„Wir müssen uns in den Hintern beißen“ TVB-Trainer ärgert sich nach Remis in Balingen

Die Leistung stimmt, die Resultate könnten besser sein: Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt hätte gerne beide Punkte von der Schwäbischen Alb mitgenommen. Foto: Ralph Steinemann

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart kommt – trotz Formanstieg – in der Tabelle nicht wirklich vom Fleck: Das unglückliche 23:23 in Balingen war das vierte Unentschieden im elften Spiel. „Es war wie beim Tennis“, sagte der Trainer Jürgen Schweikardt am Tag danach. „Wir haben fünf bis sechs Matchbälle vergeben.“ Zudem haderte der TVB in der entscheidenden Phase mit den Schiedsrichtern.

Die Regeln sind nicht nur im Fußball bisweilen kompliziert, sondern auch im Handball. Die „grobe Unsportlichkeit“ (siehe Artikel rechts), die der Stuttgarter Adam Lönn nach Ansicht der Schiedsrichter Mirko Krag und Marcus Hurst beim Derby in Balingen 18 Sekunden vor der Schlusssirene begangen hatte, sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Und sie wäre auch durch einen Videobeweis nicht entkräftet worden. „Man muss einem Spieler schon Absicht unterstellen, wenn man hier Rot zeigt“, sagt Jürgen Schweikardt. „Adam hat den Pfiff der Schiedsrichter aber gar nicht gehört, weil es unheimlich laut war in der Halle.“

„In mindestens drei Spielen hatten wir sehr gute Siegchancen“

Der TVB-Trainer hätte sich in dieser Szene ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Seiner Ansicht nach hätte es gereicht, den Balingern den Ball zu überlassen. „Adam hat den Ball ja auch nicht irgendwo auf die Tribüne geballert, sondern aufs Tor.“ Ganz abgesehen davon, dass er bereits in der Bewegung war.

Es war zweifelsfrei eine harte, wenn auch letztlich wohl regelkonforme Entscheidung. Allerdings muss es sich der TVB zu großen Teilen selbst zuschreiben, dass es erneut lediglich zu einer Punkteteilung reichte. Wie zuvor in den Heimspielen gegen Flensburg (23:23), Lemgo (26:26) und Minden (24:24). „In mindestens drei Spielen hatten wir sehr gute Siegchancen“, sagt Schweikardt. „Deshalb müssen wir uns schon in den Hintern beißen.“

In Balingen hatte der TVB einen nahezu perfekten Start (8:4) – und geriet für zehn Minuten (8:10) aus der Spur. Das schmeckte dem Trainer natürlich nicht. „Aber das Positive ist, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen ließen.“ Der TVB holte sich die Führung zurück und hatte nicht erst in der Schlussphase bei der Zwei-Tore-Führung mehrere Großchancen, für klare Verhältnisse zu sorgen.

Herausragende Mittelblock mit Samuel Röthlisberger und Adam Lönn

Prunkstück des TVB war der herausragende Mittelblock mit Samuel Röthlisberger und Adam Lönn. Während sich der Schweizer im Angriff ausruhen durfte, ackerte der Schwede hinten wie vorne. Dass Lönn in der einen oder anderen Situation die Konzentration fehlte, war wenig überraschend. Die erhoffte Entlastung im linken Rückraum in Person von Dominik Weiß gab’s allerdings nicht. „In den wenigen Aktionen, die Dominik hatte, war er zu zögerlich“, sagt Schweikardt. „Man muss ihm allerdings zugutehalten, dass ihm noch die Spielpraxis fehlt.“

Auch wenn sich der Trainer über den verlorenen Punkt ärgert: Mit der Entwicklung seiner Mannschaft ist er sehr zufrieden – „wenn man sieht, wo wir vor eineinhalb Monaten standen“. In der aktuellen Form sind die zehn Punkte, die sich Schweikardt bis zum Ende des Jahres als Zwischenziel gesetzt hat, durchaus realistisch. Zwei der vier, die hierzu noch fehlen, kann der TVB am Sonntag in der Woche gegen den Bergischen HC (16 Uhr) in der heimischen Scharrena einsammeln.


Regelkunde

Der Paragraf 8 der internationalen Handballregeln regelt „unsportliches Verhalten, das mit einer Disqualifikation zu ahnden ist“. Dazu zählt unter anderem „demonstratives Wegschlagen oder Wegwerfen des Balles nach einer Schiedsrichterentscheidung“.

Auf diesen Paragrafen – und die Regelerweiterung im Jahr 2016 – stützten sich die Schiedsrichter Mirko Krag und Markus Hurst in Balingen. Es handelt sich um die sogenannte „30-Sekunden-Regel“: Begeht ein Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf), erhält er die Rote Karte ohne Bericht – und die andere Mannschaft automatisch einen Siebenmeter.

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