Winnenden Taxifahrer betatscht Schülerin

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Winnenden. Ein Taxifahrer hat im Taxi zweimal den linken Oberschenkel einer 18-Jährigen nach deren Aussagen berührt, bestreitet aber die Vorwürfe. Der Richter in Waiblingen glaubt der jungen Frau und hat den Taxifahrer zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die Strafe fiel vergleichsweise gering aus, weil der 52-jährige Angeklagte ein geringes Einkommen, Schulden und Familie hat. Vor Gericht wollte er erreichen, dass die Geldstrafe milder ausfällt oder dass er freigesprochen würde, doch dieser Versuch misslang.

Am 18. März 2018 war die junge Frau von einer Familienfeier in Bayern mit dem Zug nach Winnenden zurückgekommen. Der Zug hatte Verspätung, weshalb sie keinen Bus mehr erreichte und zu den Taxis rüberging.

Im vierten Taxi in der Reihe erkannte sie den 52-Jährigen, der sie schon ein paar Mal gefahren hatte und dem sie deshalb vertraute. Während der Fahrt zu ihr nach Hause streifte seine Hand ihren Oberschenkel an der Außenseite, „fünf bis zehn Sekunden lang“, sagte sie auf eine Frage des Richters hin.

Der Angeklagte behauptet, seine Hand sei abgerutscht

Als das Taxi nahe ihrer Wohnung hielt, wollte sie bezahlen. Dabei berührte der Taxifahrer sie länger an der Innenseite ihres linken Oberschenkels. Er fragte auch noch nach ihrer Handynummer. Sie fühlte sich eingezwängt und rückte die Nummer heraus. Auf ihrem Handy waren danach Anrufe von ihm verzeichnet, die die Polizei registrierte.

Der Angeklagte bestritt die erste Berührung während der Fahrt und erklärte die zweite Berührung, als das Taxi stand, als ein Versehen. Ihm sei die Hand abgerutscht. Er habe nur ihre Hand berühren wollen, um ihr zu sagen, dass sie nicht lange nach Kleingeld zu suchen brauche und dass er schnell weiterfahren wolle. „Das kann man ja sagen“, meinte der Richter, „aber dafür muss man niemanden berühren.“

Überzeugende Schilderungen

Der Angeklagte blieb bei seiner Darstellung, warf der Geschädigten vor: „Da standen vier Taxis, und sie stieg in das vierte.“ Zu ihm. Er kenne sie. Diesmal habe sie freundlich gelächelt. Vorwurfsvoll klang der Angeklagte, als er das erzählte. Er versuchte dann in der Gerichtsverhandlung, die junge Frau allgemein zu diskreditieren, was den Richter aber nicht interessierte.

Die Staatsanwältin erklärte: „Der Tatnachweis ist erbracht.“ Die Angaben der Geschädigten seien durch weitere Erkenntnisse gestützt. Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à zehn Euro sei angemessen. Der Richter übernahm dieses Strafmaß und verurteilte den Angeklagten wegen sexueller Belästigung.

„Die Zeugin hat nichts aufgebauscht. Sie hat den Tathergang ruhig geschildert.“ In das vierte Taxi sei sie eingestiegen, weil sie durch frühere Fahrten Vertrauen gefasst hatte. „Ihre Schilderungen sind absolut überzeugend.“ Die Übergriffe des Angeklagten seien „Dinge, die nicht gehen“. Besonders schlimm sei, dass sie im Taxi geschahen, wo die 18-Jährige nicht weglaufen konnte.


Taxi-Führerschein ist weg

Der 52-jährige Taxifahrer aus Waiblingen war am Tattag für eine Waiblinger Taxifirma unterwegs, hatte aber in früheren Jahren schon für einige Winnender Firmen gearbeitet.

Am 18. März hatte die Geschädigte von zu Hause aus die Polizei angerufen und den Fall angezeigt. Die Polizei stoppte den Taxifahrer noch an diesem Tag bei einer Fahrt, kontrollierte ihn und nahm seine Personalien auf.

Später wurde ihm der Taxiführerschein entzogen und er wurde arbeitslos. Seit kurzem hat er wieder einen Job in einer Spielhalle in der Region.

Im Polizeiregister standen bei ihm zwei Anzeigen wegen unbezahlter Rechnungen, aber keine Sexualdelikte. Er war vor Gericht in Begleitung seiner Frau erschienen und einer jungen Bekannten, die dem Richter erklären wollte, dass eine Verurteilung dieses Mannes ungerechtfertigt sei.

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