Winnenden Stadt baut neuen Kindergarten - trotz Nachbarklage

Die alten Bäume hinterm Bauschild an der Straße Burgeräcker im Schelmenholz bleiben dem neuen Kindergarten erhalten. Das Schild zeigt, wie er einmal aussehen wird - mit zwei Stockwerken. Diese entstehen derzeit rechts unterhalb vom gelben Bauwagen. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden.
Es ist ein noch relativ neues Phänomen: Nachbarn nehmen es nicht mehr schicksalsergeben hin, wenn die Stadt neben ihrem Grundstück neu bauen will. Die Veränderung stört sie - und zack: Sie klagen. Im jüngsten Fall geht es um einen Kindergarten im Schelmenholz. Die Stadt hat trotz des aufgefahrenen schweren Geschützes angefangen, das Kinderhaus Körnle II zu bauen. Hat sie keine Angst, dass ein Baustopp verhängt wird wie beim Wohnhaus an der Gerberstraße?

Markus Schlecht, Leiter des Stadtentwicklungsamts, sieht den anders gearteten Fall gelassen. „Etwa zwei Wochen vor dem Baustart im September haben wir die Klage erhalten. Wir sahen selbst kein Risiko, dennoch anzufangen. Trotzdem ließen wir uns noch mal fachlich beraten und konnten dann drei Tage später die Baufirma mit dem Erdaushub beginnen lassen.“ Ende dieser Woche wird bereits die Bodenplatte fertig sein. Dann geht’s an die Wände des zweigeschossigen Baus, der Platz für bis zu 50 Kinder bieten wird.

Es ist der Stadt nicht gelungen, die Bedenken zu zerstreuen

Die Anwohner monieren, dass der zweigeschossige Neubau ihr Haus zu sehr beschatten werde. Diese Befürchtung haben sie schon im September 2018 in einer Anfrage an Oberbürgermeister und Gemeinderäte geäußert, als der Bauentwurf für die bisherige öffentliche Grünfläche mit Spielplatz beschlossen wurde. Die Ängste suchte man zu zerstreuen: Die Abstände zu den Wohnhäusern seien in alle Richtungen mehr als ausreichend, OB Holzwarth sprach damals von 12,5 Metern. Und: Neue Kindergartenplätze dienten dem Allgemeinwohl.

Durch Gesetze ist die Stadt tatsächlich dazu gezwungen, für ausreichend Plätze zu sorgen. Eltern, die einen unerfüllten Anspruch haben, können die Stadt ja auch verklagen.

Amtsleiter rechnet fest mit steigenden Kinderzahlen

Thomas Pfeifer, der Leiter des Amts für Familien, Jugend, Soziales im Rathaus, muss diesen Bedarf immer im Blick haben, besser noch, vorhersehen. „Gott sei Dank haben meine Kollegen mit dem Bau begonnen. Anfang 2021 brauchen wir diese Kita unbedingt“, sagt er mit Blick auf die Nachverdichtung Schiefersee. Das wird nach aktuellem Stand des Bauamts auch gelingen, Fertigstellung soll im Dezember 2020 sein. Und: Die Lage ist derzeit gut, alle Kinder sind versorgt. Ziehen nun aber weitere Familien neu zu und brauchen sie gleich einen Ganztagsplatz, kann’s bald eng werden. Das scheint nicht die Sorge der Anwohner zu sein. Schon im März sorgten sie mit ihrer förmlichen Beschwerde für eine Verzögerung beim Genehmigungsverfahren. Das für städtische Bauanträge zuständige Regierungspräsidium prüfte seitdem besonders intensiv – sah aber kein Problem.

Alte Bäume verschont, Bau Richtung Fußweg gerückt

Die Stadt suchte schon im Frühjahr die Handwerker, fand sie und konnte sie im Herbst nicht mehr so ohne weiteres bitten, einfach ein paar Monate Däumchen zu drehen, bis das Verwaltungsgericht über die Klage entschieden hat. „Sonst hätte die Baufirma gegenüber uns einen Schadenersatzanspruch gehabt“, sagt Markus Schlecht. „Da haben wir die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Da aber auch der Bebauungsplan inzwischen geändert ist und einen Kindergartenbauplatz definiert, fühlt er sich sicher, dass die Stadt keinen Schaden haben wird. Immerhin sorgt auch sie für ein Novum: Die fast 50 Jahre alten Bäume von der Grünanlage können stehen bleiben. Dafür rückt der Neubau näher an die Einfamilienhäuser am Fußweg zwischen den Straßen Burgeräcker und Körnle.

Kosten steigen – was Bauamtsleiter Hägele erwartet hat

Der neue Kindergarten wird übrigens etwas teurer als gedacht – ungefähr 6,5 Prozent. Es liegt nicht an der Klage, sondern an der guten Auftragslage der Handwerker, dass die Kosten nun bei 3,6 Millionen Euro stehen. Eine Firma, die die Fassade macht, muss die Stadt aber noch finden. Das einzige abgegebene Angebot lag 85 Prozent über dem Ansatz. In so einem unwirtschaftlichen Fall darf das Bauamt die Suche neu starten.

  • Bewertung
    4
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!