Winterbach Umbau des Pflegeheims abgeschlossen

Pflegedienstleiterin Barbara Deuschle (ganz rechts) führt Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und andere Interessierte durch die neuen Zimmer des Winterbacher Pflegeheims. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Die neue Heimbauverordnung machte es nötig: Nur noch Einzelzimmer sind inzwischen in Einrichtungen wie dem Winterbacher Pflegeheim erlaubt. Damit dadurch nicht die Bettenzahl sinkt, haben Gemeinde und Awo einen Anbau entworfen und realisiert und dann den Altbau komplett umgebaut. Das alles im laufenden Betrieb. Jetzt feiert das Heim seine Neueröffnung.

Das Winterbacher Awo-Pflegeheim ist mittendrin, in doppelter Hinsicht: gesellschaftlich eng verzahnt über Heimausschuss, Nachbarschaftshilfe oder Freundeskreis; und durch seine zentrale Lage, direkt am Winterbacher Bahnhof, unweit der Ortsmitte und bald auch mit einem Drogeriemarkt und einem Discounter als neue Nachbarn. Das zusammen macht die Qualität dieses Heims aus, wie bei der Feier zur Neueröffnung unter anderem Ulrich Wallkamm, der frühere Kämmerer der Gemeinde und Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, sagte: „Die Bewohner sind, obwohl sie im Pflegeheim sind, weiterhin in Winterbach zu Hause.“

Das Heim hat rundum große Fenster, von vielen Aufenthaltsräumen aus haben die Bewohner einen guten Blick auf den Bahnhofsplatz und die Bahnsteige, wo, so Bürgermeister Sven Müller, „das Leben pulsiert“. Doch auch nach innen hat das Heim schöne Aussichten zu bieten, durch die Grünflächen zwischen den Gebäudeteilen.

Das Heim hat nach dem jetzt entstandenen Anbau drei Teile: den Altbau, Höfler-Bau genannt, der 1988 eingeweiht wurde, den U-förmigen Fetzer-Bau von 2006 und den damit nun ein O formenden aktuell entstandenen Neubau, den der Winterbacher Architekt Gebhard Kölz geplant hat. In diesem O befindet sich ein schöner Innenhof mit Bäumen, Bänken und Wegen in Form einer Acht, die damit auch auf die besonderen Bedürfnisse der demenzkranken Bewohner abgestimmt sind. Sie können dort und auch im neuen O-förmigen Gebäude endlos laufen, ohne an Hindernisse zu stoßen. „Das ist sehr wichtig für diese Bewohner“, sagt Ulrich Wallkamm.

Alles neu, außen und innen

Auch die anderen Grünflächen zwischen den Heim-Gebäuden wurden im Zuge des Umbaus neu gestaltet – ja, es blieb im Altbau des Heims tatsächlich kaum ein Stein auf dem anderen, wie Einrichtungsleiter Michael May bei einer Führung durchs Haus berichtet: Alles war entkernt, nur noch die Grundmauern standen. Das Gebäude ist nun auf dem aktuellsten Stand beim Brandschutz, und auch die Küche ist komplett erneuert.

2016 begann aber alles zunächst mit dem Anbau für 30 Bewohner. Als er fertig war, zogen die Bewohner aus dem Fetzer-Bau dorthin um. Auch dort wurde renoviert und umgebaut. Schließlich konnten dann die Bewohner aus dem Altbau umziehen. Über eine Ausnahmegenehmigung der Heimaufsicht rückten sie teilweise in zu Doppelzimmern umfunktionierten Einzelzimmern vorübergehend zusammen.

Erst dann konnte der Altbau umgebaut werden. Im ganzen Heim gibt es, wie die seit 31. August geltende Heimbauverordnung fordert, nun ausschließlich Einzelzimmer – bis auf drei Ausnahmen: Für Ehepaare oder Bewohner, die ausdrücklich zusammen wohnen wollen, stehen spezielle Zimmer zur Verfügung, mit zwei getrennten Räumen, aber gemeinsamem Bad und WC. Insgesamt hat das Winterbacher Pflegeheim jetzt 92 Plätze, sogar vier mehr als vorher. Noch weitgehend unbewohnt ist bis nach dem Tag der offenen Tür am Sonntag der Altbau, wo erst 13 von 42 Betten belegt sind. Mit dem Umbau hat auch ein neues inhaltliches Konzept Einzug gehalten: Bis zu 15 Bewohner leben jetzt in einer Wohngruppe zusammen, in der speziell auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Die Awo hat nach eigener Aussage damit wie bei der baulichen Gestaltung berücksichtigt, dass immer mehr Menschen im Alter an Demenz erkranken.

Viel Dank und Lob für das Pflegepersonal

Bei der Feier zur Neueröffnung des Heims an diesem Mittwoch konnten die geladenen Gäste besichtigen, was in den vergangenen mehr als drei Jahren Bauzeit entstanden ist. Alle lobten dabei das Ergebnis und würdigten die Leistung, das alles im laufenden Betrieb geschafft zu haben. Viel Dank und Lob gab es auch für das Pflegepersonal, das den Laden trotz widriger Bedingungen am Laufen hielt.

Bürgermeister Sven Müller erinnerte an die Diskussion, die es gab, als die Gemeinde das Pflegeheim während der Bauphase an die Awo verkaufte. Die Gemeinde entledigte sich damit einer finanziellen Last. Doch einige Winterbacher, auch Gemeinderäte, kritisierten die Entscheidung und fürchteten, wie Müller erinnerte, dass die Gemeinde durch den Verkauf, „eine jahrzehntelange Tradition und die Verantwortung für die Bürger aufgeben würde“.

Das sei nicht der Fall, betonte Müller. Die Gemeinde sei durch den Erbbaurechtsvertrag mit der Awo immer noch „im Boot“, sie hat zum Beispiel Mitspracherechte bei der Besetzung der Heimleiterstelle. Außerdem gibt es den Heimausschuss, in dem unter anderem Gemeinderäte sitzen. Und es gibt eben die engagierten Ehrenamtlichen wie die der Nachbarschaftshilfe, die „das Leben aus dem Ort ins Heim tragen“, wie Ulrich Wallkamm es ausdrückte. Die Einrichtung ist also nach wie vor Teil des Orts, mittendrin und nicht wegzudenken.


Tag der offenen Tür

Am Sonntag, 15. September, kann sich jeder, der möchte, von 11 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür das frisch umgebaute Awo-Pflegeheim anschauen. Auch für Unterhaltung und leibliches Wohl ist dabei gesorgt.

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