Winnenden Wunnebad-Gäste zahlen bald mehr

, aktualisiert am 06.12.2019 - 17:12 Uhr
Zum Winterschwimmen im 50-Meter-Freibadbecken herrschten am Mittwoch die romantischsten Wetterbedingungen. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden.
Die Stadtwerke Winnenden machen etwas ganz Unpopuläres. Etwas, worüber sich jeder von Herzen aufregen kann: Sie erhöhen die Eintrittspreise für Schwimmer, Saunagänger und Eisläufer im Wunnebad. Wir haben uns nach den Hintergründen bei Stadtwerke-Chef Stefan Schwarz und beim Bäderleiter Sascha Seitz erkundigt.

Hier geht es dirket zu den neuen Preisen im Überblick

Um wie viel Prozent erhöhen die Stadtwerke die Eintrittspreise im Durchschnitt?

Ab Januar kostet der teuerste Tarif, eine normale Tageskarte für einen Erwachsenen, 60 Cent mehr als bisher. 4,50 Euro statt 3,90 Euro. Kinder ab vier Jahre kommen für 2,90 Euro einen Tag lang ins Bad. Fürs Schwimmen sind das also rund 15 Prozent mehr, die der Kunde bezahlen muss. Dafür bekommt er zum kleinen Hallenbad ein in der Region einmaliges Angebot und kann im Winter im Freien und im 50 Meter langen Becken schwimmen.

Fürs Saunieren und das Schlittschuhlaufen unter freiem Himmel im Eispark liegt der Aufschlag bei stolzen 18 bis 20 Prozent.

So viel auf einmal – wie kommt das?

„Wir haben zehn Jahre lang die Eintrittspreise für Hallenbad, Sauna und Freibad vermieden“, sagt Stadtwerke-Chef Stefan Schwarz. Im Eispark ist die letzte Anpassung sogar beinahe unglaubliche 14 Jahre her. „Deshalb lag das Preiserhöhungspotenzial eher bei 30 Prozent, also doppelt so viel, wenn man für jedes der vergangenen zehn Jahre eine Steigerung von zwei bis drei Prozent veranschlagen würde“, führt Stefan Schwarz aus. Und warum haben Stadt beziehungsweise seit 2014 ihr Tochterunternehmen, die Stadtwerke, so lange gewartet? „Die lange Pause war maßgeblich der langen Umbauphase seit dem Jahr 2012 und dem damit einhergehenden zeitweise eingeschränkten Angebot geschuldet“, so Schwarz.

Was genau sind die Gründe, die die Preiserhöhung notwendig gemacht haben?

„Wir haben in den vergangenen fünf Jahren 3,5 Millionen Euro investiert“, sagt Stefan Schwarz. Unter anderem in die Wasseraufbereitung mitsamt Mess- und Regeltechnik, die Lüftungsanlage und große Teile der Elektrik. In neue Spielplatzgeräte im Außenbereich, die Sanierung des 50-Meter-Sportbeckens, des Sprungbeckens, in einen neuen Eisbrunnen für die Sauna, in die Erneuerung des Sauna-Ruheraums, in die Modernisierung der Sanitäranlagen und Umkleiden. Es wurde zudem ein Funktional-Tower fürs Freibad gebaut und ein neues Kassensystem eingeführt.

Spielt auch ein hoher oder höherer Energieverbrauch eine Rolle?

Im Laufe der letzten Jahre sind die Kosten für Strom, Energie, sowie Reparatur- und Wartungsarbeiten gestiegen. Bei der Erneuerung der oben genannten technischen Anlagen (Ersatzinvestition) haben die Stadtwerke jedoch „maßgeblich auf die Energieeinsparung Wert gelegt. Wir erhoffen uns spürbare Vorteile“, sagt Stefan Schwarz. „Ein wesentlicher Preistreiber sind die gestiegenen Personalkosten“, weist er auf jährliche Tariferhöhungen hin. Und auch die Neu-Investitionen sind ganz wesentlich, hier schlagen die Kapitalkosten zu Buche. Alte Anlagen, die weiterlaufen, aber bereits abgeschrieben sind, verursachen keine Kosten.

Wird es künftig häufiger Preiserhöhungen geben?

Stefan Schwarz bejaht. „Zukünftig soll in deutlich kürzeren Intervallen, also alle zwei bis drei Jahre, die Preiskalkulation überprüft und bei Bedarf angepasst werden.“ Wie bisher auch wollen die Stadtwerke viel in Reparatur- und Wartungsarbeiten investieren, um den Gästen reibungslos funktionierende Anlagen und ein schönes Gesamtbild zu bieten. In einer Pressemitteilung ist gar von „einem bestmöglichen Bade-, Sauna- und Eisparkerlebnis“ die Rede. Wie dies gelingt, mag jeder selbst beurteilen. Weit entfernt bleibt auch der erhöhte Preis jedoch von den Eintritten, die manch anderer Badbetreiber in der Region verlangt. „Wir haben von uns aus die Preisschraube – insbesondere für Schwimmer – nur moderat bewegt. Schwimmen für alle zu moderaten Preisen ist der Auftrag unserer Eigentümerin/Gesellschafterin Stadt Winnenden“, sagt Schwarz. Die Winnender Steuerzahler tragen nach wie vor den Abmangel, die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben beim Wunnebad.

Wenn ich im Sommer eine Schwimmer-Jahreskarte für 130 Euro gekauft habe, muss ich im Januar den 20-Euro-Aufschlag nachzahlen?

Bäderleiter Sascha Seitz verneint. „Die Jahreskarten gelten immer ab dem Tag, an dem sie gekauft werden. Wer ab dem 1. Januar 2020 kauft, muss den neuen, den höheren Preis zahlen.“

Was sagen die Badegäste zur Preiserhöhung?

Sascha Seitz hat dazu eine überraschende Erkenntnis: „Viele Gäste haben in den letzten Jahren immer wieder betont, dass sie gerne mehr Eintritt zahlen würden.“ Bei den Sauna-Stammgästen hat er allerdings schon mit einem Sturm der Entrüstung gerechnet, weil ihre Jahreskarte wegfällt.

Statt bisher 652 Euro im Jahr zu bezahlen, haben die Sauna-Gäste nun nur noch Zehner- und 30er-Karten zur Auswahl.

Sascha Seitz nennt dafür mehrere Gründe. "Wir wollten raus aus unserem Tarifdschungel", sagt er und zieht die Bäder in Backnang und Fellbach zum Vergleich heran. "Sie haben auch keine Jahreskarte im Angebot. Schorndorf bietet ihre für 750 Euro an. Wir müssen uns diesem Markt anpassen." Das Winnender Wunnebad hat nun noch eine Zehner- und eine 30er-Karte für 350 Euro. "Wir sind mit unseren Preisen noch immer im unteren Feld angesiedelt. Gegenüber dem Einzeleintritt spart man sich fünf Eintritte." Als Hauptgrund für die Veränderung sieht er auch hier die gestiegenen Kosten im Bereich Personal und Reparaturen.

Gibt es noch eine Möglichkeit, günstig zu saunieren?

Ja, für Neukunden. Wenn man jetzt im Dezember eine Sauna-Jahreskarte zum alten Preis kauft. Die gilt ja dann zwölf Monate. Dann sollte man aber mehr als 46-mal im Jahr zum Schwitzen ins Wunnebad gehen, also mindestens einmal die Woche, auch im Sommer, sonst rechnet sie sich nicht.

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