Winnenden Wirtin verliert Konzession

Symbolbild. Foto: Habermann / ZVW

Winnenden. Entzug der Kneipenkonzession, das ist die erste Maßnahme nach einer völlig eskalierten Schlägerei im Bistro Casablanca am Kronenplatz. Die Polizei steht vor einem Phänomen. „Erschreckend“ sei's, dass sich Leute solidarisierten, die nichts mit dem Anlass zu tun hatten. Sie kann sich nicht erklären, wie sich auf einmal 20, 30 Leute verbünden gegen Beamte, die zu Hilfe gerufen wurden.

Erst ist sie gefragt als Freund und Helfer. Wird gerufen, es war in der Nacht auf Dienstag am Schluss der Gastro-Nacht „Per Pedes“, zu einer Schlägerei, bei der ein Casablanca-Gast schwer verletzt wurde (wir berichteten). Als die sechs Beamten eintrafen und den Täter aus dem Bistro rausziehen wollten, ging es los. So schildert der Pressesprecher der Polizeidirektion Waiblingen Ronald Krötz die Ausgangslage. Was dann geschah, Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcke auf Seiten der Polizei, Faustschlag gegen die Schläfe bei einem Polizisten, ist den Beamten zwei Tage nach dem Ereignis immer noch ein Rätsel.

Kaum erklärlich, wie es zu dieser Solidarisierung unter 20 bis 30 Menschen kommen konnte. Die sich gar nicht kannten. Nur drei Beteiligte, von denen die Polizei die Personalien hat, kennen sich. Alles Deutsche, eher zufällig im Umfeld eines Bistros, das von einer Tschechin geführt wird.

Seltsam, dieses Bündnis der Wirtshausbrüder, weil laut Krötz der Urheber der ersten schweren Körperverletzuzng im Verlauf der Massenkeilerei selbst beschwichtigend auftrat. Die Leute sollen ablassen von den Polizisten. So lauten jedenfalls die ersten Ermittlungen der Kriminalpolizei. Klar ist freilich auch, dass die Beteiligten „erheblich alkolisiert“ (Krötz) waren. Und dass auch im letzten Jahr zum Ausklang der „Per Pedes“-Gastro-Nacht die Polizei Einsätze fahren musste. Freilich längst nicht in dem Ausmaß.

Handelt es sich um ein Phänomen, das etwas mit Winnenden zu tun hat? Oder ist's nicht eher so, dass sich jetzt auch in Winnenden eine allseits beklagte Erscheinung zeigt? Wo die Polizei hinkommt, sie wird immer seltener als Friedensstifter gesehen. Landesweit beklagt sie brutale Angriffe bei Einsätzen. Nach allem, was man von der höllenmäßigen Helloween-Nacht weiß, kommt eine Vermutung schon mal nicht in Betracht. Um eine alte Rechnung einer stadtbekannten Szene mit den Ordnungshüter kann es sich kaum handeln. Jahrelang hatten es Stadt wie Polizei mit Dauergelagen bei der Jet-Tankstelle an der Bundesstraße zu tun, unweit entfernt vom Schauplatz jetzt.

Aber, wie gesagt, die ermittelnden Beamten verneinen, dass sich da eine Gruppe im Pulk stark gesoffen hat. Zu der Vielzahl der jungen Leute im Alter um die 20, mit denen es die aus dem ganzen Kreis zusammengezogenen Polizisten zu tun bekamen, gehörten eben auch nicht wenige, die zufällig vorbeikamen. Sie waren einen ganzen Abend lang schon in Sachen Geisterbeschwörung unterwegs. Helloween als Brandbeschleuniger.

Die Wirtin soll jetzt ihre Konzession verlieren. Und zwar, so die Begründung der Stadt, weil sie sich selbst an der Schlägerei beteiligte habe. Und zwar stark alkoholisiert.

Auf unsere erste Meldung reagierte per Email ein Mann, der anonym bleiben will. Er gibt sich aus als „Der Nachbar“. Er gibt vor, den Zusammenstoß anders gesehen zu haben. Es müsse hinterfragt werden, warum jemand gegen Beamte so ausraste. „Nur wegen einer Ausweiskontrolle sicherlich nicht“, gibt er zur Antwort. „Wenn die Beamten auf alles einschlagen was sich bewegt, auch Frauen darunter, sollte erstmal alles hinterfragt werden. Es gehören immer zwei Seiten dazu“.

Die Wirtin wehrt sich, verwahrt sich gegen die Schilderung der Polizei. Sie habe keinen Beamten angegriffen. Sie will sich auch gerne dafür entschuldigen, dass sie sich eingemischt habe. Aber in der Sache sei's umgekehrt, sie habe die Hiebe abbekommen. Und zeigt zwei blaue Flecken an den Armen.

„Es wird immer schlimmer“, sagt auch sie. Das mit den jungen Leuten, die viel zu viel getrunken haben.

Infos


20 Mann ermitteln

Die Polizei sucht weiter Zeugen unter der Nummer 07151-950-0.

Der schwer verletzte Polizist, der einen Faustschlag an die Schläfe abbekommen hatte und bewusstlos wurde, ist inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen, ist jedoch dienstunfähig. Einer der sechs leicht verletzten Beamten meldete sich inzwischen krank.

Die Kriminalpolizei hat eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

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