Winnenden Theater: Freddy gerät zwischen die Fronten

Winnenden-Hertmannsweiler. Ein Gangster liegt verletzt im Schrank. Zwei Nonnen finden ihn. Zwei Hippiefrauen verarzten ihn. Seine ehemaligen Kumpane suchen ihn. Die turbulente und temporeiche Krimikomödie „Leg’ doch mal die Nonne um“ hat sich das Laientheater ‘s Hemmelreich Komedle ausgesucht und ist eifrig, zweimal die Woche, am Proben.

Das Stöhnen im Schrank wird immer lauter. Die Nonnen sind aber noch mit sich und dem alten Haus beschäftigt, das ihr Orden geerbt hat, und ignorieren es zunächst. Die Nonnen-Darstellerinnen wiederum sind vor allem auf ihren Text, der schon ganz gut sitzt, in Verbindung mit ihren Bewegungen auf der Bühne konzentriert. Manche Kulissenteile sind auch noch nicht fertig, so drehen sie pantomimisch den Wasserhahn einer imaginären Spüle auf. Da unterbricht Regisseur Klaus Federer und lässt sie die erste Szene wiederholen: „Ihr müsst alle Leintücher von den Möbeln nehmen!“ Freddy Heckmann alias Gangster Freddy wartet im verschlossenen Schrank. Hat irgendjemand behauptet, die Schauspielerei sei ein Zuckerschlecken? Das nicht. Aber trotz kleiner Unbequemlichkeiten macht’s allen Spaß, das merkt man den Ensemblemitgliedern, Neuen wie Alten, an.

Das beweist nicht zuletzt Barbara Ebinger als skeptische Schwester Aurea, die in echt gerade einen Hexenschuss hinter sich hat und manchmal noch von Schmerzen durchzuckt wird. Jetzt lenkt sie sich mit nonnengemäßen Ausrufen ab, die ihr als Nicht-Katholischer noch nicht so flüssig von den Lippen kommen wollen. „Des isch zu statisch, wie ihr da rumstanded“, bleibt Klaus Federer in seiner Regieanweisung beim breiten Schwäbisch der Komödie. „Was soll i – da nomsaua?“, antwortet Heidi Krauter als Schwester Erbana und sorgt für den ersten nicht geplanten Lacher des Abends und im „Publikum“ ihrer Mitspieler.

In schwäbischen Zischlauten verheddert

Endlich sind die Nonnen so weit: Sie öffnen den Schrank und finden Freddy. Er deliriert schon ein bisschen, liegt er doch schon die ganze Nacht in seinem Versteck. Er hält die Nonnen für Engel. Als es hinter der Tür vernehmlich kichert, knallen die Schwestern lieber nochmal die Schranktüren zu. Herein stürmen, in knallbunten Klamotten und mit blonden Perücken top gestylt, zwei Hippie-Mädels. „Ihr kommt zu früh rein!“, schickt sie Federer zurück. Erst müssen die Nonnen noch ihre Befürchtungen äußern können, dass da vielleicht Verbrecher kommen. Und an die Schauspiel-Novizin mit idealer Bühnenstimme gibt’s auch noch eine Botschaft: „Nicht so normal reinkommen! Das Haus ist euch unbekannt. Und dann die Überraschung, als ihr die Nonnen vorfindet.“ Michaela Blab, die als Moon das erste Mal beim Hemmelreich Komedle mitmacht, versucht ihre Version zuerst mit Anweisungen und Satzzeichen im Textbuch zu rechtfertigen, doch das lässt der Regisseur nicht gelten: „Wenn i ned z’frieda bin, na dusch hald anders!“, sagt er resolut.

Bös gemeint ist’s nicht, Federer nimmt sie danach noch auf den Hebel, um ein wenig die Schärfe aus seiner Kritik zu nehmen. „Was hasch’n du g’nomma?“, fragt er, als sie sich im Geflecht der schwäbischen Zischlaute verheddert – „do em Garda isch en echt kultiger Bronna“, hätte es heißen sollen, aber die Wassersuche der beiden Camperinnen geht im Gelächter über den Satz des Regisseurs unter und wird auf später verlegt. Zu kurios ist die Vorstellung, dass sich jemand, wie Gloria Haudum als zweite Hippiebraut noch zuspitzend hinzufügt, ein Wasserpfeifchen ansteckt, um das echte Flower-Power-Feeling zu haben. Nein, beim Hemmelreich Komedle, da bleiben alle Darsteller clean. Es reicht, wenn den Zuschauern schwindlig wird von der rasanten Story, in der Freddy, genesend und recht ungehobelt, bei den Nonnen Asyl erbittet, die ihn zur Tarnung in eine ihrer Trachten stecken. Warum nur schauen immer wieder andere Gangster unter einem Vorwand rein – Olga (Sylke Schnee) und Django (Günther Greiner)? Das muss mit Freddys Koffer zu tun haben, den Moon am Ende des ersten Akts mit einem Messer öffnet. Das Krimigeschehen hat Fahrt aufgenommen.

Kartenvorverkauf

  • Der Kartenvorverkauf startet am Freitag, 2. Dezember, im Vereinsheim des SV Hertmannsweiler, Im Wiesengrund 59, und zwar von 18 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro.
  • Anschließend kann man ebenfalls persönlich im Vereinsheim, aber auch telefonisch Karten kaufen beziehungsweise bestellen. Die Telefonnummer des Vereinsheims lautet 0 71 95/6 89 06.
  • Die Aufführungstermine der Komödie von Heidi Falthauser sind: Samstag, 4. Februar (Premiere), Freitag, 10. Februar, Samstag, 11. Februar, Freitag 24. Februar und Samstag 25. Februar, Freitag 2. März und Samstag 3. März. Beginn jeweils um 20 Uhr im Vereinsheim.
  • Auskünfte erteilt auch Gloria Haudum vom „Hemmelreich Komedle“ unter der Handy-Nummer 01 60/97 52 17 63
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