Winnenden Strafbefehl für Schulfotografen

Im „stern“ entdeckten Eltern eines getöteten Mädchens ein Foto ihrer Tochter, das der Schulfotograf gemacht hatte und das niemand sonst weitergegeben haben konnte. Später tauchte das Bild zum Beispiel in „Emma“ auf. Eine Presseagentur hatte es gegen Geld weitergegeben. Bild: Habermann Foto: ZVW

Illegale Weitergabe der Bildnisse von Schülern, die beim Amoklauf in Winnenden getötet wurden

Winnenden/Schorndorf. Schulfotos aus der Albertvilleschule sind doch keine freie Handelsware. Gestern hat der frühere Schulfotograf der Schule einen Strafbefehl des Amtsgerichts Schorndorf zugestellt bekommen, weil er illegal Fotos von Schülerinnen, die beim Amoklauf getötet wurden, an Medien weitergeleitet hatte. Auch sein Rechtsanwalt und seine beiden Geschäftspartner bekamen einen Strafbefehl, wie unsere Zeitung auf Anfrage erfuhr.

Die Empfänger sind nicht einverstanden mit den Strafbefehlen. Gestern erklärte Claudia Krauth von der Staatsanwaltschaft Stuttgart, dass Einspruch gegen die Strafbefehle erhoben wurde. Voraussichtlich wird es zu einem Prozess am Amtsgericht Schorndorf kommen über die Bilder, die ohne Rückfrage bei den Hinterbliebenen in Zeitschriften und Internetseiten gelangten. Dem 56-jährigen Fotografen aus dem Rems-Murr-Kreis, seinem 49-jährigen Rechtsanwalt aus der Mannheimer Gegend und seinen beiden 51- und 53-jährigen Geschäftspartnern aus Mannheim wirft die Staatsanwaltschaft vor, dass sie in sechs Fällen Bildnisse, also Porträtfotos, an Redaktionen weitergegeben haben. Konkret fanden die Ermittler heraus, dass der Schulfotograf aus dem Rems-Murr-Kreis Fotos der Kinder, die er einige Zeit vor dem Amoklauf in der Schule im Auftrag der Schule und der Schüler gemacht hatte, per E-Mail an den Rechtsanwalt geschickt hat. Der Anwalt soll Fotos per E-Mail an Redaktionen geschickt haben. Mehr Information gibt die Staatsanwaltschaft im Augenblick nicht preis. Auch über die Höhe der Geldstrafe wurde nichts bekannt. Schließlich steht noch ein Gerichtsverfahren in Schorndorf aus.

Schulfotograf gab sich bei Nachfragen ahnungslos

Beim Schulfotografen hatte unsere Zeitung bereits im April 2009 nachgefragt, wie denn seine Fotos in die Zeitungen gelangen konnten. Der Mann war damals nach eigenen Angaben selbst überrascht über die ersten Veröffentlichungen. Dass aber gleich danach die Bilder auch im „stern“ und Wochen später in weiteren Medien wie zum Beispiel „Emma“ veröffentlicht wurden - dazu wollte sich der Fotograf nicht äußern: „Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr“, meinte er damals. Sein eloquenter 53-jähriger Geschäftspartner in Mannheim entzog sich damals Journalistenfragen mit dem Hinweis auf die angebliche Rechtslage. Der Rechtsanwalt wollte überhaupt keine Auskünfte mehr geben, er war aber derjenige, der die Rechtsfragen um die Bilder klären sollte.

Für die Eltern eines der getöteten Kinder war erschreckend, wie Medien in den Besitz von Bildern ihrer Tochter gelangen konnten. Das Bild der Tochter war fremdbestimmt. Es wurde ein Foto veröffentlicht, das dem Mädchen selbst zu Lebzeiten gar nicht gefallen hatte. Diesem Bilderhandel waren die Eltern wehrlos ausgesetzt. Sie erhoben damals Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, rechneten aber nicht unbedingt damit, dass gegen diese fremdbestimmten Bilder etwas zu machen wäre.

Schulen warten auf die Ermittlungsergebnisse

Die Albertvilleschule arbeitet nicht mehr mit diesem Schulfotografen zusammen. Andere Schulen in Winnenden wollten abwarten, was die Ermittlungen ergeben.

 

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