Winnenden Ulrich Baldauf ist neuer Stimmbandtrainer

Ulrich Baldauf (links) leitet seit Mai den Männergesangverein „Sängerlust“ Breuningsweiler. Foto: Büttner / ZVW

Winnenden-Breuningsweiler. Der neue Chorleiter des Männergesangvereins „Sängerlust“ will Stimmbildung anbieten. Ulrich Baldauf plant, das Spezialtraining freitags eine halbe Stunde vor der eigentlichen Probe anzusetzen. „Das erhält die Stimme, es ist mir äußerst wichtig.“ Er ist gespannt, wie stark die 32 Männer, von denen nur drei unter 50 sind, diese Art von Gymnastik annehmen.

Ulrich Baldaufs Erfahrungen mit dem Stimmtraining, zu dem auch Bewegungen gehören, sind sehr gut: die Arme heben, dann zusätzlich auf einem Bein stehen, dazu singen. Ein anderes Körpergefühl schafft neue Töne. In Rommelshausen, seinem zweiten Chor von dreien, kommen alle Chorsänger freiwillig zum Zusatzangebot. Tipps dafür holt sich der 63-Jährige bei Fortbildungen und Gesangsstunden, die er bei Dagmar Trefz nimmt. „Singen ist eigentlich eine Ganzkörperangelegenheit“, so die Theorie. In der Praxis sollen Lockerungen hier und Kräftigungen da bewirken, dass der Hobbysänger nicht mehr unter Druck singt. „Mit Druck klingt ein Ton nicht mehr schön, das muss man mit Bewegung ausmerzen.“

Beschnuppern beim Probesingen

Bei einer Probesingstunde haben die Chormänner aus Breuningsweiler und der in Grunbach Aufgewachsene sich kennengelernt und beschlossen, es miteinander zu probieren. Das ist für die Männer schon deshalb eine große Umstellung, weil sie 35 Jahre lang mit ein und demselben Dirigenten gearbeitet haben, Winfried Gutemann. „Sängerlust“-Vorsitzender Manfred Gall rechnet mit einem Jahr Eingewöhnungszeit.

Seit Mai steht Ulrich Baldauf in den Proben vorne, im Juni wirkten Sänger aus Breuningsweiler im Konzert seines Rommelshausener Chors mit. Am Montag beim Kelterfest-Seniorennachmittag dirigierte er 23 überwiegend ältere Herren, die sich von der Arbeit freimachen konnten oder schon im Ruhestand sind. Die Choristen singen fünf Lieder a cappella und halten ihre Töne sauber, im Tempo sind sie sicher und im Ausdruck flexibel. Also gar nicht schlecht, und das, obwohl die jüngeren Stimmen fehlen. Man darf gespannt sein, was sich bis zum nächsten Auftritt am 6. Oktober zum Erntedank in der Breuningsweiler Kirche ändert.

Das wird auf jeden Fall das Liedgut sein. Geistliches kündigt Ulrich Baldauf für die Kirche an, lustige Trinklieder waren’s am Montag im Festzelt bei der Stöckach-Kelter. Auf Wunsch der Damen im Publikum erklang zum Schluss noch der „Bajazzo“, ein Chor aus der Leoncavallo-Oper. Das ist zwar Ulrich Baldaufs Geschmack nicht, aber er zieht mit, es ist schließlich das jährliche Vereinsfest, bei dem man dem Stammpublikum einen Gefallen tun kann.

„Für das Frühjahrskonzert schwebt mir ein Programm der Kontraste vor. Der erste Teil mit älteren, vielleicht klassischen Sachen, der zweite mit Modernerem. Demnächst in der Probe fangen wir mit einem Udo-Jürgens-Medley an. Mal sehen, wie es den Männern gefällt.“ Silcher-Lieder wird Ulrich Baldauf deswegen nicht aus dem Probenraum verbannen, kündigt aber an, sie ohne romantischen Schmalz, sondern „werkgetreu“ singen lassen zu wollen.

An anderen Traditionen der Sänger wie dem Viertele vor und nach der Singstunde wird Ulrich Baldauf allerdings nicht rütteln. Beim Einsingen aber wird er wieder streng, da kommen wieder die besonderen Kniffe der Sing- und Gehörschule zum Tragen: „Wir halten uns mal ein Ohr zu, damit wir uns selbst hören.“ Ulrich Baldauf legt die Handkante mit dem kleinen Finger an die Wangen - auch das ist eine Übung, seinen Gesang einmal ganz anders wahrzunehmen. Von der Wirkung ist er überzeugt: „Man muss das machen. Die Leute sind inzwischen verwöhnt, es gibt sehr viele gute Chöre.“

Info

Die „Sängerlust“ probt freitags um 20 Uhr in ihrem Raum im Untergeschoss der Grundschule Breuningsweiler am Quellenweg. Vom 20. September an gibt es ab 19.30 Uhr eine knappe halbe Stunde Stimmbildung vor der eigentlichen Probe. Neue Sänger sind willkommen.

Vom Chorknaben zum erfahrenen Dirigenten

Ulrich Baldauf ist Jahrgang 1950 und hat von 1958 bis 1963 bei den Hymnus-Chorknaben in Stuttgart mitgesungen. Später sang er Tenor im Motettenchor Stuttgart, heute ist er Mitglied eines Chors in Gerlingen, wo er mit seiner Frau wohnt.

Baldaufs Chorleiterdasein hat mit 17 Jahren mit dem Kirchenchor Beutelsbach begonnen. Seitdem ist er auch Gemeinde-Organist, inzwischen in Leonberg-Höfingen.

In Rottenburg studierte Baldauf Kirchenmusik und schloss mit der C-Prüfung ab. Das Horn-Studium an der Musikhochschule Stuttgart beendete er ohne Abschluss. Sieben Jahre spielte er bei der Jungen Süddeutschen Philharmonie.

Neben zahlreichen Dirigentenengagements, unter anderem hießen die Stationen Hanweiler und SV Winnenden, hat er von 1972 an Unterricht in Klavier, Akkordeon, Horn und E-Orgel gegeben. Inzwischen arbeitet er nicht mehr als Lehrer, sondern als „Essen-auf-Rädern“-Fahrer für die Sozialstation Gerlingen. „Und an zwei Tagen die Woche singe ich mit Bewohnern von Pflegeheimen alte Schlager.“

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