Winterbach Kahlschlag vor der Rems-Renaturierung

Winterbach. Direkt nach Weihnachten haben die Holzfäller im Auftrag des Regierungspräsidiums an der Rems westlich von Winterbach mit der Arbeit begonnen: Auf mehr als einem Kilometer Länge soll dort die Rems umgebaut werden. Bevor der Fluss dadurch in einen naturnäheren Zustand versetzt wird, steht der Kahlschlag.

Riesige Haufen mit Baumstämmen und Holz liegen derzeit entlang der Rems im Westen von Winterbach. Sie sind das Ergebnis der Rodungsarbeiten, die am 27. Dezember begonnen haben, und der erste Vorbote einer großen Veränderung in diesem Flussabschnitt. Auf einer Länge von rund 1,1 Kilometern betreibt das Regierungspräsidium Stuttgart die Renaturierung der Rems.

Das heißt: Das schnurgerade Flussbett mit seinen steilen Böschungen wird aufgelöst und komplett umgebaut. Die Rems bekommt auf einer Breite von 100 Metern Raum, sich auszubreiten, mit Seiten- und Altarmen statt des „monotonen Trapezquerschnitts“, wie es in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums heißt.

Großbaustelle für ökologische Aufwertung

Ziel des Projekts ist eine ökologische Aufwertung der Rems in diesem Abschnitt. Bis es so weit ist, wird der Fluss allerdings die Anmutung einer Großbaustelle haben. Der nötige Kahlschlag im Baumbestand ist enorm. Wie das Regierungspräsidium jedoch bereits in der Ankündigung zu der Maßnahme betonte, bleiben rund 50 Prozent des Baumbestandes erhalten.

„Wertvolle alte Gehölzbestände“ würden „zum großen Teil verbleiben“, so heißt es, und weiter: „Langfristig kann sich nach Fertigstellung der Maßnahme durch natürliche Sukzession ein gewässertypischer Lebensraum mit entsprechendem standortgerechtem Uferbewuchs entwickeln.“ Salopp übersetzt heißt das: Kurzzeitig sieht es vielleicht etwas schlimm aus, aber hinterher wird es dafür umso schöner sein und die Natur sich umso besser wieder ausbreiten können.

Die Rodungs- und Fällarbeiten zur Vorbereitung der Renaturierung sollen laut Regierungspräsidium insgesamt noch bis Ende Februar andauern. Dann sollen die Erdarbeiten beginnen. Dabei werden große Erdmassen bewegt und abgetragen: Rund 115 000 Kubikmeter Erde werden ausgebaggert, das sind mehr als 4000 Lkw-Ladungen. Etwa 35 000 Kubikmeter des Aushubs werden an Ort und Stelle wieder verbaut, um das neue Profil des Flusses zu modellieren. Der Rest wird abgefahren: 70 000 Kubikmeter nach Plüderhausen, wo die Erde als Auffüllmaterial für das Gewerbegebiet Heusee II verwendet wird. Rund 6000 Kubikmeter des Oberbodens werden bei Manolzweiler ausgebracht und sollen dort minderwertige Böden verbessern.

Zweifel am üppigen Grün

Insgesamt soll die ganze Maßnahme bis Oktober abgeschlossen sein. Damit, so kündigt das Regierungspräsidium an, könne sich „bis zur Remstal-Gartenschau im Mai 2019 eine natürliche Begrünung einstellen“. Dass dieses Grün sehr üppig ausfallen wird, dürfte allerdings bezweifelt werden.

Die Gemeinde Winterbach hatte unter anderem mit diesem Argument das Projekt aufs Abstellgleis geschoben: weil sich in der Kürze der Zeit vom Umbau bis zur Gartenschau kein richtiger Bewuchs mehr bilden kann. Die Gartenschau-GmbH indes hatte immer die Ansicht vertreten, dass die Rems auch in einer Art Zwischenstadium der Renaturierung ein zeigenswertes Projekt für 2019 sein wird.
 


Die Renaturierung und ihre Geschichte

Das Projekt der Remsrenaturierung hat die Gemeinde Winterbach zusammen mit dem Wasserverband Rems schon seit Jahren verfolgt. Ursprünglich war die Idee, mit einem Schlag mehrere Fliegen zu schlagen: Einerseits sollte der renaturierte Flussabschnitt eine Attraktion für die Gartenschau sein, andererseits in Sachen Hochwasser für Entlastung sorgen.

Weil aber die Hochwasserthematik wegen anderer Lösungen plötzlich nicht mehr so dringlich erschien und die Finanzen der Gemeinde eher mau waren, stellte Bürgermeister Sven Müller das Projekt zur Debatte.

2,6 Millionen Euro standen als Kostenberechnung im Raum, wobei eine Übernahme der Kosten aus Landesmitteln von bis zu 85 Prozent in Aussicht gestellt war. Dazu kam, dass das Genehmigungsverfahren für die Umbaumaßnahem der Rems sich elend lange hinzog. Damit war irgendwann klar: Der umgebaute Flussabschnitt wird bis zur Gartenschau nur spärlich wieder bewachsen sein.

Bevor der Gemeinderat die endgültige Entscheidung treffen musste, ist das Land komplett in die Bresche gesprungen und hat das Projekt unter Federführung des Regierungspräsidiums übernommen.

 

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