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Winterbach Kutschen-Fahrschule in Manolzweiler

Kooomm! Fahrschüler Thomas Martin lenkt die Kutsche mit Maxi und Mowgli (von links). Fahrschülerin Iris Striegel (hinten) und Fahrlehrerin Alexandra Schaal beobachten. Foto: Habermann / ZVW

Winterbach. Kutsche fahren, das klingt nach Romantik, nach Gemütlichkeit und Entschleunigung. Aber zu gemütlich sollte man es sich auf dem Kutschbock nicht machen: Mit zwei lebendigen Pferdestärken an der Leine muss der Lenker ganz schön auf Zack sein, um nicht im Graben oder im Gegenverkehr zu landen. Wie man das schafft, bringt Alexandra Schaal ihren Fahrschülern bei.

Die Leute, die Alexandra Schaal sehen, wenn sie in gemächlichem Schritttempo mit Fahrschülern auf ihrer Kutsche vorbeifährt, sagen immer: „Alex, du hocksch da immer so entspannt drauf.“ Von wegen, antwortet sie dann: „Ihr wisset gar net, wie mir da manchmal s’Hemdle goht.“ Im Gegensatz zu einem Fahrlehrer im Auto hat Alexandra Schaal keine eigene Bremse, auf die sie im Notfall steigen kann. Natürlich ist eine Kutsche mit zwei Pferdestärken sehr viel langsamer unterwegs als ein Auto in Normalgeschwindigkeit, aber wenn die Pferdestärken vor der Kutsche mal außer Kontrolle geraten, dann stoppt sie auch so leicht keine Bremse mehr.

Fragt man Schaals Fahrschüler, dann ist Autofahren deutlich simpler zu lernen als Kutschefahren. „Am Anfang denkst du, das lernst du in 100 kalte Winter net“, sagt Iris Striegel. Die Gundelsbacherin will den Kutschen-Führerschein machen, weil sie ihre Esel zu Hause auch gern mal vor eine Kutsche spannen würde. „Der Unterschied zum Auto ist, dass ich da vorne zwei Lebewesen habe, die nicht unbedingt das machen, was ich will“, sagt Striegel. Die beiden Lebewesen reagieren sehr fein darauf, was ihr Lenker an der Leine macht. Und lässt er sie schleifen, machen sie erst mal gar nichts.

„Halt, wo fährsch denn nah?“ ruft Iris Klöpfer etwas hilflos, als Maxi, das rechte Pferd im Gespann immer weiter nach rechts zieht und die Kutsche in die Wiese am Rand des Feldwegs holpert. Aber Maxi und sein Kompagnon Mowgli beantworten solche verzweifelten Fragen der Fahrschüler natürlich nicht. Sie reagieren vor allem auf Signale über die Leine. Lässt Striegel diese am einen Pferd zu locker, zieht das andere stärker und die Kutsche bewegt sich in seine Richtung. Das verlangt einiges an Konzentration, zudem Geschick in den Händen und Körperspannung.

„Am Anfang bist du nach einer halben Stunde platt, geistig und körperlich“, sagt Fahrschüler Thomas Martin. Der Familienvater aus Lichtenwald hat mittlerweile acht Fahrstunden absolviert. Für seine jetzt 13-jährige Tochter, sagt er, würde sich die Familie irgendwann ein Pferd zulegen müssen. „Ich nehme selbst zwar auch Reitstunden, aber ich hab’ damit zu spät angefangen.“ Einen richtigen Reiter sieht er nicht mehr aus sich werden. Stattdessen macht er jetzt lieber den Kutschen-Führerschein.

Zwölf bis 14 Fahrstunden, sagt Alexandra Schaal, brauchen die meisten bis zur Prüfung. Eine Menge Theorie gehört zudem dazu, 25 Stunden à 45 Minuten, vom Tierschutzrecht übers Anlegen des Geschirrs, samt korrektem Benennen aller Teile bis zu den richtigen Handhaltungen an Leine und Peitsche für verschiedene Fahrstile.

Die Praxis beinhaltet dann nicht nur das Fahren, sondern die komplette Vorbereitung: Striegeln, Hufe saubermachen, Geschirr anlegen. Das dauert. „Da müssen die Pferde mitspielen“, sagt Alexandra Schaal. Mowgli und Maxi, das New Forest Pony und der Araber-Mischling, tun es und ziehen folgsam aufs Kommando „Koomm!“ das Gespann mit den beiden Fahrschülern und der Lehrerin an.

Autofahrer nehmen eher wenig Rücksicht auf die Kutsche

Im Gegensatz zum Auto braucht man für das Lenken einer Kutsche nicht zwingend einen Führerschein. Alexandra Schaal rät aber keinem, sich einfach so mit einem Gespann auf die Straße zu wagen, ohne zumindest einen Grundkurs gemacht zu haben. Wer sein Fahrzeug nicht voll im Griff hat, der ist im Ernstfall verloren, so ist ihre Erfahrung. Dafür sorgen schon allein die anderen Verkehrsteilnehmer, die auf eine Kutsche eher wenig Rücksicht nehmen. „Autofahrer überholen oft riskant an unübersichtlichen Stellen oder scheren bei Gegenverkehr knapp vor den Pferden ein“, berichtet sie. Nur Motorradfahrer verhielten sich meist rücksichtsvoller. „Zum Glück ist noch nie was passiert“, sagt Schaal. „Die Pferde und Mitfahrer haben keinen Airbag als Schutz.“

Und übrigens auch keine richtige Bremse. Zwar gibt es dafür zwei Pedale in der Kutsche. Dass die aber unter Umständen nicht viel bringen, demonstriert unfreiwillig Iris Striegel, als sie am Ende der Fahrstunde in den Hof der Schaals einfährt. Als sie merkt, dass sie die Kurve von der Einfahrt her nicht ganz kriegt und auf die Bremse steigt, ziehen die Pferde das Gespann einfach weiter knirschend über den Schotter.

Ist ja klar, erklärt Alexandra Schaal, als Striegel die Pferde mit dem richtigen Zug an der Leine doch zum Stehen bringt: „Das gute Zugpferd zieht umso stärker, wenn der Widerstand größer wird. Der Maxi zieht die Karre mit angezogener Fußbremse davon.“

Den kleinen Verbremser will Fahrschülerin Iris Striegel zum Abschluss nicht auf sich sitzenlassen: Sie fährt noch mal eine Runde. Währenddessen schnappt sich Thomas Martin schon eine Mistgabel und macht sich ans Aufräumen. Denn das gehört auch zur Fahrstunde, erklärt die Fahrlehrerin: Hinterher die Pferdeäpfel von den Manolzweiler Straßen klauben.

Die Fahrschule

Mehr Infos zu Alexandra Schaals Fahrschule und dem Schaalschen Hof gibt es unter www.kutschefahren-schaal.de oder www.pferdepension-schaal.de.

 

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