Winterbach Ein Fanclub für Frauen mit VfB-Virus

Alles auf VfB: Nina Deh, Michaela Bürk und Birgit Kurz (von links) brennen für ihren Verein und den Fanclub, den sie führen. Foto: Habermann / ZVW

Winterbach. Bis vor vier Jahren hatte Michaela Bürk keine Ahnung von Fußball. Doch dann, so erzählt sie es, infizierte sie sich mit einer Art Virus. Jetzt hat sie den Fanclub „Achtzehn93 Dunkelrote Mädels“ mitbegründet und damit offenbar einen Nerv getroffen: Nach wenigen Wochen hat der Club bereits 54 Mitglieder aus ganz Deutschland und jeden Tag gehen neue Anträge ein.

Video: Furchtlos und treu: Michaela Bürk und Birgit Kurz voom Fanclub Achtzehn93 Dunkelrote Mädels sind dabei.

So richtig kann sich Michaela Bürk den Moment, in dem sie zur „Dunkelroten“ wurde, in der Nachbetrachtung gar nicht erklären. 2013 ging sie mit jemandem ins Stadion, weil der eine Karte übrig hatte. Als sie dann so das Spiel sah, war sie eher gelangweilt. Elektrisiert hat sie jedoch der Blick auf die Cannstatter Kurve, dort wo die Hardcore-Fans stehen. „Ich kann das gar nicht beschreiben“, meint die Winterbacherin. „Diese Stimmung, das zu sehen, wie die Leute alles geben für den Verein. Da hab ich gesagt: Ich will das auch.“ Dort im Block stehen, mittendrin und spüren, wie das Stadion bebt.

Das wichtigste im Leben nach der Familie

„Es ist ein Virus“, sagt Birgit Kurz, die ungleich länger als Michaela Bürk dabei ist. Vor 40 Jahren war sie zum ersten Mal beim VfB. „Der VfB ist das Wichtigste im Leben nach meiner Familie“, bekennt sie. Kennengelernt haben sich Kurz und Bürk beim Dreh des Videos für den Song „Furchtlos und treu“ des Stuttgarter Hip-Hop-Kollektivs „Stadtlichters“. Michaela Bürk hatte vorher schon die Idee, einen Fanclub nur für Frauen zu gründen, allein es mangelte an passenden Mitstreiterinnen. Die fand sie dann unter anderem in Birgit Kurz.

Dumme Sprüche sind selten, nur auf Facebook geht es rauer zu

Als Birgit Kurz vor 40 Jahren zum ersten Mal ins Stadion kam, waren dort eher wenige andere weibliche Wesen. Das ist heute anders. Im Männersport Fußball sind Frauen als Fans präsent. Bis zu 40 Prozent der Besucher im Stadion seien mittlerweile weiblich, sagt Michaela Bürk. Frauen im Fanblock seien absolut akzeptiert. Zumindest im direkten Kontakt gebe es keine dummen Sprüche wie „Geht doch zum Ballett!“ oder „Ihr gehört an den Herd!“ zu hören. Anders in sozialen Netzwerken wie Facebook, auf denen sich Fans in Gruppen austauschen, da herrscht teilweise ein rauer Ton. Ansonsten werde man meist schon ernst genommen. „Wenn es um die Meinung zum Spielhergang geht, wird man manchmal schon belächelt“, sagt Nina Deh.

Rot-weiß im Herzen und auch auf dem Kopf

Die 29-Jährige aus Bad Cannstatt trägt die VfB-Farben sogar in der Frisur. Das Rot, sagt sie, habe sie sich extra für die „Karawane“ machen lassen. So nennt sich der Marsch der Fans jede Saison beim ersten Heimspiel zum Stadion. Deh ist Zweite Vorsitzende im Fanclub der „Dunkelroten Mädels“, Michaela Bürk die Erste Vorsitzende. Birgit Kurz hat die Funktion der Schatzmeisterin inne. Die 50-Jährige ist stolz, trotz ihrer Einschränkung als Rollstuhlfahrerin ein Vorstandsamt in einem Verein ausüben zu können. Und dann noch bei einer solchen Herzenssache. Der Zuspruch, den die Frauen bekommen, ist groß. Sogar im SWR-Fernsehen waren sie schon. Die „Stadtlichters“ haben den Mädels einen eigenen Fanclub-Song geschrieben.

53 Mitglieder: Der Club wächst

So einen Club nur für Frauen, das hätten sie schnell gemerkt, den habe es gebraucht, sagt Birgit Kurz. Nach wenigen Wochen haben sie 53 Mitglieder, jeden Tag kommen weitere Anträge. Die Club-Damen kommen aus ganz Deutschland, sogar aus dem hohen Norden. Es gebe nur einen weiteren VfB-Fanclub für Frauen, sagt Michaela Bürk, aber von dem höre man nicht viel. Es gebe Frauen, die sich nicht trauen, sich in einem normalen Fanclub anzumelden, sagt Nina Deh. Diese seien immer noch eher männlich dominiert.

Auch soziale Projekte wollen sie machen

Bei den „Dunkelroten Mädels“ sollen sich Frauen finden und miteinander über Fußball und den VfB austauschen können, mal ganz ohne Männer. Der Fußball soll dabei aber auch nicht alles sein. „Wir wollen auch soziale Projekte machen für benachteiligte Kinder“, sagt Michaela Bürk. Das komme daher, weil sie alle Mamas seien.

„Der Mitch“ ist der Liebling, ein echt „goldiger Typ“

Als Mamas, sagt sie, hätten sie auch einen anderen Blick aufs Spiel und die Mannschaft. Leider gehe „der Mitch“ ja jetzt weg. „Der ist unser Liebling“, sagt Bürk. Der könne auch immer gut mit Kindern. Birgit Kurz ergänzt: „Und er ist ein goldiger Typ.“ Ron-Robert Zieler, der Rivale von Mitch Langerak im Tor, der diesen jetzt verdrängt hat („der Mitch“ wechselt nach Spanien), ist ihnen etwas zu kühl-distanziert. Wobei Birgit Kurz sagt: „So lange er gut hält, ist mir das egal.“

Platz zehn bis 13 sehen sie für den VfB im Bereich des Möglichen

Insgesamt hat der VfB eine gute Mannschaft zusammen für die Erste Liga, finden die drei Fanclub-Damen“. Aber: „Es ist eine junge Mannschaft, die muss sich erst mal finden“, sagt Michaela Bürk. Platz zehn bis 13 sehen sie im Bereich des Möglichen. Alles darüber sei „unrealistisch“. Die „Dunkelroten Mädels“ werden jedenfalls alles geben und bei allen Heimspielen und vielen Auswärtsspielen dabei sein, um ordentlich Stimmung zu machen und die Mannschaft nach vorne zu peitschen.


Kontakt

Wer Mitglied werden will oder Kontakt mit den „Dunkelroten Mädels“ aufnehmen will, schreibt am besten an achtzehn93dunkelrotemaedels@gmail.com (ohne Bindestrich) oder nimmt über Facebook Kontakt auf.

Der Mitgliedsbeitrag ist mit den Ziffern des Gründungsjahrs ganz auf den VfB abgestimmt: 18,93 Euro.

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