Winterbach Wasser und Bestattungen werden teurer

Die Urnenwand auf dem Winterbacher Friedhof. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach. 
Auf die Winterbacher Gebührenzahler kommen 2020 höhere Belastungen zu. Die Gemeinde muss zur Deckung der Kosten ihre Einnahmen im Friedhofsbereich und bei der Wasserversorgung erhöhen. Diskussionen gab es im Gemeinderat vor allem bei den Friedhofsgebühren, zwei Räte stimmten gegen die Erhöhung. Doch die Verwaltung argumentierte sehr klar: „Wir sind gezwungen, das zu tun“, sagte Bürgermeister Sven Müller. Die Gemeinde sei verpflichtet, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, in dem alle laufenden Ausgaben gedeckt sind. Schaffe man das nicht, verlange die Rechtsaufsicht eine Gebührenanpassung.

Die Wasserverbrauchsgebühren steigen in Winterbach seit Jahren kontinuierlich, machen jetzt aber einen Sprung von 1,99 auf 2,50 Euro (brutto). Die Gemeinde muss hier unter anderem deswegen mehr Geld für die Deckung ihrer Ausgaben verlangen, weil Unterhaltungsmaßnahmen und weitere Investitionen anstehen. Es gebe nicht „den einen Kostentreiber“, sagte Bürgermeister Sven Müller im Gemeinderat. Aber es liege unter anderem daran, dass man einen „Instandhaltungsrückstau“ habe.

Außerdem sind die Aufwendungen für den Bezug von Fremdwasser gestiegen. Der Ausstoß der Winterbacher Quellen habe wegen Starkregen häufig nicht genutzt werden können, erklärte Kämmerin Melanie Müller. In dem Fall werde das Wasser nämlich zu trüb. Die Gemeinde muss bei der Landeswasserversorgung einkaufen, damit Winterbach versorgt ist.

Müller: Nur „auf den ersten Blick drastisch und gravierend“

Für den Bürgermeister sieht die Erhöhung lediglich „auf den ersten Blick drastisch und gravierend“ aus. Rechne man die Auswirkungen durch, relativiere es sich, so seine Meinung. Der Mehraufwand für einen Vier-Personen-Haushalt liege bei einem Verbrauch von 100 Kubikmetern Wasser bei etwas mehr als vier Euro im Monat.

Das wollte der Grünen-Gemeinderat Hans-Gerhard Hertha-Haverkamp nicht so stehenlassen. „Mir wäre wichtig, dass man gegenüber dem Bürger auch ehrlich ist.“ Deswegen sollte man die Erhöhung nicht relativieren, sondern auch sagen: „Es ist eine gewaltige Erhöhung von unter dem Strich 25 Prozent.“

Für Gräber von Kindern und für Tot- und Fehlgeburten sinken Gebühren

In den meisten Grabarten steigen die Gebühren für Bestattung und Grabnutzung um rund 15 Prozent. Gar nichts ändert sich bei den Nutzungskosten für das Wahlgrab in der Urnenwand, das aber mit 2616 Euro ohnehin schon mit Abstand die teuerste Bestattungsform in Winterbach war. Der Grund sind die gegenüber einem Erdgrab hohen Baukosten für die Wand, die die Gemeinde zum großen Teil auf die Nutzer umlegt. Zum großen Teil heißt, dass die Verwaltung bei den Nutzungsrechten einen Kostendeckungsgrad von 90 Prozent und bei der Bestattung von 80 Prozent anpeilt.

Einzige Ausnahme davon sind Gräber für Kinder und die für Tot- und Fehlgeburten. Hier sinken die Gebührensätze ab kommendem Jahr sogar noch. In diesen besonderen Fällen verzichtet die Gemeinde also auf einen hohen Kostendeckungsgrad.

Kalte, nackte Zahlen zu einem sehr sensiblen Thema

Drei Gemeinderäte stimmten insgesamt gegen die Erhöhung der Gebühren: zwei aus den Reihen der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), Elke Heiland und Helmut Nachtrieb, sowie SPD-Rat Klaus-Dieter Völzke. „Für mich ist der Friedhof nicht unbedingt aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen“, begründete Elke Heiland ihre Ablehnung. Und Nachtrieb sagte: Er sehe die Notwendigkeit ein. „Aber es sind sehr kalte, nackte Zahlen zu einem sehr sensiblen Thema.“ Er hätte eine stufenweise Anhebung der Sätze befürwortet. Klaus-Dieter Völzke fand es „nicht unbedingt nötig“, nach vier Jahren schon wieder eine neue Berechnung der Gebühren zu machen.

„Wir sind nach dem Kommunalabgabengesetz verpflichtet, das zu machen“, erklärte Bürgermeister Sven Müller daraufhin. Der Gemeinderat habe die Pflicht, die Verantwortung zu übernehmen, deswegen sehe er es als unumgänglich, die Erhöhung mitzutragen.

In den vergangenen Jahren seit der letzten Gebührenanpassung habe sich viel verändert. Es gebe einen neuen Grabmacher, dadurch seien die Kosten hierfür nach oben gegangen. Ganz neu sind jetzt Gebühren für die Bauhofleistungen, die in Anspruch genommen werden können, um ein Grab nach Ablauf der Nutzungsdauer einzuebnen. Diese Leistung wird laut Gemeinde immer mehr in Anspruch genommen. Man sei der Meinung, dass man bei diesen Leistungen, die auch private Landschaftsgärtner durchführen könnten, 100 Prozent Kostendeckung aufrufen könne, um das nicht länger zulasten der Steuerzahler laufenzulassen, so Bürgermeister Sven Müller.

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