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Winterbach Hirschgassenfest in Manolzweiler

Winterbach-Manolzweiler. Wenn der 2012 verstorbene Hirsch-Wirt Walter Daferner am Wochenende von irgendwo her auf sein Hirschgassenfest geschaut hat, dann hat er das sicher mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge getan. Mit einem lachenden, weil sein Traum von 40 Jahren Hirschgassenfest tatsächlich in Erfüllung gegangen ist, mit einem weinenden, weil das Jubiläumsfest vom Wetter alles andere als begünstigt war. Daran hat auch die Verschiebung des ursprünglich eine Woche früher terminierten Festes um eine Woche nichts geändert – eher im Gegenteil.

Zumindest für den Eröffnungsabend am Freitag hat sich die von Festwirtin Simone Waldenmaier und ihrer Familie getroffene „unternehmerische Entscheidung“, das Fest um eine Woche zu verschieben, gelohnt.

"Eine mutige und richtige unternehmerische Entscheidung getroffen"

„Man muss sich ja auf irgendetwas verlassen können“, verweist die „Hirsch“-Wirtin auf die Wettervorhersagen, die fürs ursprüngliche Festwochenende schlechter gewesen waren, als es das Wetter dann geworden ist, und für dieses Wochenende perspektivisch deutlich besser als das, was es dann hergegeben hat.

Weshalb die Anzahl der überdachten Plätze noch einmal deutlich aufgestockt worden ist. „Sie haben eine mutige und richtige unternehmerische Entscheidung getroffen, denn die, die Sie dafür kritisiert haben, hätten Ihnen den Verlust nicht abgenommen“, sagte der Vorsitzende des baden-württembergischen Gaststättenverbandes Dehoga, Fritz Engelhardt, in seinem Jubiläums-Grußwort und nannte es eine bemerkenswerte Leistung, in einem Dorf mit gerade mal 160 Einwohnern ein Fest zu veranstalten, dass über vier Tage (normalerweise) mehrere Tausend Besucher anzieht.

Gutes pflegen und Neues bewegen

Der Gemeinde, so Engelhardt an die Adresse von Bürgermeister Sven Müller, sei zu einem gastronomischen Betrieb, der Winterbach auch außerhalb des Hirschgassenfestes in vorzüglicher Weise weit über die Gemeindegrenzen hinaus repräsentiere, nur zu gratulieren.

Was Sven Müller, der – angefeuert unter anderem von seinem (Namens)Kollegen, dem Korber Bürgermeister Jochen Müller – beim Hirschgassenfest seinen ersten Fassanstich überhaupt mit nur vier Schlägen und damit mit Bravour meisterte, selbe natürlich auch so sieht.

Er nannte das Hirschgassenfest eine Erfolgsgeschichte, deren Geheimzutat der Familien Daferner und Waldenmaier sei, die es sich zur Aufgabe gemacht hätten, Gutes zu pflegen und Neues zu bewegen.

Eine gute Vorbereitung isch halber g’schaffd

Kopf-Bauch, Bauch-Kopf, Kopf-Kopf, Bauch-Bauch: Alle diese Kombinationen haben laut Simone Waldenmaier bei der schwierigen Entscheidung, das 40. Hirschgassenfest um eine Woche zu verschieben – „So etwas schüttelt man nicht aus dem Ärmel“ –, eine Rolle gespielt.

Viel Mut, viel Organisationstalent, viel Zeit, viel Engagement und auch das eine oder andere finanzielle Zugeständnis hat’s gebraucht, um so ein großes Fest relativ spontan um eine Woche zu verschieben und beispielsweise einen Teil des Musikprogramms völlig neu zu konzipieren.

„Sieh nach den Sternen, aber gib auch acht auf die Gassen“

Bis ins tiefste Niederbayern beispielsweise hat die Suche nach einer Band für den Freitagabend geführt. Und auch bei den insgesamt rund 30 Mitarbeitern, unter denen einige sind, die schon ganz von Anfang an oder zumindest mehr als 30 Jahre dabei sind, musste teilweise umdisponiert werden.

Aber wie sagt Simone Waldenmaier; „Eine gute Vorbereitung isch halber g’schaffd.“ Und obwohl das so ist und obwohl sie in ihrem Vater Walter Daferner diesbezüglich „einen guten Lehrmeister“ hatte, hat die Festwirtin am Freitagabend die Zukunft des Hirschgassenfestes offengelassen. „Sieh nach den Sternen, aber gib auch acht auf die Gassen“, hat sie in ihrer Festansprache eine ehemalige Lehrerin zitiert und angedeutet, dass das Jubiläums-Hirschgassenfest das letzte in der bisherigen Form gewesen sein könnte.

Immer mal wieder Neues wagen

„Es ist klar, dass es weitergeht, aber wahrscheinlich nicht in dieser Form“, hatte Simone Waldenmaier zuvor schon im persönlichen Gespräch gesagt und damit ihre Philosophie bekräftigt, wonach es einerseits wichtig ist, Tradition zu pflegen, dass man andererseits aber nicht ausschließen darf, auch immer mal wieder Neues zu wagen.

Vier Jahre war Simone Waldenmaier jung, als ihr Vater Walter Daferner – damals natürlich noch in viel kleinerem Rahmen und noch auf der anderen Straßenseite – das Hirschgassenfest begründet hat, wobei es zu seiner Entstehung unter anderem die Version gibt, dass beim Hochzeitsempfang von Metzger Richard Wolz und seiner Frau Silvia – diesmal natürlich auch wieder dabei – so viele Gäste und Schaulustige zusammenkamen, dass sich darauf eine Spontanparty und darauf wiederum das Hirschgassenfest entstand.

Die damals noch kleine Simone jedenfalls war von Anfang an dabei und hat sich dann übers Straße fegen, der Oma beim „Loibla“ (Brotbacken) helfen, Kartoffeln schälen, Bierkrüge spülen und die Pfandkasse bedienen im Lauf der Jahre „hochgedient“ – bis sie selber die Chefin geworden ist.


Deutlich weniger Besucher, aber viel Lob

  • Auch wenn sie sich vor allem den Samstagabend anders gewünscht hätte: Hadern will Simone Waldenmaier in ihrer Zwischenbilanz wegen des Wetters und der dadurch deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibenden Besucherresonanz nicht. Zumal sie von denen, die gekommen sind, wieder viel Lob für die tolle Qualität des Hirschgassenfestes bekommen hat. Aber: „50 Prozent eines solchen Festes macht das Wetter aus“, sagt die „Hirsch-Wirtin, die nicht davon ausgeht, dass diesmal ein Null-auf-Null-Ergebnis zu schaffen ist.
  • Weil das Wetter am Samstagabend so richtig mies war, ist natürlich auch der für 19 Uhr geplante Fallschirmsprung von Klaus Renz nicht vom Himmel, sondern ins Wasser gefallen.
  • Klappen soll’s dagegen am Montagabend mit dem Feuerwerk, mit dem das viertägige Jubiläumsfest seinen leuchtenden und würdigen Abschluss finden soll.
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