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Winterbach Classic Rock Night: Uriah Heep, The Hooters und Magnum

Winterbach. Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen, der Gitarrengott jedoch schuf die Classic Rock Night in Winterbach. Beim Zeltspektakel galt an Tag sechs das Motto „Back to the roots“, langhaarige Männer mit Bandshirts von Alice Cooper, AC/DC, Black Sabbath oder Kiss. Aber auch das junge Publikum wusste, was an diesem Abend geboten wird. Musiktechnisch fällt der Apfel eben nicht sonderlich weit vom Stamm.

Keineswegs ein Lückenfüller – Magnum überzeugten als Ersatz

Den Anfang machten Magnum. Die Fünf- Mann-Band war in der Nacht spontan in Großbritannien gestartet und hat sich als Ersatz für die ausgefallenen Black Star Riders auf den Weg über den Kanal nach Winterbach gemacht. Sie starteten direkt durch und brachten das Publikum auf Temperatur. Kühl hatte es wohl nur einer und zwar Frontmann Bob Catley, dessen langes weißes Haar im Wind seines Bühnenventilators wehte. Mit giftigen Gitarrensoli und röhrenden Stimmen überzeugten Magnum auf ganzer Linie und ebneten den Weg für Uriah Heep und The Hooters.

300 Jahre Erfahrung – Uriah Heep lebt

Vorneweg: Wussten Sie, dass der Name der Band Uriah Heep aus dem Roman „David Copperfield“ von Charles Dickens stammt?

Nach einer kurzen Umbauphase mit anschließendem Soundcheck kamen die Urgesteine nach und nach auf die Bühne. Den Anfang machten Keyboarder Phil Lanzon und Drummer Russell Gilbrook. Nachdem diese sich musikalisch duellierten, betrat der restliche Pulk die Rock’n’Roll Hall of Fame Winterbachs.

Bereits beim zweiten Lied bebte der massive Holzboden des Zelts. Uriah Heep hat in den vergangenen Jahrzehnten nichts an Energie verloren. Bernie Shaw traf jeden noch so hohen Ton, Lanzon übernahm die Rolle des euphorischen Rockdirigenten und Mick Box, der Einzige der fünf, den man als letzten „Ur“iah Heep bezeichnen könnte, spielte seine Gitarre, als hätte er seit seiner Geburt nichts anderes in den Händen gehalten.

Auch neuere Songs kommen beim Publikum an

Von einem kleinen Ausfall des Keyboards ließen sie sich nicht unterkriegen. Catley fragte Lanzon, ob er nicht alternativ pfeifen könnte, um den Ausfall gekonnt zu überspielen. „Das passiert schon mal nach fünf Stunden Fahrt und 13 Minuten im Hotel“, fügte Catley an. Nach kurzer Zeit lief alles wieder, der Hammondsound orgelte durchs Zelt und die Menge bebte. Auch neuere Songs wie „The Law“, kamen an, als wären sie bereits in den Geschichtsbüchern der Band verbucht. Die Double Basedrum von Gilbrook und das Zusammenspiel mit Basser Davey Rimmer brachten die Herzfrequenz der Fans auf ein einheitliches Niveau. Für einen der langjährigen Fans gab es als kleines Schmankerl „The Magician’s Birthday“ mit integriertem Geburtstagsständchen. Bei „Lady in Black“ waren die Massen gefragt. Zum Glück wusste jeder, wie er mit dem äußerst anspruchsvollen Refrain umgehen muss. Mit „Easy Livin’“ verabschiedeten Uriah Heep ihre Fans in den weiteren Abend.

Was an diesem Abend absolut positiv auffiel, war die geringe Anzahl an Smartphones, welche ja immer den freien Blick versperren. Echte Classic Rocker wissen eben, dass der Moment mehr zählt als die Erinnerung auf der Leinwand.

Feinster Rock mit gekonnten Folk-Einflüssen: Hooters.

Mit etwas mehr Verspätung betrat der diesjährige Headliner die Bühne. Um 22.15 Uhr starteten The Hooters aus Philadelphia ihr Programm. Eine Band, die weiß, wie man genreübergreifend Musik gestaltet und Massen hypnotisiert. Im Stil der frühen 80er brachte Rob Hyman sein Werk an den magischen Tasten ins Rollen und zeigte, was ein Meister am Klavier vollbringen kann.

„I’m looking older now than when I was a kid, but I’m feeling younger now than I ever did“, wenn eine Songzeile den Abend beschreiben soll, dann muss es diese sein. Mit Hits wie „All you Zombies“, „Johnny B“, „100 Miles“ und dem Cover des Klassikers „The Boys of Summer“ von Eagles-Frontmann Don Henley begeisterten die Hooters Alt und Jung bis zum Ende. Das Bühnenbild wurde perfekt, als Eric Bazilian im vom Nebel durchzogenen Scheinwerferlicht seine Mandoline spielte und eine Ballade vom Feinsten präsentierte.

Ebenfalls technischer Defekt: Sologitarre verstummt

Doch auch The Hooters wurden technisch nicht verschont, kurz vor Schluss verstummte die Sologitarre ungewollt und machte Platz für gekonnte Improvisation. Als passende Zugabe für ihr deutsches Publikum haben sich die Hooters Major Tom von Peter Schilling ausgesucht und voll ins Schwarze getroffen.

Damit geht die diesjährige Classic Rock Night in Winterbach zu Ende. Wieder einmal schaute man in begeisterte Gesichter. Ein großes Lob geht an die Veranstalter, die rasend schnell auf gleich zwei spontane Absagen reagierten und für einen, bis auf wenige Technikprobleme, reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgten. Ebenso virtuos war die Leistung des Lichttechnikers, der für jedes Lied sein eigenes, passendes Lichterspiel entwickelte.

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