Winterbach/Remshalden Staus: Es kommt doppelt dick

Symbolbild. Foto: Büttner / ZVW

Winterbach/Remshalden. Was hat das mittlere Remstal gemein mit dem Autobahnkreuz Leonberg oder mit Weinsberg? Es hat die Chance, ebenso zur Berühmtheit im Autoradio zu werden. Die einfache Fahrt von Waiblingen nach Winterbach dauert jetzt dreimal so lang. Die B 29 bekommt eine neue Decke, aber bei den Leuten liegen die Nerven blank. Und die Bahn kündigt auch noch Schienenersatzverkehr an auf der Rems-Strecke.

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Stefan Breiter ist noch nicht lange Schultes von Remshalden. Er zuckt erst recht zusammen, wenn im eigentlich leis gestellten Autoradio auf einmal der Name Remshalden aufploppt. Da darf ihm schon der Schreck in die Glieder fahren. Geschehen ist es kurz nach der französischen Grenze. Es war auf der Heimfahrt von der Partnerstadt Gournay en Bray. Kilometerlanger Stau auf der B 29, so lautete die Warnung. Wo doch der Remstal-Highway sonst nie in den Meldungen vorkommt, weil die Dauerverknotung in Gmünd längst nicht mehr registriert wird von den Sendern.

Jetzt aber, mit den Belagsarbeiten zwischen Remshalden und Urbach, ist der Spannungsfall da. Nicht nur die Nerven der Autofahrer werden kurzgeschlossen, die Anlieger der Umgehungen können auch klagen.

Die Geradstettener und die Hebsacker trifft es derzeit dicke, weil die Winterbacher Ausfahrt komplett gesperrt ist. Parken-verboten-Schilder entlang der Strecke zeigen an, dass Remshalden-Ost jetzt fest in der Kralle des Verkehrs ist. Im benachbarten Winterbacher Rathaus weiß man schon von der Gastronomen-Familie Polinski in Hebsack. Das Lamm hat nah an die Straße gebaut, die Außensitzplätze waren nie die lauschigsten. Aber jetzt gibt es Ausblick auf eine ständige Automobilmesse.

Fahrten von Waiblingen an den Wohnort Winterbach dauern jetzt 45 Minuten, statt 20. Von Gmünd nach Waiblingen sollte man schon mal zwei Stunden einplanen, siehe Leidensbericht nebenan. Wer schlau und ortskundig ist, fährt in Urbach raus. Im Prinzip – um dann im Osten von Schorndorf in die Falle zu geraten, weil dort gerade ein Kreisel umgebaut wird.

Albrecht Ulrich, der Winterbacher Bürgermeister, bekam letzte Woche Montag gesagt, dass die Maßnahme vorgezogen wird. Auf Montag 22. statt dem 25. Die Baufirmen hätten drauf gedrungen, damit sie auch ja mit Schluss der Sommerferien fertig sind. Sonst fahren die Pendler die Wände hoch. Er hat Verständnis für die Maßnahme, schließlich soll die Infrastruktur im Land nicht noch weiter zuschanden kommen. Freilich bat Winterbach nach Ulrichs Worten dann doch um Verschiebung. Die Gäste des Winterbacher Zeltspektakels sollten das Gelände erreichen, solange die Musik noch spielt.

Die Sprecherin des Regierungspräsidiums, Nadine Hilber, bestätigt die Umplanung und den früheren Beginn. Winterbach sei am 10. Juli informiert worden über den vorgezogenen Start. Da habe es über das Zeltspektakel „kein Wort“ gegeben von Seiten der Gemeinde. Der Zeitplan, sagt das RP, sei eh „extrem auf Kante genäht“. Deshalb der frühere Beginn. Zu bewegen sind schließlich 20 Tonnen abradierter Asphalt. Eine Fünf-Millionen-Maßnahme, für die es eben auch jetzt Geld vom Bund gegeben hat.

Winterbach hat schnell reagiert und große Schilder auf der B 29 aufgestellt, wie die auswärtigen Zeltspektakel-Besucher zum Event kommen. Der Besucherverkehr ging halbwegs ungestreift über die Bühne, beobachtet Ulrich. Und begibt sich ins Unvermeidliche: „Es klingt blöd, aber die Maßnahme ist fast alternativlos. Wir müssen uns darauf einrichten. Und das machen wir auch.“

Die Straße

Warum wird an zwei Spuren der B 29 zugleich gearbeitet? Um die Maßnahme noch während der Ferien abschließen zu können, müsse zeitgleich in beiden Fahrtrichtungen gearbeitet werden. Damit bleiben nur noch zwei Fahrspuren, argumentiert das RP. Ein Gegenrichtungsverkehr komme auch wegen der Tunnel nicht infrage.

Warum nur Tempo 60? Tempo 60 statt 80 diene der Sicherheit der Bauarbeiter wie der Autofahrer. Die Anschlussstellen gelten als besonders konfliktträchtig.

Die Schiene

Vom 2. August bis 1. September erneuert die Bahn Gleise und Weichen auf der Remsstrecke. Insgesamt elf Kilometer in drei Abschnitten: Fellbach, Endersbach-Grunbach und Grunbach-Schorndorf. Der Schienenersatzverkehr wird gerade geplant. Dass diese Maßnahme zusammenfällt mit der B-29-Sanierung, sei nicht vorauszusehen gewesen, sagt ein Bahnsprecher. Gleisarbeiten würden bis zu drei Jahre im Voraus geplant. Auch müsse die Ferienzeit genutzt werden. Die S-Bahn fährt nur noch halbstündlich.

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