Winterbach Die Flächen für die Windräder sind frei

Winterbach. Nach der Genehmigung durch das Landratsamt hat die EnBW keine Zeit verloren: Noch Ende 2016 haben die Rodungsarbeiten für die drei Windrad-Standorte am Goldboden begonnen. Der stramme Frost kommt den derzeit laufenden Erdarbeiten jetzt sogar entgegen. Ende September sollen die Rotoren sich drehen. Allerdings bereiten die Gegner des Projekts eine Klage vor.

Video: Valerie Hinrichs, Projektleiterin der EnBW erläutert die Baustelle Windpark Goldboden.

Von der Kaiserstraße aus, die am Goldboden von Manolzweiler Richtung Südosten verläuft, ist eine der großen Lichtungen zu sehen, die für den Windpark der EnBW geschlagen wurden. Eines, das östlichste der drei Windräder, wird hier nahe der Straße stehen. Die anderen beiden gerodeten Flächen liegen am Waldweg, der etwas südlich, parallel zur Kaiserstraße, verläuft. Insgesamt rund 2,3 Hektar Wald sind dafür dauerhaft gefallen, dazu weitere 0,2 Hektar, die wieder aufgeforstet werden, sobald die Windräder stehen. Gerodet hat die Flächen der Landesbetrieb ForstBW, von dem der Energieversorger sie gepachtet hat. Jetzt arbeiten bei klirrender Kälte am verschneiten Goldboden Bagger und Bulldozer und verschieben die Erde.

Bis August sollen alle Anlagen fertig dastehen

Das Gelände muss an den Standorten, die am Hang liegen, modelliert und eingeebnet werden. Einerseits für die Windräder und ihre Fundamente, andererseits als Stellfläche für den Kran, der für den Aufbau der Anlagen nötig ist, erklärt Tobias Borde. Der EnBW-Projektleiter steht im Baustellenbüro, einem Container einige hundert Meter von den Lichtungen im Wald entfernt, vor den Plänen für den Windpark. Darauf zeigt er: Größtenteils kann die EnBW die vorhandenen Wege für die Anlieferung der Bauteile nutzen. Für das Windrad direkt an der Kaiserstraße wurde eine kurze Schneise in den Wald geschlagen, um einen Schotterweg anzulegen. Auf der anderen Seite musste der bestehende Waldweg lediglich teilweise leicht verbreitert werden, damit der Schwertransport um die Kurve kommt, und dass die geforderten Rettungswege für die Baustelle vorhanden sind.

Die Rotorblätter transportiert ein 75 Meter langer Schwerlastzug

164 Meter Nabenhöhe, 131 Meter Rotordurchmesser und damit eine Gesamthöhe von rund 230 Metern – das sind die gigantischen Ausmaße der geplanten Windkraftanlagen in Zahlen. Für den Transport der Rotorblätter ist ein 75 Meter langer Schwerlastzug notwendig. Ein Blatt wiegt elf Tonnen – was gegenüber der Gondel mit dem Maschinenhaus noch gar nicht viel ist: Sie ist mit rund 60 Tonnen das schwerste Einzelteil, das angeliefert wird. Das Fundament und der untere Teil des Windradturms werden aus Betonfertigbausteinen zusammengesetzt, die oberen Abschnitte des Turms aus Stahlteilen.

Bis wirklich etwas von den Windkraftanlagen zu sehen ist, dauert es jedoch noch einige Wochen, so Tobias Borde. „Stand heute kommt die Firma für den Bau der Fundamente im März“, sagt er. Bis August sollen alle Anlagen fertig dastehen. Für Ende September ist die Inbetriebnahme geplant.

Windrad-Gegner wollen für Baustopp klagen

Für die Gegner des Windparks der EnBW auf dem Goldboden ist die Sache noch nicht durch, obwohl durch die Rodung bereits Fakten geschaffen wurden. Es seien beim Regierungspräsidium Widersprüche eingereicht, sagt Michael Haueis, Sprecher der Initiative „Pro Schurwald“.

Allerdings geht Michael Haueis davon aus, dass es dauern wird, bis es darauf eine Antwort gibt, und sich eine daran anschließende Klage mit Gerichtsverfahren sogar Jahre hinziehen könnte – während die Bauarbeiten ja ungehindert voranschreiten. Deswegen sei jetzt schon eine eilige Klage in Vorbereitung, so Haueis, um den „sofortigen Vollzug“, der mit der Genehmigung durch das Landratsamt einherging, aufzuheben: „Unser Ziel ist es, einen Baustopp zu erreichen.“

Dass das Landratsamt den „sofortigen Vollzug“ ermöglicht hat, kritisiert Michael Haueis grundsätzlich: Dabei gewichte das Amt die wirtschaftlichen Interessen eines Privatunternehmens höher als die demokratischen Rechte der Bürger. Der Sprecher von „Pro Schurwald“ zitiert aus der Begründung des Landratsamts. Darin heiße es, dass mit Widerspruch aus der Bevölkerung zu rechnen sei und dadurch eventuell die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens gefährdet sei, falls die EnBW nicht sofort in den Vollzug gehen könne.

Die Frage der Standsicherheit

Als „Gretchenfrage“ bezeichnet Michael Haueis von der Initiative „Pro Schurwald“ einen noch ungeklärten Aspekt der Baugenehmigung für den Windpark. Bisher hat die EnBW nämlich nur die Teilbaufreigabe für die Erdarbeiten vom Landratsamt erhalten, die zum Beispiel die Herstellung der Kranstellflächen und Einrichtung der Wege beinhaltet. Was nun für die vollständige Baufreigabe noch fehlt, ist der Nachweis der Standsicherheit.

Der Untergrund am Goldboden besteht zum Teil aus dem sogenannten Knollenmergel, einer nicht sehr stabilen Gesteinsschicht. Deswegen braucht die EnBW tiefe Pfahlgründungen für zwei der Windräder. „Bei der dritten sollte eine Aufschotterung zur Stabilisierung reichen“, so Ulrich Stark, Pressesprecher der EnBW.

Das nötige Prüfdokument, das die Standsicherheit gegenüber dem Landratsamt nachweisen soll, sei derzeit noch in Arbeit, sagt Stark. Der Anlagenhersteller, die Firma Nordex und die Baufirma, die die Fundamente baue, würden dieses erstellen. Das sei aber ein „Routineprozess“, betont der EnBW-Sprecher, und „normalerweise eine Formsache“. Man rechne damit, dass alle nötigen Unterlagen im Februar beim Landratsamt in Waiblingen vorliegen.

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