Winterbach Das Café-Bistro „Volapük“ hat wieder geöffnet

Umberto Arnold und Ina Haußer sind die neuen Inhaber des Cafés „Volapük“ in Winterbach. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach.
Im Café „Volapük“ in Winterbach hat eine neue Ära begonnen. Nachdem Wirtin Petra Pleser nach 20 Jahren Ende 2019 das Licht ausgemacht hat, ist nach gerade einmal sechs Wochen wieder neues Leben eingezogen. Ina Haußer und Umberto Arnold haben es wiedereröffnet und führen damit eine echte Winterbacher Institution fort – wobei sie durchaus auch mit einigen Gepflogenheiten und Eigenschaften brechen, die das Volapük bisher ausgemacht haben.

Die Veränderungen sind für jeden, der das neue „Volapük“ betritt, offenkundig. Das Mobiliar ist noch das gleiche, aber drum herum ist das Interieur kaum wiederzuerkennen. Wo vorher dunkles Holz dominierte und urig-gemütliche Enge herrschte, strahlen einem jetzt weiße Wände, große Helligkeit und Klarheit entgegen. Die Trennwand zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich ist verschwunden und lässt das Lokal viel größer und weiter wirken. Die Wand konnte raus, weil sie unnötig geworden ist. Das „Volapük“ ist jetzt nämlich ein Nichtraucherlokal.

Heftige Wochen in der Vorbereitung mit schlaflosen Nächten

„Wir rauchen beide selber“, sagt Umberto Arnold über sich und seine Frau Ina Haußer. Aber es sei ihnen ein Anliegen gewesen, dass ihr Café-Bistro nicht vollgequalmt wird. „Wir haben gesagt, wir wollen nicht 14 Stunden am Stück im Rauch arbeiten.“ Die meisten Gäste seien glücklich, dass das Lokal jetzt rauchfrei sei. Und Ina Haußer meint: „Es kommen dann auch mal mehr Familien mit Kindern.“

Sie sind jetzt immer noch in den Anfangstagen, sind kaum zum Durchschnaufen und Nachdenken gekommen. Heftige Wochen liegen hinter Ina Haußer und Umberto Arnold. „Ich habe wenig geschlafen die vergangenen Wochen“, erzählt er. „Das lag auch mitunter daran, dass einem 100 Dinge durch den Kopf gehen, was man noch erledigen muss.“

Der 52-Jährige und seine Frau sind Quereinsteiger in der Gastronomie. Die 40-Jährige hat bei verschiedenen Unternehmen als Sachbearbeiterin im Büro gearbeitet. Er hat Wirtschaftswissenschaften studiert und führt seit fast 20 Jahren eine Gebäudereinigungsfirma mit 20 Mitarbeitern. „Und die führe ich auch weiter“, sagt Umberto Arnold. Er hat, um sich Zeit für das „Volapük“ freizuschaufeln, mehr Aufgaben auf seine Mitarbeiter verteilt. Erfahrung in der Gastronomie hat er aber trotzdem, wie er erzählt: Einige Jahre hat er öfter in der Strandbar in Winterbach gearbeitet.

Ein eigenes Café-Bistro zu haben, das war ein Traum von Ina Haußer und Umberto Arnold, der länger gereift ist. „Wir haben schon seit ein paar Jahren immer wieder drüber geredet, dass es toll wäre, wenn wir was Eigenes hätten.“ Dann hätten sie gelesen, das fürs „Volapük“ ein neuer Pächter gesucht wird und gesagt: „Das ist es.“ Die Größe, die Lage, alles passte.

Nicht mehr an sieben Tagen die Woche geöffnet

Umberto Arnold ist in Stuttgart aufgewachsen, hat aber acht Jahre in Winterbach gewohnt. Seit sechs Jahren wohnt er im Nachbarort Weiler. Vor eineinhalb Jahren, erzählt er, sei er schon mal an einem Lokal in Esslingen-Zell dran gewesen, habe aber dann entschieden: „Das ist mir zu weit.“

Der Besitzer der Immobilie in Winterbach sei froh gewesen, dass er sie gefunden habe, sagt Umberto Arnold. Andere Interessenten seien durchaus da gewesen. „Aber er wollte, dass es in einem ähnlichen Rahmen fortgeführt wird.“

Das tun sie jetzt – mit ein paar Veränderungen, nicht nur im Erscheinungsbild und mit der Verbannung der Raucher nach draußen. Sie haben die Küche etwas aufgerüstet, mit einem Pizzaofen und einem Profi-Induktionskochfeld. Es gibt jetzt ein Frühstücksbuffet. Außerdem ist jetzt dienstags Ruhetag, bisher hatte das „Volapük“ an sieben Tagen die Woche geöffnet.

Der Ruhetag sei wichtig, sagt Umberto Arnold, um Zeit für etwas anderes als den Laden zu haben. Petra Pleser, die vorherige Pächterin des „Volapük“ war 20 Jahre lang praktisch jeden Tag dort, hat eingekauft, gekocht, bedient und die Buchhaltung gemacht. Mit dem Abschied von ihrem Bistro wollte sich die 57-Jährige ihre Freizeit, ihr Privatleben zurückholen. Mitarbeiter waren für sie nur schwer zu finden.

„Wir machen das hier zusammen, mit Familienpower“

Ina Haußer und Umberto Arnold finden solche Aussichten nicht abschreckend. Sie haben ja mit ihrem Ruhetag vorgebaut. Für die Zukunft suchen sie noch Mitarbeiter und haben die Hoffnung, dass sich für ein Nichtraucherlokal auch einfacher jemand findet. Ansonsten gilt auch bei ihnen, wie bei Petra Pleser: „Wir machen das hier zusammen, mit Familienpower.“ Töchter und Söhne packen mit an und helfen.

Das Essen, das sie im „Volapük“ anbieten, kommt teils von Lieferanten, teils kocht Ina Haußer es selbst, auf jeden Fall immer das Tagesessen. „Da legen wir Wert darauf, dass wir es so kochen, wie wir es für uns selber kochen.“ Spaghetti Bolognese, Linsen, Spätzle und Saiten oder Wurstsalat mit Brot stehen da zum Beispiel auf dem Speiseplan.

„Wir wollen ein freundliches, angenehmes Bistro“, sagt Umberto Arnold. „Mit guter Qualität, und das zu fairen Preisen. Da haben wir viel Arbeit und finanzielle Mittel reingesteckt.“ Beide sind Italienfans und wollen ein bisschen von dem, was sie an der dortigen Gastronomie schätzen, ins „Volapük“ bringen. „Wir haben es so gemacht, wie wir uns das wünschen, wenn wir irgendwo hingehen“, sagt Ina Haußer. Bisher haben sie von den Stammgästen und auch insgesamt nur positive Rückmeldungen bekommen. Viele freuen sich gerade darüber, wie hell und offen das „Volapük“ sich jetzt präsentiert. Dabei ist das Wirtsehepaar durchaus offen für jegliche Anregungen und Wünsche von Gästen. „Wir haben gesagt, wir fangen klein an“, sagt Umberto Arnold. Nach und nach wollen er und seine Frau das Angebot jedoch erweitern.

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