Winterbach Gartenschau-Projekt droht das Aus

So sollte der Winterbacher Säulenrundbau im Entwurf des Architekturbüros Burger Rudacs aussehen. Foto: Hans-Joachim Heyer + Boris Mikla

Winterbach. Eine Kostensteigerung von 70 000 Euro auf real 218 000 Euro – das war zu viel für die Winterbacher. Einstimmig hat der Gemeinderat am Dienstagabend die Notbremse gezogen und das Projekt Monopteros, die Winterbacher Version der weißen Station für die Gartenschau, gestoppt. Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert will das Projekt trotzdem noch hinkriegen, und auch Bürgermeister Sven Müller setzt Hoffnung auf die Architekten.

Die Reiseführer für die Remstal-Gartenschau sind längst gedruckt und unter die Leute gebracht. Als Attraktion beworben sind darin auch die 16 Stationen, von namhaften Architekten gestaltete Bauwerke, die alle 16 Gartenschau-Kommunen gestalterisch verbinden sollen. In Winterbach droht nun jedoch ein Debakel: So wie es jetzt aussieht, könnten die Besucher, die dem Hinweis auf die weiße Station im Reiseführer folgen, vergeblich danach suchen. Denn die Winterbacher Verwaltung und der Gemeinderat haben sich am Dienstagabend deutlich von dem Projekt distanziert.

"Das wäre absoluter Blödsinn und unverantwortlich"

Der Grund: Statt der geplanten 70 000 Euro wäre der Bau des weißen Säulenrundbaus am Standort im Weiher jetzt, inklusive Nebenkosten, 218 000 Euro teuer. Nur eine einzige Firma hat ein Angebot für die Ausführung abgegeben. Das ursprüngliche Angebot lag sogar noch höher und wäre mit Nebenkosten bei 275 000 Euro gelandet. Der geringere Preis kam durch Schrumpfung des Monopteros-Entwurfs von 7,80 Meter auf 5,80 Meter zustande.

Am deutlichsten ordnete im Winterbacher Gemeinderat die Grüne Heidemarie Vogel-Krüger ein, was diese Zahlen bedeuten. An einem Ausstieg aus dem Projekt in der geplanten Form führe gar kein Weg vorbei, betonte sie: „Ich würde hier niemanden erkennen, der sagt, wir machen es trotzdem. Das wäre absoluter Blödsinn und unverantwortlich.“ Die Entscheidung fiel dann auch einstimmig: Aufhebung der Ausschreibung und Auftrag an die Verwaltung, mit der Gartenschau-Geschäftsstelle zu erörtern, wie es dennoch gelingen kann, eine Weiße Station in Winterbach zu bauen.

Müller: Verantwortung gegenüber den Bürgern

„Es schmerzt, so einen Beschluss vorlegen zu müssen“, sagte Sven Müller im Gemeinderat. Er stehe nach wie vor hinter der Gartenschau. Aber man gehe mit Steuergeldern um und habe eine Verantwortung gegenüber den Bürgern, deswegen könne man nicht anders, als die Reißleine zu ziehen.

Müller erinnerte zuvor daran, dass der Kostenrahmen von 70 000 Euro eine Bedingung für die Teilnahme an dem interkommunalen Projekt gewesen sei. Lediglich 35 000 Euro hätte die Gemeinde daran zahlen müssen, der Rest wäre als Zuschuss von der Region Stuttgart geflossen. „Alle Architekten haben so planen müssen, dass die Kosten im Rahmen der Kriterien eingehalten sind.“ Das Architekturbüro Burger Rudacs aus München habe auch betont, dass der Kostenrahmen eingehalten werde, höchstens mit zehn oder 20 Prozent Überschreitung habe man rechnen müssen. Jetzt liegt die Überschreitung der Vorgabe bei mehr als 300 Prozent, die Kosten haben sich also mehr als verdreifacht. Sven Müller betont gegenüber unserer Zeitung: Man könne dem Architekturbüro dafür nicht die Schuld geben. „Das kann nichts dafür, dass nur ein Unternehmen ein Angebot abgibt und nicht marktgerechte Preise verlangt.“

„Schlichtweg enttäuscht“ zeigte sich Elke Heiland (BWV) im Gemeinderat und nahm dabei auch die Architekten in den Blick: „Dass das Architekturbüro uns da im Stich gelassen hat, finde ich sehr traurig.“

Bürgermeister Müller ist gespannt auf kreative Ideen

Das Architekturbüro antwortet auf diesen Vorwurf nicht. Birgit Rudacs sieht das Projekt noch keineswegs als abgeschlossen an. „Eine endgültige Kostenaussage ist insofern verfrüht“, schreibt sie auf Anfrage. Bei der aktuellen Zahl, die im Raum steht, spricht sie von einer „Momentaufnahme“, die auf einem einzigen Angebot einer Firma beruhe, das „überteuert“ sei.

Auch Thorsten Englert, der daueroptimistische Geschäftsführer der Gartenschau GmbH, gibt das Projekt für Winterbach noch nicht auf. Mit Kuratorin Jórunn Ragnarsdóttir, dem Architekturbüro und der Gemeinde werde man an Entwurf und Ausschreibung der Arbeiten so feilen, dass der Monopteros günstiger werde.

„Ich bin guten Mutes“, sagt er. Bürgermeister Sven Müller sagt: „Ich kann die Hoffnung von Herrn Englert teilen und bin gespannt auf die kreativen Ideen.“ Knapp wird es in jedem Fall. Durch den von der Naturschutzbehörde erzwungenen Standortwechsel in die Nähe des Wassertretbeckens und des Spielplatzes Hirschäcker hat Winterbach viel Zeit verloren. Am 10. Mai wird die Gartenschau im Remstal eröffnet.


Andere Kommunen

Dass bei einer Gartenschau-Station die Kosten aus dem Ruder laufen, ist nicht neu. Derzeit würden die Baufirmen „Mondpreise“ verlangen, sagt Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert. In Weinstadt, Essingen und Fellbach sei zum Beispiel nachjustiert worden, um die Kosten zu senken.

Englert hat mittlerweile von den meisten der 16 Kommunen einen „Daumen nach oben“ was die Stationen angeht. Das „größte Fragezeichen“ sieht er derzeit in Mögglingen. Dort drehe sich die Diskussion noch um die Standortfrage. In Böbingen gelte es noch technische Fragen zu klären, da zeigt sich Thorsten Englert jedoch überzeugt, dass bis zur Gartenschau alles fertig ist.

Die Gemeinde Urbach hat jetzt die Genehmigung für ihren Aussichtsturm vom Landratsamt bekommen. Nach Bedenken der Naturschutzbehörden war dort eine Änderung des Standorts notwendig geworden. Jetzt geht die Gemeinde fest davon aus, dass der Turm noch rechtzeitig fertig wird.

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