Winterbach Weihnachtsmarkt: Viele heiße Angebote bei Bibbertemperaturen

Weihnachtliche Dekoideen sind oft für relativ kleines Geld zu haben. Foto: Schneider / ZVW

Winterbach. Bei Bibber-Temperaturen bewegten sich die Besucher über den Winterbacher Weihnachtsmarkt, dick eingepackt und mit dem Ziel einer heißen Suppe oder eines Glühweins vor Augen. Örtliche Vereine, Gruppen und Privatpersonen steckten wieder viel Mühe ins Angebot an den Ständen.

Auf viel Originelles stößt der Besucher. Weihnachtliche Dekoideen, gehäkelte und gefilzte Mützen, eine seltene Pfefferart aus Kambodscha und sommerliche Grüße aus dem Heilkräutergarten des homöopathischen Vereins: Energie- und Nervenkekse, Blütensalze im Reagenzglas und ein Douglasiensalz sind dort zu haben, für das Nadeln bei 40 Grad im Backofen getrocknet werden. Passend zur Jahreszeit findet auch der Erkältungssirup aus Thymian und Spitzwegerich dankbare Abnehmer.

Wer am ersten Adventssonntag noch ohne Kranz ist, kann dies am Stand von Anke Gerlacher und Juliane Gold ändern: Ihre Advents-„Kränze“ sind so ausgefallen, dass nur die vier Kerzen an die Symbolik erinnern. Die beiden bastelbegeisterten Mütter stecken sie in bunte Guglhupfformen oder richten einzelne Kerzen in vier gut mit Steckmoos gepolsterten Konservendosen an. „Wir sind Deko-Fans, das ganze Jahr über“, erzählt Anke Gerlacher aus Winterbach. Sie hätten seit Monaten jede freie Minute zum Werkeln und Basteln genutzt, „immer abends, wenn die Kinder im Bett waren“.

Vom vollen Keller zum ersten gemeinsamen Stand

Irgendwann seien Keller und Garage voll gewesen, worauf ihr Mann leisen Protest angemeldet habe. „Er hat mich gebeten, dass er sein Haus gerne mal wieder zurückhaben will“, berichtet sie augenzwinkernd. So sei die Idee zum ersten gemeinsamen Stand entstanden.

Auf Weinkisten bieten sie auch kleine Porzellantassen mit Solo-Kerzen an. Einige Tassen sind den heimischen Singvögeln vorbehalten, die eine Mischung aus Schmalz und Sonnenblumenkernen aus „Vogelfuttertassen“, also von Porzellan essen und picken dürfen. Die zwei Bastlerinnen haben praktisch gedacht und ein buntes Geschenkband mit dem Henkel der Tasse verknotet – die ideale Aufhängung für die Vogelnahrung auf Balkon und im Garten.

Christiane Bärlin, ehemalige Winterbächerin, inzwischen wohnhaft in Alfdorf, bietet selbst gemachte Brände und Whisky an. Der persönliche Kontakt sei die Qualität hier, um große Märkte mache sie einen Bogen. „Man trifft Leute, die man kennt.“ Ihr Standinneres ist mit etwas Reisig von der Gemeinde geschmückt. „Wir wollten eigenes vom Wald mitbringen, aber bei uns ist alles verschneit, wir konnten keins mehr sammeln.“

Auch gebrannte Mandeln können ein Handwärmer sein

In Winterbach lassen die Schneeflocken zwar erst einmal auf sich warten, die Kälte ist dafür schon mal nicht zurückhaltend. Wie schön, am Stand der BdS-Frauen einen „Handwärmer“ ergattern zu können, der auch noch fein schmeckt: Gebrannte Mandeln kommen frisch und heiß aus dem Mandelbrenner, in dem ein Rührarm die in Zucker, Wasser und Zimt badenden Mandeln kontinuierlich in Bewegung hält.

Handarbeit und Augenmaß braucht’s für diese zimtige Spezialität. „Man muss dabeibleiben und immer wieder die Temperatur regeln“, verraten Tanja Hetzinger und Silvia Bückle, denen die Kälte neben dem warmen Mandelofen nichts ausmacht. Gefeit gegen kalte Hände ist auch Christa Bund, die die Mandeln eintütet und sie den Käufern warm in die frierende Hand drückt.

Eine Bohrmaschine mit Kralle für die beliebte „Surferwelle“

Eine „heiße“ Konstruktion tut am Stand des Surfclubs „Hang Loose“ seit „gefühlten 25 Jahren“ treu ihren Dienst: Eine Bohrmaschine mit Kralle bringt die beliebte „Surferwelle“ hervor; eine Kartoffel, die mehrere Stationen hinter sich hat, bevor sie als knuspriger Imbiss zusammen mit hausgemachter Sour Cream reißenden Absatz findet. 150 Kilogramm Kartoffeln hätten sie dafür „von Hand geschrubbt, in der Badewanne“, versichert die Surfer-Truppe frohlockend.

In akkurater Ziehharmonikaform verlässt die Kartoffel den Spiralschneider für ein zweites Bad, dieses Mal in heißem Öl. Sie sei „ein Klassiker“ des Weihnachtsmarkts, versichert Stammbesucherin Elke Sommer, die beim Kuchenverkauf in der Kaffeestube im Gemeindehaus mithilft. Im Anschluss wird klassisch „der obligatorische Glühwein“ getrunken. „Wir sind eine schöne Gemeinschaft hier, viele machen mit“, hebt sie das spezielle Marktflair hervor.

Der Winterbacher Weihnachtsmarkt lockt mit Vielseitigkeit

Als „vielseitigen Markt“ lobt ihn auch Sigrid Speidel, die ihn bis jetzt nur als Besucherin kannte. „Viele Vereine geben sich Mühe und bieten viel Selbstgemachtes an“, erklärt sie, was den Markt besonders macht. Dieses Jahr wechselt sie erstmals auf die Seite der Standbetreiber. „Wir sind zwei Familien, die zusammen zum Skifahren gehen und dafür die Urlaubskasse aufbessern möchten“, erzählt sie.

Die Kinder Tamara, Hannah, Selvi und Manuel sind fleißig am Crêpesbacken und reichen dazu Früchtepunsch und heißen Apfelstrudel – eine glühende Kombination aus Apfelsaft, Likör und Wodka - an die Bibbernden.

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