Winterbach Ihr Hobby: Mode- und Lifestylebloggen

Mode- und Lifestylebloggerin Sarah Dietenberger wird gerade von Fotograf Alex Seegis in Szene gesetzt. Foto: Palmizi / ZVW

Winterbach/Schorndorf. Als das kurze Shooting für die Schorndorfer Nachrichten auf dem Marktplatz beginnt, schauen einige Passanten belustigt, andere interessiert, weitere skeptisch. Zwei Fotografen machen Bilder von der 21-jährigen Winterbacherin im Kleid. Sarah Dietenberger ist Hobbybloggerin des Mode- und Lifestyleblogs „Hijadelaluuna“. Auf Instagram hat sie 17 000 Follower. Als Bloggerin berichtet sie über Mode, Events, Trends, Outfits und stellt Produkte vor, die ihr Firmen mitunter kostenlos zuschicken.

Wir treffen die junge Frau in einem Café auf dem Marktplatz. „Ich bin Sarah“, sagt die junge Frau fröhlich, die nicht alleine kommt. Fotograf Alex Seegis begleitet sie. Es soll Fotos für ihren Mode- und Lifestyleblog geben. Ihre Follower wollen informiert und unterhalten werden, bestenfalls jeden Tag. Es ist ihr erstes Interview, sagt die 21-Jährige etwas aufgeregt. Bevor das Gespräch in die Tiefe geht, steht das Shooting an, für ihren Blog, für Instagram und die Zeitung.

Model oder Bloggerin?

Ist sie jetzt Model oder Bloggerin, fragt sich der Redakteur? Der hat sich vorher schon Gedanken gemacht und denkt nun weiter. Schublade auf: Eine hübsche, perfekt gestylte 21-Jährige inszeniert sich in den sozialen Medien, lebt ihren Traum. Sie verdient Geld damit, dass ihr Firmen Produkte schicken, die sie in ihrem Blog euphorisch vorstellt! Auf ihrem Modelblog ist zu lesen: „Diese Woche hat mich ein Paket von Purelei erreicht. Ich habe mich beim Öffnen schon total gefreut, da mir Purelei schon lange zuvor ein Begriff war. Schon beim Öffnen wurde mir bewusst, wie detailreich Purelei arbeitet.“ Puh, denkt sich der Redakteur. Das ist ja alles reichlich oberflächlich. Sind das die Ziele von jungen Frauen? Schublade zu. Fotograf und Mode-Bloggerin kehren zurück.

Mode ist ihr wichtig – aber erst mal Abi machen

Verpixeln wir doch mal die Vorurteile und lernen die junge Winterbacherin kennen. Sarah Dietenberger ist modebegeistert, schon immer. Als 16-Jährige hatte sie eine Modebloggerin als Vorbild, die in auf Social Media fast eine Million Menschen Follower hat. Mode, Fashion, Schreiben: Das wäre doch auch was für sie. Doch ihr habe der Mut gefehlt, ebenfalls einen Blog zu schreiben, aktiv zu werden. Erst mal wollte sie Abi machen. Das klingt doch vernünftig.

„Aber Mode war schon immer mein Ding.“ Danach fängt sie eine Ausbildung an, wird Handelsfachwirtin. Nun will sie studieren: Medien, PR. Sie sei bodenständig, unternehme viel mit Freundinnen, mit ihrer Mutter, gehe gerne shoppen und aus – aber nicht in Stuttgarter Szene-Schuppen, sondern gerne in kleine Läden vor Ort. Sie sei ganz normal, gehe auch ungeschminkt auf die Straße. Fotograf Alex bestätigt das.

Freundschaftliches Zweckbündnis mit Fotograf Alex Seegis

Seit 2014 hat sie, wie viele andere auch, einen privaten Instagram-Account: „hijadelaluuna“ – Tochter des Mondes. Das hat ihre Mutter kreiert. Anfangs veröffentlicht sie Fotos, widmet sich auch ihrem Lieblingsthema Mode, stellt Looks vor. Mehr Menschen interessieren sich für sie. Aus Schnappschüssen werden Fotos. Seit zwei Jahren arbeiten sie und Fotograf Alex Seegis zusammen. Er macht kostenlos gute Bilder für sie und kann damit werben. Ein freundschaftliches Zweckbündnis. Nun klicken wieder mehr Menschen ihre Seite an. Aus Fotos werden Fotoshootings. Sie geht ihr Hobby professioneller an. Ihr gefalle es, andere Leute zu inspirieren, sich schön zu kleiden, Trends aufzunehmen, zu setzen. Sie war – sei – eher ein Mensch, der lieber im Hintergrunde stehe. Die Mode, die Fotos, das Schreiben, die positiven Rückmeldungen hätten ihr Selbstbewusstsein gestärkt.

„Ich bin keine Werbeplattform!“

Und so beginnt sie 2017 ihren eigenen Modeblog, der auch „hijadelaluuna“ heißt. Firmen werden auf die Winterbacherin aufmerksam. Wer 17 000 Follower hat, hat eine werberelevante Reichweite. Die fragen, ob Sarah nicht ihre Produkte testen und vorstellen könnte, mit Fotos und Texten, sie spricht von Kooperationsanfragen. Ist sie also käuflich? „Ich bin keine Werbeplattform!“ Sie schreibe über alles, über sich, ihr Leben, nicht nur über gesponserte Produkte, und liefere nicht das, was Firmen wollen. Weil mittlerweile viele Angebote kommen, sie auch auf Modeevents eingeladen wird, könne sie selektieren.

Bei zwei Agenturen gelistet

Sie sei mittlerweile bei zwei Agenturen gelistet. Sie stelle somit nur Produkte und Looks vor, die ihr gefallen. Sie ist sehr diplomatisch – und ehrlich: Wegen ihrer Arbeit könne sie Produkte tragen und nutzen, die sie sich sonst nicht leisten könnte. Und Mode sei doch ihr Ding! Wo ist das Problem? Wer Fußball spielt, wolle doch auch erfolgreich sein, wolle aufsteigen. Ihr Aufstieg sind eben mehr Follower, mehr Anfragen, mehr Menschen, die sie erfreuen könne. Reich werde sie damit zurzeit nicht. Sie spricht von kleinen Beträgen – wenn überhaupt. Wenn das mal mehr werden sollte? Das wäre natürlich schön. Kriegen Produkte auch mal eine schlechte Bewertung? Sie sei ehrlich, aber nicht abwertend. Potenzielle Auftraggeber will sie natürlich nicht vergraulen. Außerdem kennzeichnet sie manche Beiträge als gesponserte Inhalte.

„Mein Blog ist wie ein kleines Kind, das ich hege und pflege“

Derzeit arbeite sie noch für ein Kaufhaus in Stuttgart. „Ich liebe es, Kunden zu beraten.“ Arbeit und Studium, das sei Plan A. Der Rest ist noch Hobby. „Es macht mir einfach so viel Spaß“, sagt sie über sich als Hobby-Bloggerin. „Um das Geld geht es mir nicht. Mein Blog ist wie ein kleines Kind, das ich hege und pflege. Und ich mag es nicht, unproduktiv zu sein.“ Sie wolle Leute inspirieren, ermutigen, ebenfalls ihr Ding durchzuziehen.

Neue Outfits, neue Tests, neue Bilder

Mittlerweile sei der Blog sehr zeitintensiv, eine Art Job. Ihre Familie und ihr Freund unterstützten sie dabei. Sie beantworte alle Anfragen, meistens von Mädchen oder jungen Frauen. Mittlerweile weiß sie genau, wann sie posten muss, um die größte Reichweite zu erzielen. Da geht es auch um technische Fragen.

Sie müsse aktuell bleiben, immer wieder etwas Neues machen: neue Outfits, neue Tests, neue Bilder. Einige ihr Fans seien an ihr als Person interessiert, andere an ihren Klamotten. Aber was andere über sie denken, sei ja nicht entscheidend. „Man muss Dinge einfach machen.“ Sie sei authentisch, selbstironisch, witzig, bodenständig. „Man muss mich einfach kennen“, sagt sie, ein aufgeregter Medienprofi.


Total schüchtern

Ist sie eitel? Sie lacht. Ihr Fotograf springt ihr zur Seite. Nein! „Bei den ersten Shootings war sie total schüchtern!“ Das habe nachgelassen. Fotos gehörten dazu, sagt Sarah. „Man muss es lernen.“ Aufnahmen sollen positiv und professionell wirken, nicht zu ambitioniert. Es soll noch Sarah aus Winterbach sein. Model sei sie nicht. Dafür sei sie auch zu klein, wieder lacht sie. Ihre Leidenschaft gehöre der Mode und dem Schreiben.

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