Winterbach Das Best-Western-Hotel wird abgerissen

Das Best-Western-Hotel im Sommer 2018, als noch 105 Flüchtlinge dort wohnten. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winterbach. Nur noch bis Mitte April ist das Best-Western-Hotel in Winterbach eine Flüchtlingsunterkunft. Ein Comeback des Hotels gibt es allerdings keins mehr. Bis 2020 nutzt es ein gewerblicher Wohnheimbetreiber. Für die Zeit danach steht die Firma Nonnenmann in den Startlöchern, um das Hotel abzureißen und das Grundstück neu zu bebauen.

Die Nonnenmann GmbH hat sich das Grundstück bereits vor einiger Zeit gesichert und es samt Hotel der Arcadia GmbH abgekauft, die dort bis Ende 2015 das Best Western betrieb. Geschäftsführer Volker Nonnenmann will aber nicht ins Hotelgeschäft einsteigen, ihm ging es um eine Erweiterungsfläche für seine Firma. Dadurch kann er auf die in Schorndorf angemieteten Hallen verzichten und die ausgelagerten Bereiche nach Winterbach holen, wo sich der Hauptsitz des Unternehmens mit insgesamt 70 Mitarbeitern befindet. „Wir beliefern den Werkzeug- Formen- und Maschinenbau mit Komponenten von der Stahlplatte über Führungselemente bis zu Schrauben“, beschreibt Nonnenmann das Geschäftsfeld der Firma.

Nonnenmann: „Das ist ein wunderschönes Grundstück“

In dem Neubau, den Nonnenmann auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Hotel-Grundstück plant, sollen Büros, Logistik und Fertigung unterkommen. „Das ist ein wunderschönes Grundstück“, sagt er. „Infrastrukturmäßig könnte es nicht viel besser liegen.“ Vergleichbare Flächen gebe es im Remstal kaum auf dem Markt.

Das Winterbacher Unternehmen will noch in diesem Jahr mit der Planung für den Neubau beginnen. Mit der Umsetzung muss Volker Nonnenmann allerdings noch bis 2021 warten. Denn bis Ende 2020 läuft noch der Mietvertrag mit dem Landkreis. Der hatte das Hotel von der Arcadia GmbH gepachtet, um dort eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge einzurichten. Wie nun diesen Dienstag bekanntwurde, hat es nun jedoch als Asyl-Unterkunft ausgedient. Bis zu 200 Menschen lebten dort zwischenzeitlich, jetzt sind es nur noch 61. Sie sollen bis Mitte April alle entweder in die Anschlussunterbringung in verschiedenen Gemeinden oder in andere Gemeinschaftsunterkünfte in Weinstadt und Schorndorf umziehen.

Für den Rest der Laufzeit des Mietvertrags untervermietet der Landkreis das Hotel an einen gewerblichen Wohnheimbetreiber, das berichtet die Pressestelle des Landratsamts auf Anfrage. Es sollen demnach dort unter anderem Saisonarbeiter ein Quartier finden.

Betrieb 2015 aus aus „wirtschaftlichen Gründen“ eingestellt

Die Arcadia GmbH hatte den Betrieb des Best-Western-Hotels Ende 2015 aus „wirtschaftlichen Gründen“ eingestellt, wie der damalige Geschäftsführer Rainer Werdel erklärte. Die Gästezahlen seien in der Summe zu niedrig gewesen, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Außerdem hatte die Hotelkette, mit der die Arcadia GmbH eine Art Franchise-Vertrag für die Nutzung der Marke Best Western hatte, verlangt, dass das Hotel renoviert und umgebaut wird, um es an die aktuellen Standards anzupassen. Als dafür ein Investor absprang, wurde dieses Vorhaben kompliziert. Aber: „Ohne einen Kooperationspartner kann man ein Hotel in der Größenordnung an diesem Standort nicht wirtschaftlich betreiben“, sagte Rainer Werdel. Man brauche den Namen Best Western, die Marketing-Instrumente des Konzerns und die Anbindung an die Reservierungssysteme. In dieser Situation, in der er davon ausging, ohnehin bald schließen zu müssen, ging Werdel auf den Landkreis zu, der händeringend Platz für Flüchtlinge suchte. Die 20 Mitarbeiter des Hotels kamen laut dem damaligen Arcadia-Geschäftsführer anderweitig bei Arbeitgebern unter. 2015 äußerte Werdel noch die zarte Hoffnung, dass es irgendwann noch einmal eine Chance für das Hotel geben könnte.

Bürgermeister Sven Müller sieht jetzt das Positive an der Situation und der Entwicklung mit Nonnenmann. „Für die Zukunft betrachtet ist es für Winterbach sehr gut, dass sich ein ortsansässiger Betrieb eine Fläche sichern konnte.“ Wirtschaftspolitisch sei es für die Gemeinde ein Zugewinn, dass Kapazitäten der Firma von Schorndorf nach Winterbach verlagert würden.

Bürgermeister zieht positives Fazit

Nachdem klar ist, dass bis Mitte April alle noch dort wohnenden Flüchtlinge aus dem ehemaligen Best-Western-Hotel ausziehen, hat Bürgermeister Sven Müller im Gemeinderat ein Fazit der mehr als drei Jahre gezogen, in denen es eine Gemeinschaftsunterkunft war.

Am Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise wohnten 2016 mehr als 200 Menschen in der Unterkunft. „Ich denke, wir haben doch sehr gute Arbeit in Winterbach geleistet“, so Müller. Durch das hohe ehrenamtliche Engagement von Bürgern im Arbeitskreis Ankommen und auch die Anstrengungen aller anderen Beteiligten habe man die Aufnahme der Flüchtlinge als kleine Gemeinde gut hinbekommen. Mit Blick auf andere Kommunen sei man „vorbildlich“ unterwegs gewesen.

Probleme gab es nach Aussage der Sozialarbeiterinnen des Landkreises, die sich um die Unterkunft kümmerten, in der ganzen Zeit keine größeren.

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