Winnenden Umzug an Rems-Murr-Klinik geprobt

Das neue Rems Murr Klinikum. (Archivbild) Foto: Habermann / ZVW

Winnenden. Ein Umzug will geplant sein. Im Falle zweier Kliniken und einer zusätzlichen Station sogar geübt. Denn so mancher Patient braucht einen Liegendtransport, womöglich noch mit Beatmung. Andere sollten wegen Infektionsgefahr niemandem zu nahe kommen, dritten wird’s in der Sammelstelle schlecht. Eine Übung in Winnenden und Backnang an Computer und Telefon.

Dr. Rolf Kansy, Chefarzt der Intensivstation in Waiblingen und außerdem Ärztlicher Direktor, sorgt sich um einen MRSA-Patienten. Der ist gerade umgekippt und man weiß jetzt erstens nicht so genau, wie der Mann zu transportieren ist, und außerdem ist nicht klar, ob er von der Intensivstation in Backnang in die Intensivstation Winnenden soll, oder ob er vielleicht auch schon in die normale Station verlegt werden kann. Außerdem ist ein Aufzug ausgefallen, eine Ladung Mittagessen ist umgekippt, ausgelaufen, muss ersetzt und weggeputzt werden, ein Noroviruspatient sollte weit weg von allen anderen verräumt werden, einem anderen ist in der Sammelstelle schlecht geworden und überhaupt klingelt ständig das Telefon.

Ulrike Negwer sagt: „Der ganz normale“ und Kansy sagt: „Wahnsinn“. Die zwei sind sich einig. Aber wenigstens läuft jetzt der Aufzug wieder. Ulrike Negwer ist Umzugskoordinatorin. Und Rolf Kansy macht heute zusammen mit einem ganzen vielköpfigen Team was, was sonst in den Rems-Murr-Kliniken nicht üblich ist: Sie alle dürfen spielen.

Sie spielen Umzug: 65 Patienten – sie bestehen nicht aus Fleisch und Blut, sondern sind einfach ein Name auf einem Papier mit irgendeiner Patientengeschichte – sollen aus dem Backnanger Krankenhaus ins neue Winnender Klinikum umziehen. Hier wie dort sitzen die Leute am Computer, haben lange Namenslisten vor sich, gucken auf Stationen und deren Belegung und telefonieren sich rote Ohren. Bei Ulrike Negwer laufen alle Fäden zusammen. Sie muss den Überblick behalten und bei Notfällen eine Lösung finden. Ach ja, gerade ist ein Rettungswagen, der einen Patienten im Liegendtransport bringen sollte, verunfallt. Verletzt wurde zum Glück niemand, aber in so einem Umzugsstress ist das schon ganz schön blöde.

Kisten schleppt heut keiner, es geht nur um die Ablauftheorie. Bewegt werden nur die Zettelchen mit den Patientennamen, und zwar von einer Pinnwand im einen Zimmer – Klinikum Backnang – an eine Pinnwand im anderen Zimmer – Transportmittel – an eine Pinnwand im nächsten Zimmer – Klinikum Winnenden. Und dann zeigt der Computer: Die Gastroenterologie ist umgezogen. Bestens.

Dafür kommt jetzt aber ein Herzinfarkt in Allmersbach dazwischen und irgendwo hat’s auch noch einen schweren Verkehrsunfall gegeben, so mit allem, was man sich nur vorstellen kann. „Politrauma“ heißt das im Arztsprech.

Heute sollen Pannen und Schrecklichkeiten geübt werden, damit die Koordinatoren auf alles vorbereitet sind. Der Umzug selbst, im Juli wird er stattfinden, ist hoffentlich mit weniger Schwierigkeiten behaftet. Doch man kann ja nie wissen. Und deshalb kämpft Rolf Kansy jetzt mit einer Telefonnummer, die ganz offensichtlich die falsche ist, die aber trotzdem in der Liste steht. Wie, verflixt, kriegt er jetzt die richtige raus?

 Der echte Umzug

Der echte Umzug findet am Wochenende 19. und 20. Juli statt.

Die Waiblinger Klinik kommt am Samstag dran, die Backnanger sowie die Neurologie aus dem Zentrum für Psychiatrie Winnenden am Sonntag.

Die Kliniken reduzieren vor dem Umzug die Zahl der Patienten. Das heißt: Behandlungen, die warten können, werden erst nach dem Umzug angegangen.

Die Kliniken rechnen trotzdem mit etwa 300 Patienten, die insgesamt verlegt werden müssen.

Für jeden dieser Patienten wird ein Papier erstellt, wo genau draufsteht, wer er ist, was er hat, wo er herkommt und wo er hin soll. Damit niemand verloren geht.

Am jeweiligen Umzugstag sind die alten Kliniken auch noch handlungsfähig, so dass für keinen Patienten Gefahr droht. Doch für Waiblingen ist am Sonntag, für Backnang am Montag endgültig Schluss.

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