Winterbach/Remshalden Die Hebsacker Brücke wird gesperrt

Bauingenieur Wolfgang Krop (rechts) mit Mitarbeiterin Angelika Geier bei der Überprüfung der Hebsacker Brücke in diesem Sommer. Foto: Zürn/ZVW

Winterbach/Remshalden. Schon länger ist die Hebsacker Brücke in einem schlechten Zustand und darf nur von Fahrzeugen mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht befahren werden. Ab Januar dürfen dort nur noch Fußgänger und Radfahrer die Rems überqueren. Und ab 2020 muss die Brücke sogar komplett gesperrt werden. Ein Neubau soll sie dann ersetzen.

Die Sperrung der Hebsacker Brücke für Kraftfahrzeuge aller Art gilt ab 2. Januar 2019. Der Grund: „Die im Jahr 1951 errichtete Remsbrücke zeigte in den letzten Jahren immer mehr Schäden an Widerlager, Belag und Abdichtung.“ Außerdem sei auch der Bewehrungsstahl angegriffen. „Bei der letzten Brückenprüfung hat sich nun herausgestellt, dass die Schäden weiter fortgeschritten sind und eine Sperrung der Hebsacker Brücke für Kraftfahrzeuge ab 2019 erfolgen muss“, so die Winterbacher Verwaltung. Poller an den jeweiligen Enden der Brücke machen ein Befahren für Autos und größere Fahrzeuge dann unmöglich.

Die schmale, einspurige Brücke liegt zwischen Remshalden und Winterbach, sie verbindet die Verlängerung der Remsstraße von Hebsack her mit dem Radweg südlich der Rems zwischen Geradstetten und Winterbach. Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Feldwegeverbindung, das heißt, hier dürfen nur Anlieger zu ihren Grundstücken fahren. Außerdem ist sie als Verkehrsweg zum Beispiel für den Hundesportverein und die beiden Kleingartenvereine südlich der Rems nicht unwichtig. Die nächsten Querungsmöglichkeiten über die Rems sind über die Winterbacher Ortsdurchfahrt und im Südwesten von Geradstetten in der Nähe des Freibads.

Eine Sanierung war schon vor Jahren nicht mehr wirtschaftlich vertretbar

Fußgänger und Radfahrer können die Brücke 2019 zunächst weiter wie bisher nutzen. Im Jahr 2020 muss sie dann jedoch für alle Verkehrsteilnehmer gesperrt werden. Dass diese Sperrung irgendwann kommen musste, das war laut dem Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing schon seit sechs Jahren klar. Damals habe der Bauingenieur Wolfgang Krop bei der regelmäßigen Brückenprüfung auf die großen Mängel an dem Bauwerk hingewiesen.

„Es war damals auch schon klar, dass eine wirtschaftliche Sanierung nicht möglich ist“, sagt Blessing, dass also ein Neubau die sinnvollere Lösung sein wird. Man habe dann im Gemeinderat entschieden, die Brücke so lange wie möglich weiter zu nutzen, um dann, wenn das Ende der Lebensdauer nahe, zu reagieren.

Dieser Punkt ist jetzt erreicht. Der Brückenprüfer habe ihr noch das eine Jahr gegeben, aber danach aus Sicherheitsgründen eine Komplett-Sperrung nahegelegt, weil er dann keine Verantwortung mehr übernehmen könne, sagt der Winterbacher Bauamtsleiter.

Wie der Neubau aussehen soll, ist noch offen

Wie der Neubau aussehen soll, ist noch offen. Das werden die Winterbacher nicht allein entscheiden. Die Hebsacker Brücke steht zwar auf Winterbacher Gemarkung, wurde aber Anfang der 50er Jahre von der damals noch eigenständigen Gemeinde Hebsack gebaut. Und bis heute nutzen natürlich auch Remshaldener die Brücke. „Wir sind in guten Gesprächen mit Remshalden“, sagt Rainer Blessing. „Ich denke, dass wir eine Lösung finden und Remshalden sich an den Kosten beteiligt.“ Im Januar sollen die Gemeinderäte das Thema diskutieren und entscheiden, wie die neue Brücke gebaut wird. Die wichtigste Frage: Soll es nur eine Fuß- und Radwegbrücke sein oder sollen wieder schwerere, motorisierte Fahrzeuge darauf fahren können?

Der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller will sich noch nicht festlegen, bevor die Kosten nicht klar sind und Remshalden nicht entschieden hat, welchen Beitrag es leistet. Die Remshaldener Gemeindeverwaltung würde bei einer hälftigen Kostenteilung mitgehen, allerdings kommt es auf den Gemeinderat an. Mit diesem sei die Sache noch nicht diskutiert worden, betont der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt. Seine persönliche Meinung zur Frage, ob die neue Brücke auch so gebaut wird, dass motorisierte Fahrzeuge darauf unterwegs sein können: „Ich bin kein Freund von halben Sachen.“ Aus seiner Sicht muss die Brücke „für Pkw und leichte Traktoren befahrbar“ sein. Alles andere hält er für „zu kurz gesprungen“.

Nach den entsprechenden Entscheidungen in den Gemeinderäten soll ein Zuschussantrag beim Land Baden-Württemberg gestellt werden. Etwa 40 Prozent der Kosten könnten auf diesem Wege aus einem Fördertopf des Bundes abgedeckt werden. Vor Ende der Remstal-Gartenschau 2019 wird in Sachen Neubau an der Rems, unmittelbar am frisch renaturierten Winterbacher Flussabschnitt, nichts passieren.


Brücke zwischen Winterbach und Weiler

Bereits seit etwa zwei Jahren für den Fahrzeugverkehr gesperrt ist auch die Remsbrücke auf der anderen Seite von Winterbach bei der Schorndorfer Kläranlage. Hier ist der Fall ähnlich wie bei der Hebsacker Brücke: Auch sie liegt noch knapp auf Winterbacher Gemarkung, wurde aber einst von der damals noch eigenständigen Gemeinde Weiler gebaut.

„Auch da ist man froh über jedes Jahr, in dem man sie für Fußgänger und Radfahrer noch nutzen kann“, sagt der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing. Doch bei dieser Brücke werde genauso „der Tag X“ kommen, an dem sie ganz außer Betrieb genommen werden müsse.

Das alles sei Infrastruktur, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen worden sei, die also um die 70 Jahre alt sei, betont Rainer Blessing.

Solche Infrastruktur gebe es noch sehr viel in Deutschland. Wenn der Bund jetzt wieder Mehreinnahmen habe, so seine Meinung als Bürger, sagt der Bauamtsleiter, sei es dringend angezeigt, dass man diese Mittel direkt oder über Förderprogramme in Sanierungsmaßnahmen oder Neubauten stecke.

  • Bewertung
    3
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!