Winterbach Goldboden: Pfähle für die Windräder liegen bereit

Winterbach. Der Zeitplan steht nach wie vor: Im September sollen sich auf dem Goldboden drei Windräder drehen und Strom liefern. Auf der Baustelle der EnBW steht eine wichtige Phase an: Zu Testzwecken werden an diesem Dienstag zunächst fünf der Betonpfähle in den Boden getrieben, die die 230 Meter hohen Türme fest verankern sollen. Der Prüfstatiker will daran erproben, ob die berechnete Standfestigkeit tatsächlich gegeben ist.

Video: Michael Soukoup, Teamleiter der Projektentwicklung der EnBW zum Zwischenstand an der Baustelle für den Windpark Goldboden in Winterbach.

Die mächtigen Betonpfähle liegen am Standort für Windkraftanlage 2 bereit, an der mittleren der drei des Windparks Goldboden. Sie sind zwischen 15 und 16 Meter lang und 40 mal 40 Zentimeter dick. Auf der weiten, eingeebneten Fläche, auf der später der Kran zur Montage stehen wird, wartete am Montag auch schon die Ramme auf ihren Einsatz, die die Pfähle in den Boden treiben soll. Die Maschine schafft im Schnitt etwa einen pro Stunde. Für zwei der Windkraftanlagen sind jeweils 54 Betonpfähle nötig, die in zwei Kreisen angeordnet sind.

Fünf Probepfähle kommen schon an diesem Dienstag in den Boden. Mit ihnen soll, wie EnBW-Projektleiter Tobias Borde erklärt, eine „dynamische Probebelastung“ vorgenommen werden. Das habe der Prüfstatiker zur Auflage gemacht.

Endgültige Baufreigabe fehlt noch

Es geht um einen entscheidenden Punkt für das Projekt. Denn noch fehlt der EnBW die endgültige Baufreigabe für zwei der Anlagen. Weil sie auf einem Untergrund stehen sollen, der zu Rutschungen neigt, dem sogenannten Knollenmergel, sollen die Pfähle die Anlagen in tieferliegenden, festeren Erdschichten verankern. Dazu braucht die EnBW das Gutachten eines Prüfstatikers, der bescheinigt, dass die Berechnungen zur Statik, die im Genehmigungsverfahren eingereicht wurden, stimmig sind. Erst dann kann das Landratsamt die Baufreigabe vollends erteilen. Projektleiter Tobias Borde hat aber keinen Zweifel: „Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis den Berechnungen entspricht.“ Man habe den Untergrund vorher ausreichend untersucht.

Für Bauablauf auf komplette Freigabe warten 

Für eine Windkraftanlage hat die EnBW laut Tobias Borde schon die komplette Baufreigabe: die westlichste der drei, die am Goldboden unterhalb der Kaiserstraße beziehungsweise der Kreisstraße 1209 aufgereiht stehen sollen. Für diesen einen Standort sind keine Pfahlgründungen nötig. Dort könnte also bereits jetzt das Fundament für den Windradturm hergestellt werden. Vom Bauablauf, so erklärt Tobias Borde, sei es aber sinnvoller, auf die Baufreigabe der beiden anderen Anlagen zu warten, damit die Fundamentarbeiten in einem Rutsch erledigt werden können.

Gerodeter Wald jetzt feste Schotterfläche

Für den Bau der drei Windräder wurden laut EnBW am Goldboden bereits im Dezember 2016 rund 2,9 Hektar Wald gerodet. Der größte Teil davon ist jetzt eine feste Schotterfläche, auf der bald der Kran stehen wird, der die Einzelzeile der Windräder in die Höhe hievt. Außerdem gibt es breite Rampen und Zufahrtswege, wobei die EnBW dazu größtenteils den bereits vorhandenen Waldweg nutzen kann.

Stehen die Windräder, so erklärt Michael Soukup, Teamleiter in der Projektentwicklung der EnBW, dann wird ein Teil der gerodeten und geschotterten Flächen gleich wieder zurückgebaut, mit Erde bedeckt und bepflanzt, insgesamt etwa ein halber Hektar. 1,8 Hektar sollen nach Angaben der EnBW dann noch durch die drei Windräder und ihre Fundamente versiegelt bleiben. Weitere 0,6 Hektar bleiben in Form von Wegeflächen oder Böschungen frei.

Fundamente aus dickem Stahlbeton

Außer den Pfählen bestehen die Fundamente aus mehrere Meter dickem Stahlbeton. Erst danach beginnt der Aufbau der eigentlichen Windkraftanlagen. Projektleiter Tobias Borde, rechnet, wenn alles im Zeitplan weiter gut läuft, damit, dass Ende Juli, Anfang August die ersten Teile angeliefert und montiert werden könnten.

Die folgenden Schritte kommen schnell

Und dann geht es ziemlich schnell: Zunächst kommen die Betonteile, aus denen der Turm bis in etwa 100 Meter Höhe aufgebaut wird. Dann geht es mit Stahlteilen bis zur Nabenhöhe von 164 Metern weiter. Zuletzt kommen das Maschinenhaus und die drei Rotorblätter, für die gigantische Schwertransporte notwendig sein werden. Das Maschinenhaus ist mit rund 60 Tonnen Gewicht das schwerste einzelne Bauteil. Eine Herausforderung sind aber vor allem die mehr als 65 Meter langen Rotorblätter. Die EnBW muss dazu Sattelzüge mit einer Gesamtlänge von 75 Metern über die Straßen zum Goldboden bewegen. Die Route wird voraussichtlich aus Richtung Esslingen herführen, die Genehmigung dafür steht aber noch aus.

Im September, so ist der feste Zeitplan der EnBW sollen sich alle drei Rotoren drehen und die Windräder Strom liefern. „Das kriegen wir, Stand heute hin“, sagt Tobias Borde.

Investition von 18,4 Millionen Euro

Erstmals nennt die EnBW inzwischen auch eine genaue Zahl zu den Baukosten für den Windpark Goldboden. Der Konzern investiert laut Sprecherin Dagmar Jordan 18,4 Millionen Euro.

Zum Vorwurf der Windparkgegner, das Vorhaben sei unwirtschaftlich, sagt Michael Soukup, Teamleiter Projektentwicklung: Die Windmessungen per Laser-Verfahren über ein Jahr hätten ergeben: Auf Nabenhöhe der Anlagen seien im Schnitt Windgeschwindigkeiten von sechs Meter pro Sekunde gegeben. Sprich, es sei „genügend Wind vorhanden“.

Wie geht es vor Gericht weiter?

Die Gegner des EnBW-Windparks auf dem Goldboden, die sich als Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ organisiert haben, versuchen, den Bau durch ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Stuttgart zu stoppen. Das Gericht hatte ursprünglich eine Entscheidung für Mai angekündigt. Aktuell sagt Sprecherin Ulrike Zeitler: Mit einem Richterspruch sei voraussichtlich bis Ende Juni zu rechnen. Mit Mai habe es nicht geklappt, da die Beteiligten weitere Stellungnahmen eingereicht hätten, die erst geprüft werden müssten.

Den Antrag beim Gericht stützt „Pro Schurwald“ auf drei Punkte: Erstens sei die Schallprognose der EnBW fehlerhaft, weil ein ungeeignetes Verfahren dafür angewandt worden sei. Zweitens fehle eine Umweltverträglichkeitsprüfung, Gutachten hätten Mängel und seinen sogar „gekauft“. Drittens: Die durch ein Laser-Verfahren in Bezug zu anderen Daten aus dem Schurwald gemessene Windhöffigkeit am Standort sei unzureichend belegt.

Die EnBW gibt sich ihrerseits jedoch sehr sicher, dass das Verfahren zu ihren Gunsten ausgeht: „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass das Genehmigungsverfahren einwandfrei gelaufen ist“, sagt Sprecherin Dagmar Jordan.

„Pro Schurwald“ will mit dem Eilverfahren verhindern, dass der Bau weitergeht, während der Widerspruch gegen die Genehmigung beim Regierungspräsidium läuft. Sollte dieses den Widerspruch abweisen, so wollen die Windpark-Gegner wohl in ein Hauptsacheverfahren gehen.

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