Winterbach/Schorndorf Tageseltern dringend gesucht

Reger Informationsaustausch an den von Barbara Lischik-Nickel moderierten Arbeitstischen zum Thema Kindertagespflege. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winterbach/Schorndorf. Wie und wohin entwickelt sich die Kindertagespflege? Im Zentrum einer Talkrunde, zu der der Tageselternverein Schorndorf aus Anlass der bevorstehenden Gemeinderatswahlen lud, standen die Themen Bezahlung, Gleichwertigkeit mit anderen Einrichtungen und Qualifizierung und Qualität der Arbeit von Tagespflegepersonen. Die Politiker machten deutlich, wie sehr die Kommunen die Kindertagespflege schätzen und sie zu fördern bereit sind.

Die Nachfrage von Elternseite ist groß. Es werden wieder mehr Kinder geboren. Aber auch für den Schorndorfer Tageselternverein wird es immer schwerer, ausreichend Plätze anzubieten, das heißt, genügend Pflegepersonen zu finden, die die Arbeit mit Kindern zu den aktuellen Bedingungen auch zu machen bereit sind.

Rahmenbedingungen der Tagespflegepersonen verbessern

„Wir haben die Kommunalwahl als Chance gesehen“, erklärt die Geschäftsführerin des Tageselternvereins Schorndorf und Umgebung (TEV) Heidrun Schild, „zur Frage ‚Wo geht es hin mit der Kindertagespflege?‘ mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen“. Dabei gehe es darum, „die Rahmenbedingungen der Tagespflegepersonen weiter zu verbessern“. Konkret heißt das: „mindestens den Mindestlohn“, eine Vergütung der Randzeiten (Vorbereitung, Putzen und Ähnliches) und individuellen Betreuung (etwa bei Inklusionsbetreuung) und die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung dieser Arbeit.

Aktuell geht es darum, dass die mit dem TEV kooperierenden Kommunen den Tageseltern derzeit pro Kind und Stunde bis zum Eintritt in die Grundschule zwei Euro und bis zum Ende der Grundschulzeit einen Euro zusätzlich bezahlen. Die Laufzeit dieser Regelung sollte auf den Prüfstand gestellt werden, wenn sich an den Landeszuschüssen etwas ändert. Das ist nun der Fall.

Seit dem 1. Januar 2019 wurde in den meisten Landkreisen (in Schorndorf ab 1. Juni) die Geldleistung für alle Kinder von 5,50 Euro auf 6,50 Euro angehoben. Der TEV Schorndorf plädiert nun für eine Beibehaltung des kommunalen Zuschusses. Und die von Barbara Lischik-Nickel moderierte Talkrunde im Bürgerhaus Kelter in Winterbach lieferte dafür bedenkenswerte Argumente.

Tagespflegepersonen werden knapp, gottfroh über jeden der das macht

„Die Tageseltern“, so war zu hören, „nehmen der Stadt wahnsinnige Investitionen ab“. Etwa bei Kosten für Instandhaltung, Ausstattung und Personal, die in kommunalen Einrichtungen wie Kitas anfallen. „Wir wissen, was wir an den Tagespflegepersonen haben“, bekräftigte denn auch Gabi Holzwarth, CDU-Gemeinderätin aus Remshalden. „Es ist angekommen, was die Gemeinden dadurch sparen. Kindertagespfleger werden knapp, und wir sind gottfroh über jeden, der das macht.“

Eine „abgebende“ Mutter hob hervor, wie wichtig ihr die Möglichkeit für ihre Kinder ist, in den Tagespflegefamilien feste Bindungen aufzubauen, was mit der dort geringeren Zahl der Kinder und den gleichbleibenden Bezugspersonen zu tun hat. „Für mich war das luxuriös, das möchte ich nicht missen.“ Sprach hieraus Wertschätzung dieser Arbeit, berichtete eine Tagesmutter über eher herablassende Reaktionen aus ihrem Bekanntenkreis: „Was, du machst jetzt Kindermagd?“ Dabei, so die Tagespflegerin aus Buoch, „leben wir wirklich kleine Familie. Aber ich könnte mir das nicht leisten, wenn ich durch eine frühere Arbeit nicht gepolstert wäre“.

„Im Endeffekt entscheiden die Eltern“

Hier hakte Thomas Berger (SPD-Gemeinderat in Schorndorf) ein. Er hob die „Qualität und Flexibilität dieses Systems“ hervor, sieht besonders im U-3-Bereich großen Bedarf und wünscht sich eine Bezahlung, mit der Tagespflegepersonen später nicht in eine Altersarmut rutschen.

„Was wir bieten“, sagte ein Pflegevater aus Weiler, „ist in einer öffentlichen Einrichtung nicht abzubilden. Das macht man nur aus Idealismus.“ Zur Frage, was das bessere pädagogische Konzept ist, meinte Andrea Sieber, Grünen-Gemeinderätin aus Schorndorf: „Wir sollten die Betreuungssysteme nicht gegeneinander ausspielen.“ Für sie ist das „eine politische Diskussion darüber: Wo will sich die Tagespflege hinentwickeln?“ Und sie erklärte: „Als Stadt haben wir uns für den Weg entschieden, klar hinter der Tagespflege zu stehen. Wir wollen hier unterstützend eingreifen.“

So waren sich die Teilnehmer einig, dass es gut ist, Wahlmöglichkeiten für die Art der Betreuung seiner Kinder zu haben. Denn, so die CDU-Stadträtin Silvia Wolz aus Schorndorf: „Im Endeffekt entscheiden die Eltern.“


Entlohnungsalarm

„Tagespflegepersonen werden für die Zeiten entlohnt, in denen sie Kinder in ihrer Obhut haben. Eine Studie belegt, dass die „kinderfreien“ aber unumgänglichen Tätigleiten wie Aufräumen, Putzen, aber auch pädagogische Tätigkeiten wie Elterngespräche unter anderem ein Viertel der geleisteten Arbeitszeit ausmachen: unbezahlt.“

Presse-Info des Landesverbandes Kindertagespflege B.W. vom 13.7.2018.

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