Winnenden Video: Ein smarter Herausforderer

Siegfried Lorek, 37, aus Winnenden will für die CDU in den Landtag einziehen. Foto: Büttner / ZVW

Winnenden. Bloßer Zählkandidat? Sicher nicht. Außenseiter? Ja; aber kein krasser. Der Winnender Siegfried Lorek, 37, kämpft kommenden Freitag gegen Matthias Pröfrock um den Posten als CDU-Landtagskandidat im Wahlkreis Waiblingen. Wirkt der Neue zunächst auch etwas glatt – im Lauf des Gesprächs schärfen sich die Konturen.

Pröfrock gegen Lorek, Landtagsabgeordneter gegen Neuling, Platzhirsch gegen Jungbock – seit raus ist, dass die CDU-Basis am Freitag die Wahl hat, siedet und brutzelt es in der Gerüchteküche. Unangreifbar, munkeln manche, sei Pröfrock nicht. Seine Forschheit gefalle nicht allen, von der dampfenden Blamage, dass er seinen Doktortitel wegen Plagiats verlor, hängt ihm bis heute ein Restduft in den Kleidern, 2013 unterlag er im Ringen um den Kreis-Vize-Posten dem bis dato nur als lokaler Zwölf-Ender aufgefallenen Weinstädter Ulrich Witzlinger. Aber auch gegen Lorek kursieren Spitzen: Zahnpasta könne der bestimmt verkaufen, Versicherungen auch. Aber Inhalte?

Es stimmt, bei der ersten Berührung mit Lorek muss der Journalist nicht gerade aufpassen, sich an Ecken zu stoßen und an Kanten zu schneiden. Superpositiver Händedruck, superstrahlendes Lächeln; seinen Lebenslauf legt er in zweifacher Ausfertigung vor; Krawatte, weißes Hemd, schwarzer Anzug; er wolle sich „engagieren, einbringen, gestalten“ . . . ach je, ein Streber?

Der Eindruck relativiert sich rasch: Dafür, dass Lorek eine Stunde lang keine einzige kontroverse Formulierung, keine einzige steile These, keine einzige knackige Polemik rausledert, gewinnt er als Typ doch deutlich an Umriss. Er weiß, wo seine Stärken liegen. Und führt sie elegant beiläufig ein.

Aus dem Beruf in die Politik oder Politik als Beruf?

Er habe immer wieder gehört, dass sich die Leute nach Politikern sehnen, „die auch außerhalb des Politiklebens beruflich erfolgreich waren“. Und der neue Landtagspräsident Wilfried Klenk habe dieser Tage doch zur Waiblinger Kreiszeitung gesagt: „Ein normaler Beruf schadet nicht.“ Im Kopf des Journalisten fängt es jetzt natürlich an zu rattern. Moment, Pröfrock. Junge Union. Studium. Oettinger-Referent. Landtagseinzug. Beruf: Politik . . . Herr Lorek, und Sie? Als Jugendlicher war er mal „kurz in der Hauptschule“, statt Lernen hatte er eher Sport im Kopf. Aber „meine Eltern sagen, es ist ja doch noch was aus ihm geworden“. Die CDU-Mitglieder „sollen entscheiden, ob ich eine Alternative biete“.

Gut, dass sein Lebenslauf auf dem Tisch liegt. Lesen wir mal schnell drüber. Geboren in Freiburg. Realschule. Mit 16 zur Polizei. Jahre als Streifenbeamter. Holte die Fachhochschulreife nach. Studierte an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen. Gründete, etablierte und verkaufte zwei EDV-Fachgeschäfte in Freiburg und Lörrach. War Einsatzchef bei der Kripo. Leitete den Führungs- und Einsatzstab der Polizeidirektion Villingen-Schwenningen. Unterrichtete an der Akademie der Polizei. Hängte ein zweites Studium dran, „Polizeimanagement“ in Münster. Wechselte als Referent ins Innenministerium. Organisierte als Projektleiter die landesweite Neueinrichtung der polizeilichen Leitstellen. Aktuell Referatsleiter im Präsidium Technik, Logistik, Service, Vorgesetzter von 20 Leuten. Vorsitzender der bundesweiten „Expertengruppe Notrufe“ der Innenministerkonferenz. Uff – war’s das? Nicht ganz: aktiv bei der Feuerwehr. Abteilungsleiter Inline-Hockey bei der SV Winnenden.

Bis Freitag wird er mit so ziemlich jedem Einzelnen der mehr als 600 CDU-Mitglieder im Wahlkreis geredet haben. „Sehr, sehr viele“ habe er schon erreicht, die Gespräche „haben mich darin bestärkt, dass es die richtige Entscheidung war, meine Bewerbung abzugeben“. Erfahrungen außerhalb der Politik sind wichtig, damit man weiß, „was die Menschen bewegt – das höre ich in jedem zweiten oder dritten Telefonat“. Sattelfest wirkt der Mann, klar strukturiert; mal sehen, ob wir ihn ins Stottern bringen – kleines Fragen-Staccato: Hat ihn keiner aus dem Kreisvorstand angeranzt, was ihm eigentlich einfalle? „Das Klima in der CDU hat sich gewandelt: Wir haben den innerparteilichen Demokratieprozess einige Schritte nach vorne gebracht.“ Ist Mappus also endgültig Vergangenheit? „Ja.“ Gab’s unter dem ein Demokratie-Defizit? „Die Zeiten sind vorbei, wo einer die Linie vorgibt, und alle folgen blind.“

Die Zeit als Einsatzleiter bei der Polizei muss ihn geprägt haben: Gut vorbereitet sein, Lage analysieren, Fakten ordnen, Aufgaben verteilen, handeln – so geht es da zu, und für girlandenreiche Fensterreden bleibt ebenso wenig Zeit wie für Hm und Äh und Weiß-nicht-recht.

AfD, FDP, SPD, Grüne: Koalieren wir mal ein bisschen

Die CDU wird 2016 stärkste Kraft im Land und koaliert – mit der AfD? „Definitiv nein“, die AfD „ist nicht regierungsfähig, nicht verlässlich“. FDP? „Die Wunschkoalition natürlich.“ Wenn das rechnerisch nicht hinhaut – SPD oder Grün? „Wir müssen offen sein für beides.“ Wirklich auch für die Grünen? „In Hessen läuft’s gut.“ Aber kriegen die Alten in der Union nicht Hautausschlag beim Gedanken? „Da haben sich die Zeiten gewandelt.“

Kein Haspeln, kein Zaudern. Letzter Versuch: Was hält er von der Polizeireform, die Pröfrock gerne sturmreif redet? „Es wäre unehrlich zu sagen, wir drehen alles auf den Stand von 2011 zurück“, dass es „Reformbedarf gab, wird auch in der CDU gesehen“. Es gelte, 2016 zu prüfen: „Was hat sich bewährt? Wo müssen wir noch mal ran?“

Interessant: Wenn ein kurzer Satz reicht, bemüht er nicht drei lange, und manchmal genügt ihm ein einziges Wort.

Hat er auch mit einflussreichen Köpfen der Partei über seine Kandidatur gesprochen, und haben die ihm Chancen attestiert? „Ja.“

Privates

Siegfried Lorek, geboren 1977 in Freiburg, katholisch, verheiratet: Nach Jahren in Freiburg, Stuttgart, Villingen, Münster fühlen er und seine Frau sich jetzt in Winnenden „zum ersten Mal richtig angekommen. Es ist eine Lebensentscheidung: Wir wollen hier nicht mehr weg.“

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