Winterbach Kindergarten zieht um - mit Marschmusik

Die Kinder des Kelterkindergartens packen ihre liebsten Spielzeuge in einen Bollerwagen für den Umzug. Foto: Habermann/ZVW

Winterbach. Weil in Winterbach das Angebot der Betreuungsplätze die Nachfrage übersteigt, schließt die Gemeinde den Kelterkindergarten. Diesen haben zuletzt nur noch neun Kinder besucht. Der Umzug wurde zelebriert: Am Donnerstag zogen die Kinder mit ihren liebsten Spielsachen im Bollerwagen und unter Begleitung von Bläsern der Trachtenkapelle durch den Ort.

Tränen waren keine zu sehen, vielleicht weil es einfach zu kalt zum Weinen war. Aber es war ja auch kein Trauerzug, der am Donnerstagmorgen vom Kelterkindergarten im Norden Winterbachs zum Lehenbachkindergarten in den südlichen Teil des Orts unterwegs war. Ab dem Marktplatz war der Tross von Kindern, Eltern und Erzieherinnen begleitet von schmissig-fröhlicher Marschmusik. Da einige Eltern im Musikverein Trachtenkapelle Winterbach spielen, hat sich ein Bläsertrupp zusammengefunden, um die Kinder auf dem Weg in ihren neuen Kindergarten musikalisch zu unterstützen.

Trompeter Daniel Grieser, der zwei Kinder im Kelterkindergarten hatte, meint: Für diese sei das Ganze ohnehin das kleinste Problem. „Für die Kinder ist so eine Veränderung etwas Spannendes.“ Doch die Schließung des Kindergartens war, vor allem am Anfang, nicht nur von fröhlichen Tönen begleitet.

Die Eltern fühlten sich überfallen, sind aber jetzt zuversichtlich

„Die Entscheidung war für uns nachvollziehbar“, sagt Daniel Grieser. Was den Eltern aber nicht gefallen habe, sei die Art und Weise, wie die Gemeinde zunächst vorgegangen sei, die er „überfallartig“ nennt. Die Eltern konnten die Schließung des Kindergartens zwar nicht nachvollziehen, erreichten durch ihren Protest aber, dass die Gemeinde sich auf einen Kompromiss einließ. Statt schon Ende August war erst jetzt Schluss für den Kindergarten in der Kelterstraße. „Es hat sich jetzt gut entwickelt“, sagt Daniel Grieser. „Wir sind sehr zuversichtlich.“ Die Integration der Kinder in den Lehenbachkindergarten unter Beibehaltung von wichtigen Elementen aus dem Konzept des Kelterkindergartens werde gelingen, meint er.

Davon ist auch Sabine Röhder überzeugt, die den Kelterkindergarten seit sieben Jahren leitet. Sie zieht nun mit um und wird im Lehenbachkindergarten stellvertretende Leiterin. Auch sie sagt: „Die Kinder freuen sich auf den neuen Kindergarten.“ Und: „Das habe ich mir zum Vorbild genommen, dass ich mich auch freue.“ Sie sei zuversichtlich, dass alles gut werde. Seit den Sommerferien habe man gemeinsam eine neue Konzeption für den Lehenbachkindergarten erstellt, um „wichtige Schwerpunkte“ mitnehmen zu können. Röhder legt viel Wert auf den musikalischen Bereich, dass die Kinder viel singen und Instrumente spielen, außerdem ist ihr der Kontakt mit der Natur wichtig.

Viele Eltern hatten sich bewusst für den Kelterkindergarten entschieden, weil dieser mit der einen Gruppe, in der maximal 22 Kinder von zwei bis sechs Jahren aufgenommen werden können, sehr übersichtlich und familiär aufgestellt war. Dazu trugen auch die Räumlichkeiten bei, vor dem Kindergarten war hier eine Wohnung. „Es war immer eine heimelige Atmosphäre“, sagt der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb.

Aus den alten Räumen haben die Kinder jetzt schon das eingepackt, was ihnen am wichtigsten war. Zum Umzug beluden sie zwei Bollerwagen und einen Tragekorb mit Spielsachen, Büchern und Kuscheltieren. Ihre neuen Freunde im neuen Kindergarten klebten bei der Ankunft dort schon an den Fensterscheiben und erwarteten gespannt den Einzug. Auch für sie ist das Ganze natürlich aufregend. Ute Türk-Niederführ, die Leiterin des Lehenbachkindergartens, die mit einigen Kindern den Zug durch den Ort begleitete, sieht alle Beteiligten gut vorbereitet. Bis alles vollkommen zusammenwachse, brauche es Zeit, aber die werde man sich nehmen. „Wir freuen uns darauf“, sagt sie.


Für Kinder kein Bedarf - neue Nutzung?

Für das aktuelle Kindergartenjahr hatte es im Kelterkindergarten keine Neuanmeldungen gegeben, nur noch neun junge Winterbacher besuchen derzeit die Einrichtung. Insgesamt hatte die Gemeinde zum Beginn des Kindergartenjahres sogar 45 freie Plätze für Kinder ab drei Jahren in allen Betreuungseinrichtungen im Ort vorzuweisen.

Zwar war der Kelterkindergarten der einzige nördlich der Rems, aber auch in diesem Einzugsgebiet gab es zuletzt kaum noch Bedarf an Betreuungsplätzen. Ein Erhalt sei aus „finanzieller Sicht“ nicht möglich, sagte Bürgermeister Sven Müller bei der Entscheidung zur Schließung im Gemeinderat.

Auf der anderen Seite seien die Räumlichkeiten in der Kelterstraße auch dringend und sehr grundlegend sanierungsbedürftig, wie Hauptamtsleiter Matthias Kolb sagt. Das hätte man so oder so angehen müssen.

Im Gebäude gibt es außer dem Kindergarten Wohnungen. Wie die frei werdenden Räume in Zukunft genutzt werden, dafür gibt es derzeit laut Matthias Kolb noch kein Konzept.

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