Winnenden Waiblinger Berg: Die Renaturierung beginnt

Motoryacht, Campingwagen und Stahlgitterzaun auf dem Waiblinger Berg: Ab 1. Mai muss das alles abgeräumt sein. Foto: Habermann / ZVW

Winnenden. Im Stücklesgebiet Waiblinger Berg beginnt die Renaturierung, die die Baurechtsbehörde angeordnet hat. Einige Stückle wurden gesetzeskonformer. Einzelne Grundbesitzer sind kooperationsbereit, aber bei allen, die letzte Woche im Rathaus versammelt waren, hat sich Unmut gegen die Verwaltung aufgestaut.

Die Stadt verlangt, dass die schon lange geltende Landesbauordnung im Außenbereich eingehalten wird. Die Grundbesitzer halten einige Vorschriften für unsinnig und wollen deshalb die Gesetze nicht einhalten. Die Stadt ist den Grundbesitzern schon in vielen kleinen Gartendingen entgegengekommen, hat ihnen Kompromisse für Schaukeln bei kleinen Kindern angeboten, hat selbst bei Wassertanks ein Auge zugedrückt, wenn die hässlichen Dinger wenigstens bewachsen sind. Aber die Stücklesfreunde fühlen sich weiterhin gegängelt. Einer wirft dem Oberbürgermeister „Sturheit“ vor.

Eindeutige Anweisungen an die Gartenbesitzer

Gartenbesitzer geraten in Rage, wenn sie ein Schreiben vom Gemeindeverwaltungsverband bekommen, der das Baurecht für die Stadt und die Gemeinden Leutenbach und Schwaikheim verwaltet. Sie werden in eindeutigen Worten angewiesen und aufgefordert, Zäune einzureißen, Bodenplatten zu entfernen und so weiter. Bodo Grimm, zum Beispiel, hat sein großes Gartengrundstück von unten nach oben frei räumen lassen, hat Gestrüpp beseitigt und alte Apfelbäume freigestellt und zugeschnitten. Der Anblick seines Gartens ist eine wahre Freude. Familie Grimm ließ sogar die alten Weinberg-Trockenmauern freilegen und sanieren, ließ zerbröselte Sandsteine durch andere ersetzen – eine langwierige Arbeit, die aber den Eidechsen und Blindschleichen Nistplätze bietet.

Für seine Trockenmauern hatte Grimm einen Steinhaufen zwischengelagert auf dem Stückle. Zack! Bekam er einen Brief, er müsse den wegräumen. Grimm sagte im Saal: „Das ist eine Gängelei bei Lappalien!“ OB Holzwarth war ein bisschen enttäuscht: „Damit waren Sie doch schon bei mir in der Sprechstunde, und wir haben doch eine einvernehmliche Regelung gefunden!“ Stimmt schon. Grimm und Holzwarth haben sich geeinigt. Holzwarth lobt auch dieses Grundstück, hat mit Grimm auch andere Dinge genau angeschaut und manches nach längerer Prüfung doch genehmigt. Mancher Unmut ist noch ein Nachhall von eigentlich gelösten Konflikten.

Bis 1. Mai muss alles weggeräumt sein, was nicht erlaubt ist

Holzwarth hatte allerdings den Stücklesbesitzern gleich zu Beginn des Treffens am Donnerstag reinen Wein eingeschenkt: „Der Waiblinger Berg wird kein Gartenhausgebiet.“ Christl Thiel vom Baurechtsamt präzisierte: „Es bleibt Außenbereich.“ In den nächsten Tagen bekämen die Stücklesbesitzer einen Brief vom Gemeindeverwaltungsverband. „Wir werden Sie auffordern, bis 1. Mai alles zu beseitigen, was unzulässig ist. Nach dem 1. Mai kommt eine Baukontrolle auf den Waiblinger Berg.“ Das empörte die Gartenfreunde: „Bis 1. Mai? Muss das jetzt innerhalb von knapp zwei Monaten sein? Das halte ich nicht für passend. Da müsste die Verwaltung mit mehr Augenmaß herangehen“, meinte einer unter großem Beifall.

Thiel nahm Druck heraus: „Da passiert zuerst einmal nichts. Wenn die Kontrolle etwas findet, schreiben wir Sie direkt an. Sie bekommen dann eine Aufforderung. Erst wenn dann immer noch nichts passiert, kommt eine Anordnung.“ „Das ist das, was wir unter Fingerspitzengefühl verstehen“, meinte OB Holzwarth. „Es darf aber auch Einzelfallentscheidungen geben“, meinte Wulf Hanke, der als Gast anwesend war. OB Holzwarth zeigte sich bereit, in Einzelfällen über Fristen zu reden, wenn jemand Gründe hat, nicht sofort die Dinge abzubauen.

Sicher ist, auch wenn es am Donnerstag nicht diskutiert wurde: Die Motoryacht, die oben auf dem Berge steht, die ist verboten. Wenn sie nach dem 1. Mai noch oben steht, wird’s spannend.


Zerren um Zulässigkeit von Zäunen

„Lasst doch die Zäune zu“, rief Stücklesbesitzer Rudolf Kreh in der Versammlung im Rathaus. Dass die Landesbauordnung Zäune im Außenbereich überall und auch am Waiblinger Berg verbietet, missfällt allen Stücklesfreunden. Um die Zulässigkeit von Zäunen entwickelt sich ein ziemliches Zerren in der Versammlung am Donnerstag im Rathaus.

„Ein Zaun ist essenziell“, meinte einer der Gartenfreunde, „wenn alle Stückle zaunfrei sein müssen, werden immer mehr Grundstücke unbewirtschaftet bleiben und von Exotenpflanzen überwuchert.

Zäune schützen vor Wildschweinen, die wie die Wilden oben am Waiblinger Berg wühlen. Rudolf Kreh meint, wenn ein Grundstück geschädigt werde, sei ein Zaun laut Gesetz erlaubt. Kreh erzählte, dass ein Nachbar ihm den Zaun geflickt habe, damit der Nachbar selbst vor Wildschweinen geschützt sei. Man dürfe diese Zäune doch nicht abschaffen.

„Hier ist niemand, der auf Zäune verzichten will“, meinte Gartenfreund Thiel.

Rita Fleischmann von der Bürgerinitiative Waiblinger Berg erzählte, dass einer ihrer Stücklesnachbarn ein Stück Zaun entfernt habe, wie es von der Stadt verlangt werde, aber dabei sei ein Eidechsengelege geschädigt worden. Das könne nicht der Sinn der Sache sein. OB Holzwarth erinnerte daran, dass Sträucher und Bäume nur in den Wintermonaten entfernt werden sollen – da hätte es keine Eidechsennester gegeben.

Wulf Hanke meint, die Stadt müsse Stücklesbesitzer unterstützen, wenn Wildschweinschäden zu beseitigen seien. Und sie solle sich überlegen, ob sie nicht lieber Zäune zulasse, anstatt Schäden zu beseitigen.

Die Stücklesbesitzer wehren sich auch dagegen, Bodenplatten entfernen zu müssen. Darunter seien oft Eidechsengelege oder Blindschleichennester.

Die Verwaltungsleute bleiben dabei: Zäune müssen weg, Hecken dürfen höchstens acht Meter lang sein und alles, was den Boden versiegelt, muss raus.

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