschau nach Winnenden und Schwaikheim zu holen? „Nun gilt es Ende März 2020 beim Besuch der Fachkommission, Mitglieder der Kommission des Ministeriums für Ländlichen Raum vor Ort, in erster Linie fachlich davon zu überzeugen, dass wir in der Lage sind, die Landesgartenschau in den vorgesehenen Flächen auch umzusetzen und den notwendigen Interessenausgleich mit Landwirtschaft, Naturschutz und Erholungsfunktion der Menschen dort vorbildlich zu bewältigen. Dabei hilft uns der positive „Drive“ der Remstal-Gartenschau, der im vergangenen Jahr im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus entstanden ist und noch immer anhält“, so Hartmut Holzwarth und Gerhard Häuser in ihrer Stellungnahme.

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