Winterbach Video & Bilder: Installation "Winterbach"

Winterbach. Eine schwäbische Landschaft, durch die eine Modelleisenbahn fährt. Kleine Häuser, darunter auch eine Kirche, Blumenbeete, Bäume, Menschen, der Winterbacher Bahnhof. Auf den ersten Blick wirkt das Modell romantisch, geradezu idyllisch. Doch der Eindruck täuscht. Thema der Installation ist der Brandanschlag von Neonazis vom 10. April 2011.

Ungefähr ein Jahr lang hat der Künstler Peter Schmidt am Modell gearbeitet. Bilder von der abgebrannten Gartenhütte, von Protestaktionen und Mahnwachen, aufgenommen von den Fotojournalisten Nico und Alfred Denzinger, dienten dabei als Vorlage. Die meiste Zeit der Arbeit wurde in die Planung der Installation investiert. Gemeinsam mit den Fotojournalisten hat der Künstler besprochen, welche Bilder sich als Vorlage eignen. Daraufhin hat er das künstlerische Konzept des Modells ausgearbeitet.

Peter Schmidt hatte die Idee für das Projekt, doch das Thema beschäftigt sie alle. „Wir wollen die Medien auf die Initiative ‘Rems-Murr nazifrei’ und auf das, was passiert ist, aufmerksam machen“, sagt Nico Denzinger. Auch sein Vater Alfred hält es für politisch sinnvoll, für ein solches Thema eine Öffentlichkeit zu schaffen. Er selbst wurde schon einmal Opfer eines Neonazi-Angriffs. Einer der Angreifer war auch beim Winterbacher Brandanschlag beteiligt. Die Verbindung zwischen journalistischem und künstlerischem Aspekt der Installation „Winterbach“ ist gelungen. In Schmidts Modell ist ein Bildschirm integriert, der ein Video-Interview mit Duran Tecer, dem Vater dreier Opfer des Brandanschlags, zeigt. „Er spricht genau das aus, was wir denken“, meint Künstler Peter Schmidt. Das Video sei wichtig für die Installation, da es deren Ernsthaftigkeit unterstreiche. Es verdeutliche, dass sich auch dort Schlimmes ereignen könne, wo man es nicht vermute: in der schwäbischen Idylle, in Winterbach.

Zur Ausstellung gehören neben dem Modell auch Fotos. Die Originalbilder aus Winterbach hängen neben Fotos der Modelldetails. Hier wird deutlich, wie genau Schmidt das Kunstwerk dem Original nachempfunden hat. Die meisten Künstler arbeiteten nur mit Fotos ihrer Modelle, die wenigsten stellten auch die Modelle mit aus, so Peter Schmidt. Er wolle verschiedene Zugänge zur Kunst zulassen.

Fotojournalist Alfred Denzinger meint, die Ausstellung sei hervorragend geworden. Auch der Künstler Peter Schmidt ist überzeugt von seinem Werk. Nun hofft er, dass die Ausstellung von den Besuchern angenommen wird.

Info

Noch bis zum 6. Mai wird die Installation „Winterbach“ im Winterbacher Rathaus ausgestellt. Montags bis donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr, mittwochs von 15 bis 19 Uhr und freitags von 7 bis 12 Uhr. Danach wird sie in Stuttgart, Berlin, Ludwigsburg und Heilbronn zu sehen sein.

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